„Ähnliche Künstler…“

Jaaa, es ist mitten in der Nacht und Stephan setzt sich schon wieder über die Blogpause hinweg. Was soll’s. Ich muss mal was loswerden. Ich bin ratlos. Vielleicht hat ja jemand eine Idee, ich kapier‘ nämlich was nicht.

Ich habe gerade seit langer Zeit mal wieder unsere last.fm-Seite besucht und bin dann auf die Idee gekommen, mir mal unsere „similar artists“ anzuhören, indem ich den „Botany Bay Radio“-Link anwählte.

Meine Überlegung dabei war, dass es ja andersrum vermutlich auch so ist. D.h., wenn jemand diese anderen Musiker hört, dann kriegt er irgendwann auch was von uns vorgeschlagen und freut sich vielleicht. Oder auch nicht, je nachdem ob die Sache funktioniert oder nicht.

why

Hmja, war eine interessante Erfahrung. Das erste Lied klang tatsächlich 100% nach Botany Bay, denn es war „Feel“ von ebendenselben. Von den garantiert über 50 folgenden Tracks, die danach kamen, hat allerdings kein einziger sonderlich viel mit unserem Stil oder unserer Musik zu tun.

Das schreibe ich jetzt nicht, um die anderen niederzumachen. Da waren richtig gute laute Punkrock-Songs dabei, und richtig gute düstere Gothic-Balladen, und richtig gutes weltschmerzgetränktes Wave-Geblubber, und sehr gute eingängige Folksongs nur mit Gitarre und Stimme. Und, naja, ein paarmal auch ziemlicher Schrott, aber ich will ja nicht kleinlich sein.

Nur… was hat das alles bloß mit uns zu tun? Da muss man sich wirklich nicht wundern, dass wir auf last.fm so gut wie keine neue Hörer finden.

Nehmen wir als Beispiel gerade mal Shearer, denen von last.fm in großen Buchstaben und in fett eine „SUPER SIMILARITY“ mit Botany Bay bescheinigt wird. Das sind vier junge Herren aus Berlin, die eine durchaus sehr feine Mischung aus Punkrock und Rock spielen, recht aggressiv, recht laut, mit ordentlich Wumms dahinter.

Die zwei für mich erkennbaren Verbindungen zwischen Shearer und Botany Bay sind, dass es a) beides irgendwas mit Musik und Tönen zu tun hat, und dass b) ich persönlich vermutlich hingehen würde, wenn sie morgen abend nebenan in Godesberg live spielen würden… aber das auch nur deshalb, weil’s gerade zufällig meiner Befindlichkeit entspricht und ich Pogo tanzen möchte. Das kommt aber vielleicht einmal im Jahr vor und hat deshalb nichts zu sagen. Kurz: Die super similarity ist für’n Arsch.

Wie aber muss das erst sein, wenn andersrum jemand ein Fan der Gruppe Shearer ist, dort auf „Radio“ klickt und irgendwann dann uns präsentiert bekommt und sich plötzlich mit zerbrechlichen, leisen Klängen, mit World/Triphop-Polyrhytmik, mit Streichern, Klavier und Lauras Stimme konfrontiert sieht… oder meinethalben auch mit der etwas härteren aber immer noch emotionalen Elektronik-Gangart, die wir in letzter Zeit eingeschlagen haben? Man muss kein großer Pessimist sein, um vorauszusagen, dass der Mauszeiger da ganz schnell auf dem „Skip“- , wenn nicht sogar auf dem „Ban“-Button landen wird.

last.fm selbst sagt dazu,

Similar artists are a way of linking artists around the site and enabling music to reach more users. They are calculated using an algorithm based on user behaviour, including tags, and common artists that your fans listen to. Similar artists then appear on your artist overview, and help populate your Similar Artist Radio stream. They are also a basis for Last.fm’s recommendations to users.

…was aber offensichtlich nicht so richtig funktioniert, denn ich kann es mir bei vielen der „similar artists“ nicht vorstellen, warum die jemand mit uns zusammen hören sollte.

Eines fällt jedoch auf: So gut wie alle „similar artists“ kommen – wie wir – aus der freien Musikszene, haben keinen Vertrag mit einem Label und stellen ihre Musik für umme auf jamendo zur Verfügung. Dies allerdings als musikalisches Ähnlichkeitsmerkmal zu deuten halt ich für ziemlich gewagt.

Da muss am Algorithmus glaub ich noch ganz schön geschraubt werden. Oder gibt’s eine andere Möglichkeit, an dieser similar-Artists-Gesellschaft irgendwas zu ändern? Jemand ne Idee? Wie gesagt, ich hab überhaupt nix gegen die, aber passen tut’s eben doch nicht.

Apropos Algorithmen, morgen muss ich wieder welche programmieren. Also besser mal ins Bett.

n8.

13 Antworten auf „„Ähnliche Künstler…““

  1. Das, was Du da bemängelst, ist mir auch schon aufgefallen, aber halt anhand dem Stichwort „a capella“. Junge, Junge, was da alles als „ähnlich“ angesehen wird!!!!!!!
    Die müssen wirklich noch ziemlich heftig schrauben.

  2. … wie alle „geschmacklichen“ oder „stilistischen“ Vorschläge basiert auch dieser „ähnliche Künstler“-Vorschlag auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen aus der Statistik; und wie jede Statistik gilt hier: je mehr Daten desto besser die die Auswertung. Lass es mich mal ganz brutal sagen: 878 Hörer dürfte einfach zu wenig sein, um eine „echte“ Schnittmenge bilden zu können, anhand derer wirklich „ähnliche“ Künstler ermittelt werden können.

    Beispiel: bei mir wird unter „ähnliche Künstler“ für BB an erster Stelle „Josh Woodward“ („überragende Ähnlichkeit“) gezeigt, also sehr viele Eurer Hörer haben auch Josh Woodward in ihrer Playlist; klickt man sich aber durch die ähnlichen Künstler von Josh Woodward, erscheint Botany Bay erst auf Seite 8, dort nur als „Mittlere Ähnlichkeit“ ausgewiesen. Angenommen, „überragende Ähnlichkeit“ heißt 100 Prozent, dann wären also 878 Hörer von BB auch JW-Hörer; umgekehrt sind 878 BB-Hörer nur etwa 13,6% von den 6.439 JW-Hörern — womit die nur „mittlere Ähnlichkeit“ dort zu erklären wäre.

    Ansonsten nämlich funktioniert die Vorgehensweise von Last.fm sehr gut, ähnliche Künstler zu ermitteln. Zumindest für mich hat es bisher gut funktioniert …

  3. Ich finde es immer wieder schön, hier über die verschlungenen Wege der musikpräsentierenden Internetseiten aufgeklärt zu werden…auf myspace gibt es keine Ähnlichkeitsvorschrift, die muss man sich selbst zurechthören…bis jetzt fanden uns portishead und radiohead-Hörer gut, das ist doch schonmal was…vllt sollten wir jetzt noch, um eine größere Namensähnlichkeit zu erreichen zu botany head nennen…? ;)
    Schönes Wochenende für Stephan, Coke und Violine!!

  4. Nun wollte ich auch schon über Software, Statistik und menschenlose Systeme referieren aber Coke hats ja schon erklärt. Und wie Software funktioniert und wie sie im Gegensatz dazu funktionieren sollte, das weisst du doch ;-)
    last.fm braucht auch ein wenig Bedenkzeit, bis es überhaupt was ähnliches findet. Die Schatten haben jetzt auch similar artists, die meisten kenne ich nicht mal. Außer eine gewisse Botany Bay. Ist aber auch klar, wie das kommt. Haupthörer von Die Schatten bin ich immer noch selbst und ich höre auch viel Botany Bay. Was soll der Code da machen? Umgekehrt, findet man das nicht oder nur auf ganz hinteren Rängen? Nun gibts bestimmt auch Leute, die mal Scorpions oder Modern Talking hören und trotzdem auch mal Botany Bay. Also – Glück gehabt. Das die ganzen Jamendo Bands zusammengebracht werden, ist mir auch aufgefallen. Ansonsten ist lastfm super als Hörer, als Band zu promoten eher ungeeignet würde ich sagen, denn das System lebt nur von den Hörern. Obwohl ich manchmal auch nicht zufrieden bin, was mir beim Radio aus meiner Musiksammlung oder den Empfehlungen vorspielt. Obwohl meine Sammlung recht groß ist, spielt sie doch oft dasselbe und das mag ich nur zu 80%. Schon manchmal Code mit dem Code. Schönes Wochenende.

  5. Ihr seit doch auch auf garageband.com. Das habe ich mir mal genauer angeschaut, die sind dreist und wollen Geld dafür, dass man einen Song in den Wettbewerb schickt. Oder sich anonym Songs anhört und bewertet, 30 Stück. Ist ja mal ganz nett, also mach ich das einmal.
    Man darf auch einen seiner Songs für 200 Dollar verkaufen, damit man im Webradio gespielt wird (für das die Hörer wiederum auch Geld bezahlen müssen, wenn sie keine Werbung hören wollen). Das ist doch mal verkehrte Welt.

  6. Hallo halbschatten,

    wir haben gemischte Erfahrungen mit garageband… teilweise ist die Kritik echt gut zu gebrauchen, aber viele Leute versuchen da auch nur möglichst schnell auf ihre 30 Reviews zu kommen und klammern sich währenddessen bei ihrer Kritik verzweifelt an allen möglichen Pop- und Rockkonventionen fest ;-) Also wie gesagt, es ist durchwachsen… probiert es ruhig mal aus; viele unserer Reviews können wir inzwischen vorhersagen, je nachdem ob wir brav einen Song mit Strophe-Refrain-Strophe-Bridge-Solo-Refrain geschrieben haben oder gemein sind und was „schräges“ machen ;-)

    Unentdeckten und hoffnungsvollen (und meist materiell nicht besonders begüteten) Künstlern 200$$ aus der Tasche ziehen zu wollen damit sie vielleicht mal in einem Webradio laufen was eh von kaum jemandem gehört wird grenzt meiner Meinung nach allerdings an Frechheit ;-)

    Liebe Grüße,
    Stephan

  7. Zur Zeit treffen einige Leute via Google-Suche nach Euch auf Lie In The Sound… ein guter Grund für mich, hier mal wieder vorbei zu schauen.

    Mit Last.Fm ist das so, überprüft mal eure Tags (gebt euch vorallem selber welche)…die spielen bei den ähnlichen Künstlern eine große Rolle.

    Noch wichtiger: Legt euch 4 eigene Profile an (mit Nicknames)…hört mit diesen Profilen eure Musik + die Musik von Musikern, die ihr als ähnlich empfindet. Tagged „Botany Bay“ mit passenden Genre Tags von diesen diesen Profilen aus…

    Major Labels beauftragen Firmen um genau diese Arbeit für sie zu tun… kann man auch im Kleinen nachahmen…

    Das Einzige, dass Musiker nicht auf Last.Fm tun sollten, ist andere Nutzer zuspammen…sonst ist alles erlaubt :-D

    Liebe Grüße
    Brigitte
    So könnt ihr vollkommen legal und ohne Kosten, dieses Problem lösen.

  8. Hi Brigitte,
    vielen Dank für deine Tipps!
    Hast du für myspace auch so gute Ideen? Nur her damit!! :))
    Auf welchem Erdflecken steht eigentlich dein Rechner?
    Liebe Grüße aus Aachen,
    Laura

  9. Hallo Stephan,

    „Kraftausdruck“ du hast ja so recht! Es ist genauso, wie du sagst. Die Mängel an unserr Musik sind mir ja selbst klar, ich mag sie trotzdem etwas ;-) Aber der nette und ausführliche Reviewer bemängelte genau die etwas ungewöhnliche Songstruktur. Und bei etwas düsterer Mucke gibts ja immer etwas mehr zu meckern.
    Aber ich hatte eben ein äußerst eigenartiges Erlebnis! Ich wollte mir so ein Instant Karla oder Karma Dingens erreviewen. Und der zweite Song kam mir total bekannt vor. Nee, die BB. Nach etwas nachdenken, wusste ich es. Die Band eines etwas entfernten Bekannten aus New York, den wir vor 9 Jahren mal besucht hatten, da hatte er das Album gerade fertig ;-)
    Ist das ein Zufall? Cool New Mind – Speak The Language.

    Die Last.FM Tipps sind gut! Danke.

  10. Hi Laura,

    wir sind in Berlin :-) Der besten und anstrengendsten aller Städte.

    Für Myspace hab ich leider wenig Tipps… ist für mich auch eher notwendiges Übel. Nur vielleicht: Nicht zuviel Zeit dort verbringen, Myspace Freunde werden selten Käufer. (Kenne einige Musiker, die regelrecht aus den Wolken gefallen sind, weil sie dachten ihre 10.000 + X „Freunde“ würden tatsächlich ihre CD kaufen)

    Eines, was mich auch immer wieder erstaunt: Viele Bands drücken nur den „add as a friend“ button und fügen noch nicht mal ein kleines „hallo“ hinzu.

    Wer mein Freund werden will, sollte wenigstens bereit sein, 2 Minuten zu investieren, um ein paar Zeilen zu schreiben.

    Ansonsten: Haltet die Myspace-Seite übersichtlich. Nicht mehr als ein Video, nicht zu viele Informationen. Wer 3 oder mehr Videos auf der Seite hat, braucht sich nicht zu wundern, dass keines gesehen wird…

    Wichtig stattdessen: Link-Buttons zu anderen Seiten wie Last.Fm, Jamendo und einem Video-Portal.

    Da Youtube keine Ahnung hat, wer bei der GEMA ist und wer nicht, kann es auch Musikern – die die CC-Lizenz nutzen – passieren, dass ihr Content blockiert wird.

    Sucht euch also besser ne andere Video-Plattform. Ich mag Vimeo (http://www.vimeo.com/).

    Noch wichtiger: Myspace nie als offizielle Homepage nutzen. Kommuniziert mit allen euren Medienpartnern (auch Bloggern) via Email. Habt auch auf eurem Myspace eine Kontakt Emailadresse für Geschäftliches – nicht alle, die an euch interessiert sind, nutzen Myspace.

    Liebe Grüße
    Brigitte

  11. Hi Brigitte,
    vielen Dank! Keine Sorge, soviel erwarte ich nicht von unseren ms-„Freunden“. Es geht mir aber im mom schon darum, die Bonner auf unserer Liste davon zu überzeugen, dass sie unser Konzert besuchen sollen…ich werde auch auf jeden Fall die Frage dort stellen- 2, mit denen ich aber wirklich auch schreibe – haben schon fest zugesagt. Schon dafür lohnt es sich, finde ich!
    Wieder mal den adds „hallo“ zu sagen ist ein guter tipp! Vergess ich zu oft1
    meinst du mit vimeo, dass wir generell dort unsere videos hochladen sollten? Diese plattform ist aber längst nicht so bekannt, wie youtube, da bekommen wir sicher nicht so schnell 800 viewer…wir wollen uns ja verbreiten. Spräche ja nichts dagegen, die videos außerdem noch dort reinzustellen. Wir kriegen ja mit, wenn wir gesperrt würden!

    Grüße,
    Laura

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