Ein Song und die Geschichte: Moon Child

„Moon Child“ – Foto von Bina Engel
aus dem „Grounded“-Booklet


Von all den Songs auf „Grounded“ ist Moon Child vermutlich derjenige mit der längsten und verzwicktesten Geschichte… und es ist auch der einzige Track, der es für sich in Anspruch nehmen darf, in vier verschiedenen Studios/Locations aufgenommen worden zu sein.

Begonnen hat „Moon Child“ anno 2003 in meiner Heidelberger Studentenbude als ein relativ simples Demo namens „The Journey“. Dieses bestand hauptsächlich aus Synthi-Flächen, einem einfachen Drumcomputer-Pattern und jeder Menge VL70-Saxophon-Soli (ich hatte den VL70 gerade für gnadenlos billig auf eBay ersteigert und mich so richtig in das kleine Wunderding verliebt; eine Liebesbeziehung, die bis heute nicht viel von ihrer Intensität eingebüßt hat, der VL70 ist und bleibt eine der interessantesten Erfindungen des letzten Jahrhunderts).

Ein per Breath-Controller live gespielter VL-70 lässt den Musiker
nicht wirklich sexy aussehen, aber die Ergebnisse sind sehr hörenswert…

 

Dieses erste leise Demo war noch in keiner Weise zu vergleichen mit der ziemlich brachialen Version, die vier Jahre später auf „Grounded“ zu hören war (nicht zuletzt, weil so ein Unterfangen in meinen eigenen vier WG-Wänden vermutlich mit „Könnt-Ihr-Das-Bitte-Leiser-Machen-Das-Kann-Sich-Ja-Niemand-Anhören„-Predigten quittiert worden wäre).

Nur wenige Monate später jedoch, nämlich im Dezember 2003, standen Ani und ich in der Halle 03, jenem provisorischen Studio, das wir in Heidelberg im stillgelegten Güterbahnhof eingerichtet hatten, froren uns gemeinsam bibbernd und zähneklappernd unsere jeweiligen Ärsche ab und nahmen, basierend auf meinem ersten Demo, eine wesentlich krachigere Version von „The Journey“ auf.

Ani und ich beim Aufnehmen von „Moon Child“

Ani legte dabei fünf Gitarren und einen Bass übereinander, während ich mir krachigere Drums und die Brutalo-Hammond aus den Fingern saugte. Das Ergebnis behielt vom Demo nur noch die orientalisch anmutenden VL70-Soli bei, alles andere hatten wir bei den Halle03-Sessions kräftig umgebaut.

Wie man der offiziellen Biographie entnehmen kann, kam dank eines großen Heidelberger Kultur-Förderers sehr schnell das brutale Aus für Sessions in der Halle03, und in der darauffolgenden, nicht besonders erquicklichen Zeit des Wartens und der zwangsweisen Introspektion bekam „The Journey“ einen Text – jenen Text darüber, wie man aus den falschen Gründen auf selbstzerstörerische Weise an einer Beziehung festhält – und wurde zu „Moon Child“.

Eine Dilsberg-Jamsession in vollem Gange…

Erst sehr viel später, nämlich irgendwann im Herbst 2004 bei den legendären Dilsberg-Sessions (die immer und jedes Mal als Inspiration dienten) und bei Aufnahmen in der „Wheel Ranch“, wurde Moon Child zumindest instrumental fertiggestellt.

Und als dann 2005 Botany Bay mit Laura endlich viel mehr als nur eine Stimme gefunden hatte (und mit Reinhard einen weiteren Gast-Gitarristen und mit unserem Kellerstudio endlich eine Aufnahme-Location, die nicht wasweißich wieviele km entfernt ist) war es an der Zeit, die Puzzleteile zusammenzufügen. Das Ergebnis…


…wird demnächst exklusiv auf diesem Blog zu hören sein.

Denn das Ergebnis war nicht das, was heutzutage auf „Grounded“ als „Moon Child“ zu hören ist.

Denn 2007, in Bonn angekommen, und mit der Aufgabe konfrontiert, all die Songs und Soundschnipsel und Instrumentale zu einem Album zusammenzustellen, zu mischen und zu mastern, fiel mir nämlich schon bald auf, daß der Track überhaupt nicht zwischen die anderen Stücke passte, weder von der Stimmung noch vom Arrangement her.

Also wurde „Moon Child“ nochmal komplett auseinander genommen, neu arrangiert, und als Krönung durfte sich darauf ein weiterer, letzter, neuer Gast verwirklichen, nämlich Violinistin Jette Klein-Berning…

Sommer 2007 – Jette und Laura geben „Moon Child“ den letzten Schliff…

Das Ergebnis ist meilenweit entfernt von dem, als was „Moon Child“ angefangen hatte.Ab und zu werden wir ja gerne mal in die Gothic/Darkwave-Schublade gesteckt. Eine Kategorisierung, mit der ich mich nicht so recht anfreunden mag… „Grounded“ mag zwar melancholisch sein, aber nicht ausgesprochen düster… und für irgendwas mit dem „Wave“-Label haben wir uns glaub ich zu viel Mühe gegeben, das Ganze organisch klingen zu lassen. Allein, soviel muss ich zugeben, für die endgültige Version von „Moon Child“ mag dieser Aufkleber sogar passen…Demnächst also hier: Der Alternativ-Mix von Moon Child. Und bis dahin nochmal die Bitte, bei hobnox für uns zu stimmen. Einen Tag hat die Woche noch, und momentan sieht es leider nicht so aus, als ob wir es schaffen würden. Also ein – versprochen – allerletztes Bitte meinerseits…

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