Bad Karma

Gerade wollte ich also zu unserem neuen Dilsberg-Studio fahren, um für Laura ein paar Vocal-Demos aufzunehmen, damit ich ihr dann alsbald ihr erstes zu besingendes Material schicken kann. Ich hatte mir diese Aktion schon seit zwei Wochen vorgenommen, aber es kam immer wieder etwas dazwischen, so dass ich die Fahrt verschieben musste. Heute sollte es endlich so weit sein – das Wetter war so schön, wie es am Herbstanfang nur sein kann, und ich war überzeugt davon, dass heute gutes Material entstehen würde.

Auf halber Strecke wurde ich dann plötzlich gewahr, dass es in meinem fahrbaren Untersatz, einem unerschrockenen kleinen Ford Fiesta mit Zuckerpüppchen-Servolenkung und ganzen zwei Airbags, nicht wirklich gut roch. Zudem wurde ich gewahr, dass die mir nachfolgenden Fahrzeuge plötzlich durchaus den vorgeschriebenen Abstand zu meinem Vehikel zu halten vermochten, was normalerweise nicht der Fall ist — da ich die steile Strecke in meinem Boliden allenfalls mit 30 Sachen und im zweiten Gang hochkomme, hängt das Odenwälder Landvolk im Allgemeinen mit zwei Zentimetern Abstand hintendrauf und kann es kaum erwarten, in der nächsten Kurve zu überholen, dabei mit unnachahmlich blöder Fresse zu mir rüberzugaffen und mir hin und wieder Zeichen zu geben, die nach meiner Interpretation so viel heissen sollen wie: „Du solltest auch mal mit Deiner Grosstante schlafen“ . Nur, wie gesagt, dieses eine Mal nicht – dieses eine Mal hielten sie Abstand, und machten mich sogar durch wildes Lichthupen auf die dunkelschwarze Rauchfahne aufmerksam, die ich hinter mir herzog.

Oops.

Also schnell in den nächsten Waldweg eingebogen, unter den Wagen geschaut, festgestellt, dass aus dem Katalysator (auf den vom Motorblock aus Öl getropft war) die Rauchschwaden entwichen, gewartet, bis der Spuk vorbei war, mit so wenig Gas wie möglich zurückgefahren und jetzt sitze ich erstmal hier und bringe am Montag den Wagen zur Reperatur.

Aber eigentlich brauche ich mich nicht zu wundern. Es war gestern auf der jüngsten unserer Speyerer Kochsessions, wo wir (will heissen: Rüdiger, Ole, Bettina, Steffi und meine Wenigkeit) gar köstliches Mango-Huhn, leckere Kartoffelsuppe ohne Zitronengras und schriesische Himbeerpampe produzierten (ok, die Himbeerpampe produzierte Rüdiger im Alleingang), und wo ich zum ersten Mal von der Existenz von Diamantwasser erfuhr.

Und dann machte ich den Fehler. Ich lachte mich krumm und buckelig. Ich lästerte. Mit spitzer Zunge kommentierte ich auf vernichtende Art und Weise die bahnbrechenden Entdeckungen des französischen Meisters Joël Ducatillon, durch den 1990 wohl ganz spezielle Energien flossen… doch warum nacherzählen? Lassen wir das Original zu Wort kommen…:

    Der Franzose Joël Ducatillon war von Beruf Musiker und Jazzpianist, bis er sich zum Naturheiler ausbilden ließ. Ab 1990 begann eine spezielle Energie durch ihn zu fließen und der Verlust von Beruf, Familie wie Wohnung ließen darauf deuten, daß sich etwas Neues anbahnte.

    1994 hatte er drei Träume, die zum Entstehen des Diamantwassers führen sollten. Im ersten Traum wurde ihm mitgeteilt, er werde einen Apparat bauen, der DNS 850 heißen würde. Dieser Apparat werde die Tür zu Neuem öffnen.
    Im zweiten Traum wurde ihm eine Drehtür gezeigt. Leute standen in langer Reihe davor und konnten einer nach dem anderen eintreten, indem sie eine Karte in einen Apparat steckten. Es wurde erklärt, dies sei eine codierte Karte, welche erlaube, die in den Zellen gespeicherten Erinnerungen zu löschen, um so direkt zum höheren Selbst gelangen zu können.
    Eine silbergraue Visitenkarte mit der Aufschrift Steel – Storm – Staelhe wurde ihm im dritten Traum gezeigt.

    Was sollte er mit diesen Träumen anfangen? Ein tiefes inneres Wissen um physikalische Vorgänge war wohl in ihm vorhanden. So kaufte er sich Bücher über Quantenphysik und brauchte lange, bis die Erinnerung aus der Zeit von Atlantis zurückkam. Damals hatte man diese Forschung nämlich schon gemacht. Er wurde durch Wesen geleitet, die ein regelrechtes Team bildeten, darunter Sri Aurobindo und Mère.
    1996 entstand ein erster Apparat in Form eines Zylinders aus Plexiglas, worin eine Energiespirale steckte. In den Jahren 1997 und 1998 entwickelte sich der Apparat weiter zu einem Zylinder aus Glas mit einer Art künstlicher DNS aus Licht darin. In langer Arbeit wurden rund 900 Codes darin eingeprägt. Nun begriff Joël den Traum mit den codierten Karten, ahnte jedoch noch nicht, daß der Apparat zur Transformierung von Wasser gebraucht werden sollte.

Unsoweiter undsofort. Dieser einleuchtende und bewusstseinserweiternde Text ist übrigens der Webpage http://www.sanfte-beruehrung.de entnommen (da steht noch viel mehr so Zeug!), deren Betreiber den Text wiederum aus dem Pamphlet haben, das jedem Behälter Diamantwasser – und dankenswerterweise auch jenem, das ich gestern bei Rüdiger entdeckte – beiliegt. Insofern trifft sie eigentlich keine Schuld.

Wie dem auch sei. Mein Fehler war, das Diamantwasser nicht ernst zu nehmen „Schwachsinn“, dachte ich, „mit dem armen Naivlingen Geld aus der Tasche gezogen wird. Waurm kann ich sowas nicht?“

Aber ich hätte das Zeug saufen sollen. Darin baden. Meinen Intimbereich damit waschen. Whatever. Dann wäre ich heute auf den Dilsberg gekommen, hätte tolle Demos aufgenommen, und würde jetzt nicht blöde Blogeinträge schreiben. Und mit der Zeit, wer weiß, wäre auch ich auf das Niveau der 5. Dimension gekommen… und dann hättet ihr alle mal was erleben können!!!

Hare Krishna,
Stephan

PS: Ich muss an dieser Stelle noch Rüdiger verteidigen. Obwohl das Pamphlet bei ihm gefunden wurde, sind die näheren Umstände doch ein wenig komplizierter, und es ist keinenfalls so, dass er auch nur ein Wort von diesem Schwachsinn glaubt. Obwohl er besser sollte ;)

2 Antworten auf „Bad Karma“

  1. Ich weiß zwar nicht genau, was das mit Deiner Musik zu tun hat, aber Du hast natürlich durchaus recht. Du solltest auch Deine Instrumente in Diamantwasser waschen und mit Diamantwasser gurgeln („Ich beabsichtige, dieses Lied selber und gut zu singen“), aber das weißt Du sicher selber.

  2. Ein Kommentar aus der Zukunft… respektive, zwei Jahre später.

    Hätte ich es doch nur gelassen, diesen Eintrag zu schreiben. Die ganze Welt sucht auf diesem Blog nach Diamantwasser… es ist echt unglaublich, wieviele Leute sich von dieser Verarsche Heilung erhoffen… und wie wenig Leute sich im Vergleich dazu für meine Musik (um die es hier geht!) interessieren; wäre es andersrum, wäre ich ein glücklicher Mensch…

    Naja, jetzt ist es halt so. Sucht weiter nach Diamantwasser. Lest die Bildzeitung, kauft die neueste Kuschelrock-CD, kümmert euch einfach nicht um mich… ich mach hier weiterhin still und unentdeckt mein Zeug und versuche nicht allzuviele Gedanken an die Menschheit zu verschwenden, von der offensichtlich der Grossteil einfach einen ganz gewaltigen Dachschaden hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.