Gute Vorsätze…

…fürs neue Jahr soll man sich ja eigentlich nicht machen, denn meistens schafft man es nicht einmal, auch nur die Hälfte davon durchzuziehen. Trotzdem hier mal ein grober Überblick, was wir mit Botany Bay vor haben:

  • Es wird ein neues Album geben. Wir haben sogar schon einen Titel. Aber ich glaub, ich verrat ihn noch nicht.
    12 Songs sind schon aufgenommen, davon wurden bislang 3 vorab im Web als Single veröffentlicht („Inhale“, „Voices“ und „The Real World“).
  • Ob es bis zu diesem Zeitpunkt noch irgendwelche weiteren musikalischen Veröffentlichungen geben wird, weiß ich nicht. Schließlich soll das Album auch noch was Neues enthalten.
    Aber: Bevor das neue Album rauskommt wird es mindestens einen neuen Videoclip geben. Wir sind schon im Gespräch mit sehr genialen Filmemachern und denken, wir werden was Ordentliches auf die Beine stellen.
  • Ich werde mich bemühen, mich nicht mehr darüber zu beklagen, daß wir kriminell unterbewertet sind und sich keine Sau für uns interessiert. Es ist schwierig, aber ich versuch’s.
  • Live spielen. Wenn es uns unsere beiden Lebenssituationen 2009 irgendwann auch nur mit Hängen und Würgen erlauben, dann werden wir das tun. Wir sind nämlich eigentlich ziemlich gerne Botany Bay :))

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Allen Lesern dieses Blogs, allen unseren Fans und allen Hörern
einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen

Laura und Stephan

Tales Of The Bitter Seed

Einige wissen es vielleicht noch nicht, und in all den Postings auf diesem Blog geht die Tatsache ein bißchen unter, aber „Grounded“ war mitnichten das erste Album von Botany Bay.

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Das Debut-Album von Botany Bay hieß Tales Of The Bitter Seed und wurde im Jahre 1997, damals noch mit vollkommen anderer Besetzung und unter vollständig anderem Vorzeichen, veröffentlicht. Wer auf einem unserer viel zu wenigen Konzerte in 2007/2008 war, der wird sich vielleicht daran erinnern, daß Laura und ich einen Song namens „Meanwhile“ als Zugabe gespielt haben… „Meanwhile“ stammt im Original aus eben diesem Album.

Auf unserer offiziellen Homepage kann man einiges über die Entstehung dieses Albums nachlesen, und jetzt – endlich! – ist „Tales Of The Bitter Seed“ wieder erhältlich, und zwar zunächst einmal über unsere last.fm-Seite (Downloads über archive.org und jamendo werden folgen, ich hab nur gerade extrem wenig Zeit, mich darum zu kümmern…)

Falls dies irgendjemand liest, der damals vor über 10 Jahren dabei war… ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Mitwirkenden, insbesondere bei Katrin, herzlich zu bedanken. Es war eine tolle Zeit damals!

Ich wünsche den Hörern viel Spaß beim Entdecken der Vergangenheit von Botany Bay. Eine Vergangenheit, die so viel anders klingt, teilweise mit technischen Mängeln und Unbeholfenheiten zu kämpfen hat, mich aber nichtsdestotrotz irrsinnig stolz macht.

Und was die Zukunft betrifft, so haben Laura und ich für 2009 einiges in petto. Demnächst mehr.

Eine hab ich noch…

…eine Überraschung für 2008. Und wer sich ein bißchen umschaut, der kann sie sogar schon im Netz finden. Und wer sie nicht findet… morgen mehr… :))

Endlich auf itunes!!

bild-1Falk hat es geschafft!! Wir sind endlich auf der wichtigsten Plattform für käufliche mp3s gelandet!!


Darauf haben wir schon seit Wochen gewartet.

Musste ich sofort noch loswerden!

Bin ja mal gespannt, wer uns da kauft…

Liebe Grüße und schöne Weihnachtsferien!

Eure Laura

PS: Ich weiß, es war etwas überdimensioniert, gestern. Aber wir haben auch wirklich lange darauf gewartet, da darf das schon mal den Rest des layouts verdrängen ;)

Spirit Of Eden

Desire
Whispered spoken
In time
Rivers oceans
That ain’t me babe
I’m just content to relax
Than drown within myself

Of mind
Sheltered broken
Denied gifted stolen
That ain’t me babe
Ain’t got a bed of excuse for myself

– Talk Talk, „Desire“

Vor 18 Jahren, an einem golden-sonnigen Tag im Herbst des Jahres 1990 war ich in der Karlsruher City auf meiner üblichen Tour durch die Plattenläden unterwegs, um eventuell irgendwelche Pink Floyd-, Alan Parsons- oder Jethro Tull-Platten ausfindig zu machen, die sich noch nicht in meinem Besitz befanden.

Der eine oder andere geneigte Leser wird sich vielleicht an jene Zeit erinnern – es gab noch kein Internet, es gab noch keine mp3s, es gab kein last.fm und schon gar kein iTunes. Die Möglichkeiten, neue Musik zu entdecken, beschränkten sich darauf, sie von Freunden gezeigt zu bekommen, etwas darüber in Musikzeitschriften zu lesen oder sie im Radio zu hören (freie Radiosender gab es damals so gut wie nicht, und die „großen“ Sender waren auch damals schon ziemlich unterirdisch, aber dennoch weit entfernt von der eintönigen Konsumenten-Verarsche, zu der sie in den folgenden Jahren schließlich mutieren sollten).

An diesem Tag im Herbst machte ich von einer vierten, so gut wie nie auftretenden Möglichkeit Gebrauch… nämlich, eine Platte einfach zu kaufen, weil mir das Plattencover so gut gefiel. Beim Stöbern durch die Plattenregale beim WOM fiel mir eine Platte von einer Band namens „Talk Talk“ in die Hände, deren Covergestaltung mich unmittelbar ansprach und neugierig machte.

Kurz entschlossen kaufte ich das Album. Für 11 Mark und 59 Pfennig (das Album war reduziert weil es sich überhaupt nicht verkaufte, dazu später mehr) konnte man ja kaum was falsch machen… sollte sich die Musik als gruselig herausstellen, so hätte ich immer noch ein schönes Bild.

Es war mir damals nicht klar, aber selten sollte eine spontane Entscheidung von mir eine größere Tragweite haben.

Ich hatte von dem Album noch nie etwas gehört, und Talk Talk waren mir allenfalls ein Begriff wegen der paar Top-10-Hits, die sie in den 80er Jahren mit mehr oder weniger typischer 80er-Jahre-Musik hatten (ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an „Such A Shame“ und „It’s My Life“). Nun konnte ich damals mit den 80ern nicht wirklich viel anfangen, wenn man mal von The Cure und Depeche Mode absah, und machte mich schon allein deshalb auf eine mögliche Enttäuschung gefasst.

Als ich zuhause schließlich die Platte auflegt hatte und die ersten Klänge von „Spirit Of Eden“ meine kleine Wohnung im Hinterhof erfüllten, änderte sich für mich schlagartig alles.

Es war, als hätte jemand in meinem Kopf eine Weiche gestellt. Dies war nicht zu vergleichen mit irgendetwas, was ich vorher jemals gehört hatte, und schon gar nicht etwas, was ich irgendwie hätte erwarten können. Eine einsame, gedämpfte Trompete eröffnet „The Rainbow“ und ebnet einem organischen Fluß an Streichern, Bläsern, Gitarren und Hammond-Orgel den Weg… ein Fluß, der eine zeitlang mäandert, sich dann ausbreitet, nur um wieder teilweise zu versickern. Die ersten Gitarrenakkorde erklingen, langsam, zögerlich aber dennoch bestimmt…

3 Minuten und 25 Sekunden dauert „The Rainbow / Eden / Desire“, der 23minütige Opener von „Spirit Of Eden“, ehe zum ersten Mal die Stimme von Mark Hollis erklingt und die Worte „Oh yeah, the world’s turned upside down“ intoniert. Und genau dies war zu diesem Zeitpunkt seit 3 Minuten und 25 Sekunden mit mir geschehen.

„Spirit Of Eden“ ist keine Musik, die man einer Zeitepoche zuordnen könnte. Es ist nicht 60er, 70er, 80er, 90er oder sonstirgendwas. Und ebensowenig wie sich dieses Album zeitlich kategorisieren lässt, ist eine stilistische Kategorisierung möglich. Klar gibt es auf „Spirit Of Eden“ Jazz-Elemente, deutliche Anleihen an der Musique concrète und dem musikalischen Minimalismus der 60er Jahre, man könnte Teile des Albums als Prog-Rock bezeichnen… aber all dies trifft den Nagel nicht auf den Kopf und könnte im Endeffekt zu der Annahme führen, es handle sich hier um einen wilden Stilmix. Genau das ist aber nicht der Fall. Keines der angesprochenen Elemente steht jemals im Vordergrund, alles ist nur Mittel zum Zweck, alles dient nur der ganz eigenen Atmosphäre, welche dieses Werk definiert.

Das Album ist sicherlich keine leichte Kost. Man muss die Bereitschaft haben, sich diesem Album zu öffnen (kommt das irgendjemandem bekannt vor?)… auf sämtlichen Tracks nehmen Talk Talk endgültig Abschied von traditionellen (Pop-)Songstrukturen. Strophe-Refrain-Strophe ist nicht drin, ebensowenig wie klar definierte Soli oder Bridges. Pianoakkorde werden sekundenlang gehalten, nur um die Stille zu Wort kommen zu lassen, die in der Musik eine ebensogroße Rolle spielen kann wie die Noten an sich. Dissonanzen wallen auf und verebben wieder, Songstrukturen entwickeln sich leise und in zeitlupenartiger Geschwindigkeit, nur um sich im nächsten Moment in ein rasendes Crescendo zu verwandeln, und bei alledem ist kein Ton synthetisch erzeugt, Synthesizer und Sampler sind auf Spirit Of Eden nicht zu finden.

Kurz gesagt, kommerzieller Selbstmord.

Das vorige Album von Talk Talk, „The Colour Of Spring“ (auf dessen Tracks sich teilweise schon deutlich abzeichnete, wohin die Reise gehen würde), hatte EMI noch vier komfortable Top-10-Hits beschert. Da für die Plattenfirma-Bosse eine deutliche Progression der Verkäufe über die Jahre zu sehen war, gaben sie der Band grünes Licht, als diese darum bat, das nächste Album ohne die Einmischung irgendwelcher Musik-Marketing-Krawattis und mit einem nicht begrenzten Budget aufnehmen zu dürfen. Talk Talk waren gerade im Begriff, eine ebenso bedeutende Hausnummer wie U2 und REM zu werden… warum sollte man ihnen also diesen Wunsch abschlagen?

Und so ging die Band hin, und machte zum ersten Mal ganz genau das, was sie wollte.

Man kann sich vorstellen, wie groß das Entsetzen bei EMI war, als Mark Hollis, Paul Webb, Tim Friese-Greene und Lee Harris über ein Jahr später die fertigen Masters ablieferten. Knapp ein Jahr hatte die Band in einer zu einem Studio umgebauten Kapelle verbracht, die Dienste von über 20 Gastmusikern (darunter Größen wie Nigel Kennedy, Henry Lowther und Robbie McIntosh) in Anspruch genommen, eine gehörige Summe Geld verbraten… und ein absolutes Meisterwerk abgeliefert, das im Plattenregal neben Bachs Messe in h-moll stehen kann, ohne daß es sich zu schämen bräuchte.

Nur interessierte das damals ebensowenig wie heute. Fakt war, daß Spirit Of Eden sich so gut wie überhaupt nicht verkaufte, daß man daraus nichts als Single auskoppeln konnte (was EMI nicht davon abhielt, eine geschnittene Version von „I Believe In You“ als Single zu veröffentlichen… die in den Charts ebenfalls kläglich versagte), und daß sich die Investition somit nicht rentiert hatte.

Der Rest ist Geschichte… EMI und Talk Talk landeten vor Gericht, Talk Talk verloren ihren Plattenvertrag (und wechselten auf das Jazz-Label Verve, um dort mit „Laughing Stock“ ein ebenso großartiges letztes Album zu veröffentlichen), und EMI veröffentlichten im Anschluß ein Album mit den abstoßendsten und abscheulichsten Talk Talk Dance-Remixes die man sich nur vorstellen konnte – welches natürlich auch prompt in die Charts schoss, ehe die Band es per Gerichtsbeschluß verbieten ließ.

Warum ich das hier alles schreibe? „Spirit Of Eden“ ist ein Album, das mein Leben verändert hat… und meine musikalischen Ziele. Es hat mich wie sonst nichts beeinflusst, und wenn ich mit meiner Musik bei einem Hörer auch nur ein entferntes Echo dessen erzeuge, was „Spirit…“ damals in mir ausgelöst hat, dann bin ich schon sehr zufrieden (nicht, daß wir mit Botany Bay irgendwie versuchen, Talk Talk nachzueifern… das ginge auch gar nicht).

Man sollte „Spirit Of Eden“ einfach gehört haben.

Die letzte Chance…

…eine echte „Grounded„-CD zu ergattern, ist ziemlich genau jetzt.

Die letzte Auflage ist produziert, und man kann die CDs wie gehabt bei botanybay.laura@googlemail.com zum Preis von €10,– zzgl. Versandgebühren bestellen (siehe hierzu auch dieses schöne Posting aus grauer Vorzeit).

Es sind nicht mehr allzuviele CDs da, und wir werden auch keine mehr nachproduzieren, weil so eine Kleinstauflage einfach einen viel zu hohen Aufwand für uns darstellt (die Booklets wollen für ’n Haufen Bares gedruckt werden, und die CDs müssen wir bei unseren lächerlichen Stückzahlen per Hand brennen).

Soweit wir also nicht wie durch ein Wunder endlich entdeckt werden (not bloody likely), stellt dies tatsächlich die allerletzte Gelegenheit dar, „Grounded“ so zu erleben wie es gedacht ist.

Mit wunderschönem Booklet inklusive wunderschönen Fotos und den Songtexten, und einer CD, auf der die Songs ineinander übergehen wie sie sollen, und die man wunderbar an Winterabenden vor dem Kamin hören kann. Oh, und als Weihnachtsgeschenk macht sich „Grounded“ sicherlich auch super. Und zusätzlich dazu gibt es das beruhigende Gefühl, zwei kreative Menschen in ihrer Arbeit unterstützt zu haben. Ist das nichts?

Unser herzlichster Dank geht an Fmotis, der diese letzte Auflage möglich gemacht hat.




Update: Posting nach oben geschoben damit’s auch gelesen wird ;-)

Wenn ich…

…mir meine letzten paar Einträge in diesem Blog so durchlese, dann fällt mir durchaus auf, daß ich immer wieder mehr oder weniger versteckt durchblicken lasse, wie abgrundtief ich davon angekotzt bin, dass kaum jemand Botany Bay und Grounded kennt und andere Bands/Projekte es wesentlich besser schaffen, sich auf die eine oder andere Art und Weise ins Rampenlicht zu drängeln.

Das ist kein ausgesprochen positiver Charakterzug von mir und muss auf andere Menschen (insbesondere solche, die mich nicht kennen) ziemlich befremdlich wirken.

Das hier soll keine Entschuldigung werden. Ich hatte vor einigen Jahren einmal das außerordentliche Mißvergnügen, mich intensiv mit meinen Ängsten und Problemen und ihren Ursprüngen auseinander setzen zu dürfen (siehe dieses Posting). Gebracht hat mir das außer einem Jahr verschwendeter (und wirklich ganz extrem beschissener) Zeit ziemlich genau gar nichts… aber auf einer analytischen Ebene kann ich zumindest inzwischen sagen, „ok, Verhaltensweise x kommt daher, weil y irgendwann mal passiert ist“ (ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen)… und gleichzeitig kann ich auch sagen, daß sich das ganz einfach nicht ändern wird, denn das bin ich.

Ich sehe aber durchaus ein, daß es seltsam wirken muss (bzw. manchen Zeitgenossen wie „Geheule“ vorkommt, wie in einem anderen Blog mal so ausgesprochen charmant und verständnisvoll geschrieben wurde).

Ich möchte deshalb gerne mal an dieser Stelle die andere Seite von mir zu Wort kommen lassen, die es nämlich auch noch gibt: Selbst wenn wir null Hörer außer uns selbst hätten, Botany Bay würde weiter bestehen. Und die wenigen, die den Mut hatten, sich auf uns und auf Grounded einzulassen, machen mich sehr glücklich, mehr als man sich das vorstellen kann. Ich danke allen, die das hier lesen, und die unsere Musik hören…

…es ist großartig, daß es euch gibt!!!

Es hat keinen Sinn meine Frustration zu verleugnen… aber die Tatsache, daß wir das tun können was wir tun, und daß es Menschen gibt, die sich dafür begeistern, die wiegt alle Frustration bei weitem auf.