Inspiration

Interessanterweise ist das Wohnen in der Ortenauer Straße Numero 6 durchaus dazu geeignet, die Niederungen der menschlichen Dummheit immer weider aufs Neue zu erforschen. Die Terrasse ist ein idealer Beobachtungsposten. Es ist zwar nicht ganz so schlimm, wie es in Kirchheim damals war (keine Diplompsychologinnen und auch keine Speditionsfirmen hier), aber dafür ist eine Schule ganz in der Nähe. Vom täglichen Gegröle und den wenigen zu erkennenden Fetzen an semantischem Gehalt her zu urteilen würde ich auf eine Hauptschule von Typ Rütli tippen, aber soweit ich weiß handelt es sich um eine Realschule und ein Gymnasium.
Hinzu kommen die Leute, die hier mit 80 Sachen die 30er-Zone langbrettern und die pro Tag ca. 48 Leute, die verkehrtrum die Einbahnstraße langfahren. Nicht zu vergessen die depperten Italiener, die sich jetzt seit Tagen, ausgerüstet mit Megaphon, an ihrem unverdienten WM-Sieg gegen Australien ergötzen. Wirklich bemerkenswert.
Seufz. Und ich hatte einmal einen ruhigen, großen Garten mit einer großen Linde und einem Nußbaum drin. Es braucht sich wirklich niemand wundern, dass meine Songs so klingen wie sie klingen. Aber es ist ja alles nur vorübergehend hier, nur vorübergehend… es ist nur vorübergehend… es wird vorüber gehen…

Während Stephan also gerade auf der Terrasse sitzt und seiner Bachelor-Arbeit den letzten Schliff zu verpassen versucht, ergibt sich nun schon seit ca. einer Dreiviertelstunde eine ganz neue Inspiration: Am Verteilerkasten gegenüber steht nämlich seit dieser Zeit eine Frau (naja, ein Mädchen von ca. 18 Jahren), die in breitem amerikanischem Akzent per cellular phone mit ihrem Noch-Freund (nach dem Telefongespräch wird er’s wohl nicht mehr sein) telefoniert, der gerade von Berlin aus versucht, mit ihr Schluss zu machen. Und es ist – natürlich – eine Tragödie. Er hat sie gebumst, jeden Tag und jede Nacht und jetzt ist sie nicht mehr gut genug für ihn („you been fuckin me all day and night and now I’m not good enough anymore?“) Nur weil er jetzt jemanden gefunden hat mit einem Haus und die Schlampe („that bitch“) hat Kinder aus ihrer letzten Beziehung?!!! Und kommt er jetzt heute nach Wiesloch zurück oder nicht? „I just want you to answer my goddamn question!“.

Das Problem ist, ich möchte das eigentlich alles gar nicht mithören. Aber es geht nicht anders, denn dieses finale Gespräch ist derartig laut, dass man es nicht ohne große Anstrengung ignorieren kann. Es ist fies. Und Schluß machen ist meistens ziemlich unfair, insbesondere, wenn es die ganze Straße mitkriegt. Ich denke, da wird ein Song draus werden, fühle mich gerade irgendwie inspiriert. Leider muss das noch warten, bis die BA fertig ist. Und die muss warten, bis die zwei endlich Schluß gemacht haben. Aber nach ihrer Lautstärke zu urteilen ist der Höhepunkt demnächst erreicht.

Apropos Höhepunkt… wirklich außerordentlich faszinierend, wieviele Leute in den letzten Tagen auf dieses Blog gekommen sind, weil sie bei Google nach der Kombination „WM“ und „Porno“ gesucht haben. Zusammen mit den armen Trotteln die nach „Diamantwasser“ suchen, machen diese Leute inzwischen den Hauptanteil meiner Besucher aus. Seufz. Können die Leute nicht mal nach „vollkommen unterbewertete aber dennoch wunderschöne Musik eines seit Jahren zu Unrecht ignorierten Heidelberger Künstlers, der es verdammt noch mal verdient hätte, endlich entdeckt zu werden“ suchen? Das würde mir gefallen.

Naja, Sex sells. Ich denke, ich muss, wenn hier wieder Musik veröffentlicht wird (bald isses soweit!) die entsprechenden Einträge ein bisschen mit Satzfragmenten wie „slide it in, baby“ oder „my gosh it’s BIG!“ oder sowas würzen, dann lädt vielleicht mal aus Versehen jemand ein mp3 runter.

Ja!!! Sie hat aufgelegt!!!!

Und weg.

WM-Porno!

(yess, das gibt Google-Treffer!)

Aber Spaß beiseite, geht es eigentlich nur mir so, dass ich bei Sätzen wie

„Schneider hebt das Spielgerät gefühlvoll in den Lauf von Klose […]“

eher an Pornoroman als an Fußball denken muss? Naja, vermutlich. ;-)

(gefunden auf dem Spiegel-Liveticker)

Und jetzt: Lyrik

Ode an den Vollidioten, der gerade mit seinem tiefergelegten Peugot auf dem Parkplatz gegenüber steht und mit offener Tür 50ct oder ähnlichen Schwachsinn in voller Lautstärke hört

Manchmal
Ja manchmal
Bin ich mir gar nicht so sicher
Ob wir alle
Vom gleichen
Affen abstammen