Nächtliche Gedanken…

Wenn ich mir unsere diversen Demos und all die halb/dreiviertel/ganz fertig aufgenommenen Tracks für unser neues Album so durchhöre (und genau das habe ich eben getan), dann fällt mir immer wieder auf, wie sehr sich unser neues Material von Grounded unterscheidet.

Es ist ganz interessant für mich, mal ein bißchen darüber zu reflektieren, was sich seit Grounded geändert hat, und wie es sich auf unser kreatives Schaffen auswirkt…

  • Zeit. Beziehungsweise, die Tatsache, daß wir keine mehr haben. ;-)
    Bei der Produktion von Grounded hatte ich den großen Luxus, mir meine Zeit frei einteilen zu können und – wenn nötig – tagelang hintereinander an einem Song oder an einem Mix herumzubasteln. Es beschwerte sich allenfalls in unserer studiolosen Zeit mal Anna im Zimmer nebenan, daß ich meinen blöden Lärm endlich leiser drehen soll.
    Inzwischen muss das alles wesentlich schneller und kompakter gehen, was unter anderem auch dazu führt, daß der Sound eher ungehobelt wird. Das ist aber noch nicht mal unbedingt negativ (ok, keine Zeit zu haben an sich ist in der Tat verdammt negativ, aber ich hab ja versprochen daß ich mich im positiven Denken übe), denn so konzentriert man sich auf das Wesentliche.
  • Die Story. Es gibt nämlich keine. Auf Grounded hatten alle Songs auf mehreren Ebenen etwas miteinander zu tun. Zwar erzählte das Album keine Geschichte, aber doch hatte es verwandte und zusammengehörige Themen, und vieles davon spielte in der Vergangenheit.
    Nicht so auf der neuen Scheibe, hier haben die Songs allenfalls insofern etwas miteinander zu tun, als daß sie alle von uns und von jetzt sind. Ansonsten behandeln wir von diversen emotionalen Aufwühlungen über Existentialismus bis zu Gesellschaftskritik so ungefähr alles was uns in den Kopf kommt, in einigen Fällen auch noch wild durcheinander.
    Damit wird das neue Album zwar lange nicht so ausgefeilt und vertüftelt wie Grounded es war… aber dafür funktioniert auch jeder Song einzeln für sich, und unser Publikum muss das Album nicht erstmal von vorne bis hinten entdecken bis es auf den Trichter kommt wie schön das Ganze in Wirklichkeit ist ;-)

    Pete Townshend was here
    Pete Townshend was here
  • Gastmusiker. Auf Grounded waren Tracks, auf denen nur Laura und ich zu hören sind, die Ausnahme. Inzwischen sind sie die Regel. Wenn man erstmal in eine neue Stadt gezogen und ganz gruselig im Berufsleben gefangen ist, dann lernt man nicht einen Musiker nach dem anderen kennen… außerdem ist es auch mal ganz interessant zu sehen, was wir zu zweit so auf die Beine gestellt bekommen.
    Was nicht heißt, daß wir nicht den einen oder anderen Gastmusiker doch für unsere Sache gewinnen konnten…
  • Songwriting. Grounded war meine Vision (und wer mich kennt, der weiß, daß ich meine Visionen mit einiger Besessenheit zu verfolgen pflege). Klar hätte es Grounded ohne Laura nie gegeben, aber größtenteils stammt es aus meiner Feder. Mit unseren neuen Stücken ist das vollkommen anders… Laura schreibt, ich schreibe, wir schreiben zusammen, jeder von uns spielt irgendwelche Instrumente…
  • Das Leben. Es ist kein Geheimnis, daß nach der Veröffentlichung von Grounded nicht alles so gelaufen ist, wie wir uns das vielleicht vorgestellt haben. Und daß es das auch weiterhin nicht tut. Der Nebeneffekt ist zumindest bei meinem Songwriting, daß viele meiner post-Grounded-Kompositionen ne ganz gehörige Ecke aggressiver daherkommen.
    Was vermutlich auch ganz gut so ist.

Uff. Manchmal habe ich – grüblerischer Mensch, der ich bin – schon beinahe die Befürchtung, daß diejenigen, die Grounded liebgewonnen haben, von unserem neuen Material enttäuscht sein könnten. Aber auf der anderen Seite muß ich sagen, ich bin richtig begeistert von den neuen Tracks, und das Leben ist nunmal Veränderung… ein zweites Grounded wäre doch eigentlich eher langweilig, oder?

So, genug fabuliert. Ich geh jetzt in die Falle. Und morgen/übermorgen haben Laura und ich dann endlich mal wieder eine ausgedehnte Botany-Bay-Session in Aachen, von der wir später berichten werden.

*lichtausknips*

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