Vom Armenhaus Internet und den SPON-Stammtischbrüdern

Alle paar Monate geschieht es, daß sich eine der traditionellen Nachrichtenquellen in diesem unserem Lande mit dem Thema „Musik im Internet“ auseinanderzusetzen versucht. Dabei geht es allerdings zumeist nicht um die freie Musikszene oder CC-Lizenzen (zu klein/zu unbedeutend) oder grandiose Geheimtipps, auf die man beim Surfen zufällig gestoßen ist (ok, um die geht’s zwar sehr oft, aber jene vermeintlichen „Geheimtipps“ werden meistens von Promotionagenturen gut bezahlt, und deshalb gelten sie hier nicht), sondern eher um Allerweltsgedresche über die Musikindustrie und ihre Probleme, sich in der neuen Umgebung Internet zurecht zu finden, über „Raubkopierer“, über die Stasi GEMA vs. Youtube und anderen Blödsinn mehr.

Willkommen zum SPIEGEL ONLINE Diskussionsforum! Unser Thema heute: 10000 Leute, die noch nie eines gesehen haben, erzählen Ihnen was vom Pferd!

Insofern kann man es schon beinahe als außergewöhnlich und erstaunlich bezeichnen, dass der SPIEGEL ONLINE sich gestern vermittels eines Artikels mit der Überschrift „Das Internet, ein Armenhaus für Musiker“ anschickte, den Mann von der Straße über den Umstand aufzuklären, daß aus dem Internet nicht die Goldgrube geworden war, die sich einige Musiker wohl erhofft hatten – und darüber, dass ein Song auf last.fm monatlich 12399 mal runtergeladen werden muss, damit der betreffende Künstler mit den Einnahmen den US-Mindestlohn erzielt.

Dabei war es vorhersehbar, daß SPON  den Fehler begeht, einige gewichtige Tatsachen unter den Tisch fallen zu lassen und die Hintergründe nicht mal ansatzweise zu beleuchten – nämlich beispielsweise

  • die Frage, warum sich einige Musiker mehr vom Internet erhofft hatten, und warum sie sich herbeigesehnt haben, dass die Karten jetzt endlich neu gemischt werden – sprich, welche Situation es genau ist, die die Kreativen unzufrieden macht
  • die Tatsache, dass der Vertriebskanal Internet zwar vor einem gefühlten Jahrzehnt „neu“ und sowas wie „revolutionär“ gewesen sein mag, dass er aber Marketing und Promotion nicht überflüssig gemacht hat und dies auch niemals tun wird. Wer online nicht den benötigten oder gewünschten Erfolg hat, der hat ihn zumeist deshalb nicht, weil die anderen lauter schreien und mehr Geld in die Promotion stecken (ja, ich spreche aus eigener Erfahrung, und weil ich nach 4 Jahren freier Musik nur allzu gut weiß, wie diese ganzen Mechanismen funktionieren), oder
  • die Tatsache, dass last.fm und iTunes nicht die einzigen Plattformen sind, auf denen sich Musik verkaufen lässt, oder
  • dass es mit CC-Lizenzen, kombiniert mit Spenden und Merchandise, auch im Internet alternative Vertriebsformen gibt (was die breite Masse und SPON-Leserschaft allerdings in hundert Jahren nicht mitkriegen wird, weil die Köpfe viel zu sehr mit Bohlen und Raab und mit den etablierten Mechanismen eines etablierten Marktes vollgedröhnt sind), oder
  • dass hinter den Downloads auf den großen kommerziellen Musikplattformen immer noch eine Marktmacht und insbesondere die selbe alte Marketing-Maschinerie steckt, die mit dem Musiker oder gar der Musik selbst nicht das geringste zu tun hat, oder
  • oder oder oder.

Natürlich ist es irgendwo schade, dass SpOn einmal mehr die Chance vertut, diese Marketingmechanismen näher zu beleuchten, alternative Veröffentlichungsformen vorzustellen und der Ursache auf den Grund zu gehen, warum manche Leute von (oftmals grottenschlechter) Musik leben können, und andere Leute (von oftmals viel besserer Musik) nicht im geringsten… aber darum soll es in diesem Posting überhaupt nicht gehen.

Denn viel interessanter als der Artikel selbst sind die Reaktionen im Diskussionsforum. Ja, ich fühle mich hier gar zu der Aussage hingerissen, dass sich noch nie in solch konzentrierter Form gezeigt hat, wie hoffnungslos verquer die öffentliche Wahrnehmung von Musikern und Musik ist, und welchen gigantischen Schaden die Musikindustrie und die Massenmedien in den Köpfen der Menschen angerichtet haben.

Sucht euch halt einen richtigen Job!

Den Anfang macht gleich mal ein „Walter Sobchak“ mit

Was fuer ein Unsinn. Dann sollen die Kuenstler ihre Musik selber zum Download anbieten. Oder sich einen richtigen Job suchen.

Immer wieder gehört, immer wieder 100% Schwachsinn: Das „sucht euch einen richtigen Job“-Märchen. Ich kenne eigentlich fast nur Musiker (mich selbst eingeschlossen), die einen „richtigen“ Job haben, die sich die wenige Zeit, die sie auf Musik verwenden können, redlich verdienen müssen; die nichts lieber tun würden, als damit, was sie wirklich können und wirklich wollen, Geld zu verdienen… die aber einfach nicht das Glück und/oder die Kohle haben, die es dazu nunmal braucht.

Naja, geschenkt. Wesentlich schlimmer geht es weiter mit der nächsten Anmerkung von „motorpsycho“ (wobei mir der Name Programm zu sein scheint):

Woher kommt eigentlich der Anspruch, von etwas Leben zu können, wonach offensichtlich keine Nachfrage herrscht und einen auch niemand beauftragt. Ich falte ja auch keine Papierhütchen, setze mich damit in die Fußgängerzone und beschwere mich, dass ich damit nicht über die Runden komme.

Hey, geht’s noch? Erstens hat niemand über den „Anspruch“ geredet, von irgendwas leben zu können. Aber gut, reden wir mal kurz darüber:

Wenn ich etwas kann, unter Umständen sogar verdammt gut kann, wenn dieses Etwas Wissen, Können und Begabung erfordert, und wenn es mir darüberhinaus auch noch Freude bereitet, ist es dann wirklich so weit hergeholt, dass ich mir zumindest von Herzen wünsche, davon leben zu können (auch wenn ich inzwischen durchaus eingesehen habe, dass es dazu niemals kommen wird)?

Nächster Teilsatz: „…wonach keine Nachfrage besteht“. Sorry, ich muss mich gerade mal kurz übergeben. Was ist denn bitte „Nachfrage“ und wer generiert sie? Vor dem Tippen das Hirn aktiviert? Nee, sah mir auch nicht danach aus. Ok, Kinder, Stephan erklärt euch jetzt mal kurz, woher die Nachfrage kommt: Im SPIEGEL ONLINE (welcher ja bekanntlich ein Nachrichtenportal für die ’n bisschen Schlaueren unter uns sein soll) gab es 62479 Zugriffe auf das Diskussionsforum zu  DSDS, während die Diskussion zu einem Artikel über die Jazz-Messe mit 748 Zugriffen auskommen musste (und ein imaginärer Artikel über die freie Musikszene vermutlich nicht mehr als 100 Zugriffe hätte). Bitte alle wiederholen: Nachfrage kommt durch Marketing. Und diese Nachfrage bei einer derartig gehirngef*ckten Konsumentenmasse als die allgemeingültige Antwort auf alle Probleme zu sehen, das ist einfach nur dumm.

Ah, und noch ein Teilsatz: „…und einen auch niemand beauftragt“. Oh mein Gott, ich muss mich schon wieder übergeben. (*strammsteh*, *kotzewegwisch*) Jawoll, Sir!! Wenn alle Menschen nur das tun, wozu sie beauftragt werden, nur dann kommt die Welt voran, Sir! Sir! Ich habe nur Befehle befolgt, Sir!

"Nein, Sir, Sergeant, Sir!! Niemand hat mir befohlen, Musik zu machen!"

Soll ich noch was zu „Ich falte ja auch keine Papierhütchen, setze mich damit in die Fußgängerzone und beschwere mich, dass ich damit nicht über die Runden komme.“ (und zu all den anderen Verallgemeinerungen, deren Grundaussage darin besteht, dass Musik was total Simples ist, was jeder Vollidiot hinkriegt) sagen? Vielleicht nur so viel: Leute, setzt euch einfach mal hin, hört euch das hier an (und damit meine ich: Anhören! und nicht mitten im Intro abschalten weil man nicht mal in der Lage ist, 15min Geduld aufzubringen!), und versucht danach, eine ähnlich aufwendig produzierte, hörbare CD zu veröffentlichen. Vier Tracks reichen. Und bis es soweit ist: Einfach mal die Klappe halten.

Ein „Hercules Rockefeller“ meint wenig weiter unten, folgendes in die Welt hinein ausscheiden zu müssen:

Es nervt mich auch diese im Internet verbreitete Trotzhaltung vermeintlich „Kreativer“, die unentwegt rumnölen, dass ihren Mist keiner bezahlen will. Ja Himmelhergott, dann geht halt in Vorleistung und lasst eure Bücher drucken, eure CDs pressen und stellt die in die Läden-offline, wie uncool! Dann können diese Ausnahmetalente mal sehen, ob sie ohne pöse Raubkopierer und Nopaylistener den Reibach machen. Dürfte für viele ein Schock sein, dass das Internet auch nur die Realität abbildet und keine neue Dimension ist.

Ach wie putzig. Hercules, das hast Du so schön gesagt (Du gestattest doch, dass ich „Du“ zu Dir sage), da möchte ich Dir beinahe direkt darauf antworten. Und zwar dieses:

Wer bist Du, dass Du Dir ein Urteil darüber anmaßt, wer kreativ und wer nur „vermeintlich“ kreativ ist? Wer bist Du, dass Du die Probleme Kreativer als „Genöle“ abtust? Warst Du auch nur einmal im Leben auf Jamendo und hast Dir angehört, wie hoch die Qualität und wie groß die stilistische Bandbreite der Menschen ist, die Du in Deiner grenzenlosen Ignoranz alle über einen Kamm scherst? Weißt Du eigentlich, wieviele Künstler, zusätzlich zu ihren Online-Auftritten, CDs pressen lassen, Booklets drucken lassen, zigtausende von Euro in Produktion und Euqipment stecken, live auftreten, sich von irgendwelchen Möchtegern-Managern verarschen lassen und sich vor lauter Stress, Aufwand, Ausgaben und ständigem Augen-Zu-Und-Durch-Auch-Wenn-Ich-Gerade-Mal-Wieder-Laut-Schreien-Könnte gegenseitig derartig gewaltig auf den Nerv gehen bis endgültig alles zu spät ist… aber ich schweife ab.

Ach, weißt Du was? Geh doch einfach wieder zurück in Deinen Fernsehsessel und lass Dich mit DSDS berieseln, das ist ganz genau die Strafe, die Du verdient hast… das heisst, nee, warte, lass mich Dir vorher noch

Und wenn man heute mit Musik verdienen will, dann darf man eben keinen Nischenlärm machen, sondern muss tatsächlich die Massen ansprechen wollen. Wer meint, es wäre nur Kunst, wenn einen möglichst viele Menschen nicht mögen, dann irrt jener. Michael Jacksons Musik bspw. war massenkomtabel, selbst wer den Künstler lächerlich fand, die Musik war anerkannt. Heutige Musiker liefern grottige Musik ab und verkaufen nur an Leute, die den Künstler mögen-die Musik ist austauschbar, nach wenigen Monaten bereits vergessen, wenn nicht früher.

Also, von nichts kommt auch nichts. Sich mal hinsetzen, ordentliche Musik machen, mit der sowohl Oma als auch Enkel was anfangen können und Texte schreiben, die nicht jeder bekiffte Schülerbandtexter in fünf Minuten auf dem Klo zusammentexten kann. Und auch mal was anderes machen! Wenn alle halbnackt auf vermeintliche Tabubrecher machen, dann sollte es eigentlich verdammt einfach sein, mit guten Texten und guter Musik nen Start hinzulegen.

Aber was bekommen wir? Jammerlappen, die das selbe vertonen, was schon jeder kennt. Keine zeitgemäßen Texte, nur Wortbrei ohne Message und wenn Message, dann von wohlbehüteten Wohlstandsspinnern, deren größte Lebenskrise die eigene lächerliche Drogensucht ist. Schönen Dank, da zahlen die Leute nicht für. Dem Drogenjunkie am Bahnhof wirft man ja auch keine 100€ hinterher, dem alternativen Müslirocker aus dem besetzten Haus auch nicht.

um die Ohren schlagen.

Kennst Du, lieber Hercules, den Grund, warum ich hier und auch sonstwo nichts über Teilchenphysik, Quarks und das erweiterte Relativitätsprinzip schreibe? Ganz genau, das ist deshalb so, weil ich von diesen Dingen nicht das Geringste verstehe und mich auch noch nie damit beschäftigt habe. Und Deine Hausaufgabe ist es jetzt, herauszufinden, was mein letzter Satz mit der geballten geistigen Diarrhoe zu tun hat, die Du im SpOn-Forum von Dir gibst.

"...dann von wohlbehüteten Wohlstandsspinnern, deren größte Lebenskrise die eigene lächerliche Drogensucht ist"

Ich könnte noch seitenlang so weiter machen. Würde aber niemandem was bringen, ausser evtl. mir selbst das nächste Magengeschwür.

Natürlich gibt’s im selben Thread irgendwann dann auch mahnende Stimmen und ab und zu beinahe die Ansätze zu einer konstruktiven Diskussion… dennoch, die vorherrschende Meinung dieses unseres Volkes lässt sich verkürzt mit

Musik ist nicht wichtig, sie ist nichts wert, es ist keine richtige Arbeit, und wer nichts damit verdient ist selbst schuld (und vermutlich ein arbeitsloser, zugekiffter Hausbesetzer)

zusammenfassen.

Und allmählich geht mir ein Licht auf, und mein Leben wird um vieles leichter. Denn unter diesen Umständen bin ich beinahe schon froh, dass sich der Erfolg mit Botany Bay nicht so richtig einstellen mag.

Auf so ein Publikum kann ich nämlich gut und gerne verzichten.

(Bildquellen: Seattle Municipal Archives, Karpov The Wrecked Train, CC-BY)

20 Antworten auf „Vom Armenhaus Internet und den SPON-Stammtischbrüdern“

  1. Hm, Dir ist aber schon klar, dass Spiegel Online nicht gerade der Ort ist, wo sich die Leute tummeln, die sich groß Gedanken machen, bevor sie was schreiben? Also, auf das, was Spiegel-Online-Forenleser schreiben, würde ich mal weniger geben als auf das, was die BILD schreibt. Tut mir leid, dass Du soviel Zeit damit verschwendest, Dich so aufzuregen, aber hättest Du die Kommentare zum Artikel über die Frau, die ihre Neugeborenen getötet hat, gelesen, hättest DU schon vorher gewusst, dass da nicht mal 1% das Gehirn anschalten, bevor sie was schreiben. Wozu auch. Ist wirklich 100% Stammtisch. (Na gut, 99%, sorry an die 1% Forumsposter, die sich jetzt vielleicht zurecht beleidigt fühlen.)
    Du sollst jetzt überhaupt die Free Music Charts hören.
    Die Bilder samt Unterschriften gefallen mir aber. :D

  2. zur FMC-Ausstrahlung war ich leider verhindert (da scheinen ja merkwürdige Ding im Voting passiert zu sein); aber ich werd sie mir anhören sowie der Podcast raus ist…

  3. Glaub das Problem war, dass man mehrfach voten kann, aber das an sich nicht darf. Wenn man dann einfach dem Link folgt und abstimmt, ohne sich das groß durchzulesen, oder auch wenn man einfach vergisst, dass man das schonmal gemacht hat, stimmt man zweimal ab. Kann nicht mal ausschließen, dass mir das selbst passiert ist.

  4. Wir haben das Thema ja schon besprochen. Wollte nur noch hinzufügen, dass die Menschen die Kunst nicht erleben können doch zu bemitleiden sind. Sei es Musik, Poesie, abstraktes Zeug, Fotografie, komische Installationen, Malerei, Handwerk, Programmieren etc. wer keinen Zugang zur Kunst findet und sei es nur als *Konsument* hat sein wirkliches Selbst nicht gefunden. Und diese Menschen sind zu bemitleiden. Sie Bedürfen keiner öffentlichen Geiselung ihrer armseligen Meinung sondern einer Einweisung in die Schule der Selbsterkenntnis. Und dieser Schulen bedarf es leider zuhauf.

  5. Das hast Du sehr schön gesagt. Nur ist das die Art von Schule, die nicht gebaut werden wird.

    Oder besser gesagt, ehe sich an der Einstellung der Gesellschaft im Großen und Ganzen etwas ändern wird, muss es erstmal ganz gewaltig knallen.

  6. „Oder besser gesagt, ehe sich an der Einstellung der Gesellschaft im Großen und Ganzen etwas ändern wird, muss es erstmal ganz gewaltig knallen.“
    Ich kann deine Wut verstehen und teile deine Meinung bezüglich des SpOn-Themas, doch der Pessimismus bezüglich der Einstellung der Gesellschaft und der Knall als einziger Ausweg scheinen mir zu resignativ. Kopf hoch, Brust raus und weiter fein im eigenen Umfeld etwas anderes vorleben, dann wird sich einer anderer Geist fortpflanzen und vermehren.

    Grüssle
    manka

  7. Hallo Stephan, ich bin eine von den SpOn Forum Schreiberlingen und habe diese Webseite in Deinem Post (link) gefunden.

    Zwar bin ich der Meinung, dass Du manches wohl aus Deiner Warte extra missverstehst („die doofen Normalos wieder, die verstehen ja nix von Kunst, diese BANAUSEN“), aber ich bin trotzdem neugierig geworden auf Deine Alben.

    Ich habe auch bis jetzt noch nie von jamendo gehoert, ich wusste gar nicht, dass es so etwas wirklich offiziell und legal gibt. Sonst hole ich mir meine Musik immer von den hunderten blogspots (google blogs) oder eben direkt von den Musikern, die ihre Sachen anbieten.

    Ich bin nun Deiner Einladung gefolgt und habe den link zu jamendo geklickt, wo es zum Album „Grounded“ ging. Ich habe ungefaehr 20 min hingehoert und dann alle drei Alben heruntergeladen. Der Stil geht wohl in Richtung New Age?

    Wenn mir jetzt Mike Oldfield, Jean Michel Jarre oder Vangelis einfallen, bin ich dann auch eine Banausin? Tut mir leid, vielleicht ist es einfach in der menschlichen Psyche, etwas Neues (Unbekanntes) immer mit etwas schon Bekanntem zu vergleichen, das tue ich wohl. Aber es ist eine sehr angenehme Musik, finde ich. So auf den ersten „Blick“.

    Ich muss jetzt das Kochen anfangen (ich bin eine mittelalte amerikanische Hausfrau), daher musste ich hier abbrechen. Aber mein erster Eindruck ist ganz gut, und ich werde mir alles wirklich anhoeren, versprochen, und dann auch Rezensionen schreiben!

    Und sei nicht so streng mit uns armen SpOn Foristen, wir haben doch schon genug unter den Zensoren dort zu leiden!

  8. @manka: Danke für Dein Verständnis. Ich resigniere ja nicht… ich mache weiterhin Musik, und diese wird auch weiterhin gehört; ich erkenne nur, dass es so gut wie unmöglich ist, an einen Großteil der Menschen ranzukommen, einfach wegen dem, was sich nach Jahrzehnten des Weichspülens durch Massenmedien & Musikindustrie in den Köpfen festgesetzt hat…

    Liebe Grüße
    Stephan

  9. Hallo albgardis,

    vielen Dank für Deine Antwort!

    Ich wollte gar nicht so rüberkommen, dass ich über all dem stehe und jeden der’s nicht hören möchte, als Banausen und Kunstverächter bezeichne. Meine Wut kommt wo ganz anders her, nämlich von der geballten Ignoranz und den vorgefertigten Meinungen, die einem als Musiker entgegengeschleudert werden. Und vor allem ist sie deshalb vorhanden, weil ich ganz klar sehe, woher diese Ignoranz kommt.

    Du schreibst:

    Ich habe auch bis jetzt noch nie von jamendo gehoert, ich wusste gar nicht, dass es so etwas wirklich offiziell und legal gibt. Sonst hole ich mir meine Musik immer von den hunderten blogspots (google blogs) oder eben direkt von den Musikern, die ihre Sachen anbieten.

    Natürlich wusstest Du nicht, dass es „so etwas wirklich offiziell und legal gibt“; und da kann Dir auch niemand einen Vorwurf daraus machen. Hunderte von teilweise wirklich genialen Musikern möchten einfach nur, dass ihre Werke gehört werden, und wollen eine Alternative zu all dem Kommerz etablieren, der nach wie vor von der Unterhaltungsindustrie ferngesteuert wird.

    Und was passiert? Niemand weiß was davon.

    Weil diese Entwicklung von den etablierten Medien mit einer beinahe schon gespenstischen Beharrlichkeit ignoriert und totgeschwiegen wird.

    Und warum ist das so? Weil da halt kein Geld fließt. Weil niemand für Werbung oder auch direkt für ein Review zahlt, und man den Kuchen weiter ausschließlich innerhalb der symbiotischen Abhängigkeit Musikindustrie und Massenmedien aufteilen möchte, so wie man das schon die letzten paar Jahrzehnte lang gemacht hat (der SpOn macht da keine Ausnahme. Ich habe schon ne wunderbare Absage von der Musikredaktion gekriegt, mit dem Tenor ‚wir können uns nicht um jeden Scheiß kümmern‘; und so ne Absage ist das höchste der Gefühle, normalerweise hört man einfach gar nichts mehr).

    Das alles wäre schon schlimm genug. Wenn dann aber noch ein paar Ober-Schlaumeier ankommen und Plattitüden wie „es gibt doch eh zu viel Musik, sucht euch einen richtigen Job!“ oder „das ist doch eh alles nur Krach von bekifften Wohlstandskindern“ in die Welt setzt, dann brennt bei mir ganz schnell die Sicherung durch. Das hat nichts mit Kunst vs. Kommerz zu tun, sondern einfach mit der Einsicht, dass das ganze System kaputt ist. Broken beyond repair.

    Wenn mir jetzt Mike Oldfield, Jean Michel Jarre oder Vangelis einfallen, bin ich dann auch eine Banausin? Tut mir leid, vielleicht ist es einfach in der menschlichen Psyche, etwas Neues (Unbekanntes) immer mit etwas schon Bekanntem zu vergleichen, das tue ich wohl. Aber es ist eine sehr angenehme Musik, finde ich. So auf den ersten “Blick”.

    Nee, Vergleiche sind doch vollkommen ok! Teile von „Grounded“ könnte man sicher als New Age betrachten, wobei wir auch in die Richtung World Music, Pop und Trip Hop gehen… ich tu mich immer ziemlich schwer damit, das zu kategorisieren. Wahr ist, dass „Grounded“ insgesamt ein ruhigeres Werk ist (wobei wir auch ganz anders können!)

    Ich freu mich auf jeden Fall, dass Du reingehört hast, und dass Du auf die Art und Weise Jamendo entdeckt hast… wie heißt es so schön, steter Tropfen höhlt den Stein ;-)

    Liebe Grüße
    Stephan

  10. Zu jedem Thema gibt es Leute mit einer blöden Stammtisch-Meinung, und dass die sich in der Anonymität des Internet und über ein Thema, wo sich ohnehin fast niemand so richtig auskennt, besonders gern äußern, das ist doch völlig normal… Insofern verstehe ich immer noch nicht richtig, worüber Du Dich so aufregst, Stephan.

    Aber andererseits gibt es ja, wie man sieht, auch andere Leute, sogar auf Internetforen ;). Insofern hat sich das Aufregen wenigstens gelohnt.

  11. @BB: Das Problem ist: ich erlebe diese Stammtischmeinungen im kleinen wie im großen. Im direkten Umfeld und in anonymen Diskussionsforum. Sie sind überall.

    Vor kurzem erzählte mir ein Kollege, er hätte sich jetzt endlich mal meine Musik angehört (nachdem er seit >3 Jahren wusste, dass ich Musik mache). Er war vollkommen hin und weg, begeistert bis zum Anschlag. Was mich natürlich sehr glücklich macht. Zitat: „Wenn ich das nur vorher schon gewusst hätte, dann wäre ich auf jedes Konzert gekommen!“.

    Worauf ich natürlich fragen musste, warum er denn nicht vorher schon reingehört hat. Wollte er nicht sagen. Ich: „Komm schon, ich bin auch nicht sauer… und es ist wichtig für mich, weil ich irgendwie wissen will, wie ich mehr Hörer kriege“.

    Die Antwort nach einigem Zögern: „Hm… na ja… ich dachte, wenn ihr das selbst macht und vertreibt und verschenkt… dann kann das nix taugen…“

    Ich konnte seine Aussage im Geist noch ergänzen: „…und wenn Du hier sitzt und Software entwickeln musst, statt dass Du von Deiner Musik leben kannst, dann kann sie nicht gut sein.“

    Natürlich bin ich ihm nicht böse, und ich bin froh, einen neuen Fan zu haben. Aber es macht mich traurig und wütend, dass man gegen diesen Bullshit in den Köpfen so verdammt schwer bis überhaupt nicht ankommt.

    Falk Merten hat heute ein schönes Zitat auf Facebook gepostet, das lautet „Die effizienteste Manipulation von Medien ist das Verschweigen“. Wie oben schon gesagt, es ist schlimm genug dass – unter anderem ganz genau dank dieser Tatsache – freie Musik von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird. Aber noch schlimmer ist es, dann auch noch solche Meinungen ertragen zu müssen, egal wo.

    LG
    S.

  12. Hey, dankeschön für diesen super Artikel!

    Geht mir da ganz genauso! Ich habe auch in mehreren Info-Texten das Thema den Hörern bzw. den Internet-Usern, die ich erreichen kann, näher zu bringen! Mal auf sachliche Weise, dann humorvoll, dann auch mal sehr kritisch! Mal lang, mal kurz. – Es scheint egal, wie man das angeht, es kümmert einfach so gut wie niemanden.

    Es ist tatsächlich so, dass die „Erfolglosigkeit“ daran liegt, dass es das Internet gibt. Von den „Stars“ denkt ja nun niemand, dass das nur „Häuser besetzende Müsli-Rocker“ wären, deren Musik keine Bedeutung hätte. Dennoch wird ja auch insbesondere die „populäre“ Musik kaum mal noch gekauft.

    Doch für uns, der Masse unbekannter Artists, ist das nunmal ein ziemlicher Scheiß, wenn man nun gar nichts verdienen kann mit der eigenen Musik im Internet.
    Da hat es ja jeder, der ein paar Mützen strickt oder Ölbilder malt schon leichter, damit auf ebay ein bisschen was zu verkaufen.

    Ich hab von Berichten gehört, dass früher grade mal regional bekannte Bands mit CD-Verkauf von der Bühne pro Abend gut 300 DM verdient hatte, – zuzüglich zu der Live-Gage, die damals noch gut 80% höher war.

    Ich glaube, das Problem ist, dass die Musik ja meist in voller Länge „kostenlos“ unter die Leute gebracht wird. – Damit erhält es die Message „Musik ist kostenlos=nichts wert=ich mach das alles kostenlos für euch“.

    Dadurch gewöhnt sich dann der Hörer umso mehr an „kostenlose Musikangebote“ und reagiert irgendwann trotzig, wenn er was zahlen „soll“.

    Am besten also möglichst wenig kostenlos veröffentlichen. Ein, zwei Songs reichen doch, um Leute von nem Artists zu überzeugen?

    Das war bei Single-Auskoppelungen doch auch immer so. Die Leute hören „einen“ guten Song und nicht wenige wollen dann auch mehr, mussten dafür aber dann das Album „kaufen“. Die, die „nur“ die Single wollten, haben sowas auch damals schon aus dem Radio mitgeschnitten etc.und dann auf die CD verzichtet oder die CD erst später gekauft, um nochmal ne bessere Soundqualität zu haben.

    Also gibt man der Masse eben den inter-sujektiv besten Song „for free“, aber in niedriger Qualität. – Wer das Original will, also echte CD-Qualität und kein verlustbehaftetetes mp3-Format, muss es dann kaufen. Genauso wie früher bei den Maxi-CDs…

    Und wer mehr will, der kann dann weitere Stücke, in einem Fromat seiner Wahl, dazukaufen. – Wozu ja z.B. bandcamp eine Lösung wäre oder sonst mit genug Speicherplatz auf der eigenen Homepage.

    Ebenso kann man ja wirklich zusätzlich mal in den regionalen Läden seine CD auslegen bzw. sozusagen Werbung für den Kauf dieser CD per Post innerhalb der eigenen Region verschicken.

    Denn was quasi „vor der eigenen Haustür“ passiert, interessiert die Leute oft mehr. – Das Phänomen sieht man ja auch bei regionalen Fussball-Clubs.
    Ich denke also, selbst auf diesem altmodischen Weg, kann man vielleicht „einige“ Hörer finden, die noch fair etwas kaufen würden.

    Ich geb jeden Monat 10-20 EURO allein für facebook-Werbung aus, dabei kommen zwar neue „Likes“ dazu, aber Leute „liken“ alles mögliche…die Aufmerksamkeitsspannen scheinen kurz und ich kann anhand eines „Likes“ nicht beurteilen, ob diese Person nun ein wirklicher Fan der Musik ist oder eher nur demonstrieren will, dass sie einen Song wohlwollend zur Kenntnis genommen hat.

    Also wie bei so einem Strassenmusiker, wo die Leute dann eben „gaffen“
    und „klatschen“, weil sie die Leistung anerkennen, die er dort abliefert, aber deswegen ja nicht gleich Fans werden, in dem Sinne, dass sie Aufnahmen von seiner Musik auch kaufen wollen würden oder die Arbeit des Musiker zukünftig im Auge behalten wollen würden.

    Aber selbst der Strassenmusiker vor C&A bekommt noch nen paar Cent in den Hut geworfen! „Wir“ machen das hier quasi ja alles kostenlos
    und bekommen nichts dafür ausser evtl. einen netten Comment oder einen Klick auf den „Gefällt mir!“- oder „Play“-Button.

    Quasi wird da oftmals vollkommen anonym konsumiert und das Internet bietet ja nur ein rein „virtuelles“ Feedback, rein „virtuelle“ Möglichkeiten.
    – Deswegen hat da selbst der Strassenmusiker eine realere und schönere Erfahrung, wenn auch nur 5 Leute drum herum kurz klatschen, als wenn er nun im Internet hundert „Likes“ auf dem Bildschirm angezeigt bekommt.

    Zudem speisen „wir“ ja mit der kostenos bereitgestellten Musik diese ganzen Portale, myspace, youtube usw. die damit Kohle machen, denn dadurch haben die ja mit jedem Besucher wieder eine weitere Möglichkeit durch Werbung Geld zu verdienen.

    Hätte myspace z.B. ohne die kostenlose Musik der ganzen „unbekannten“ Bands sich so etablieren können? Nein! Denn die hat denen nochmal extra ne dicke Stange Kohle gebracht, von denen sie den Musikern nie was abgegeben haben.

    Musik macht man heute scheinbar nur auf der Basis, dass einen mehr als je zuvor in der Branche alle ausbeuten. – Früher waren es in manchen Fällen die Manager bzw. Labels die Bands ausgebeutet haben.

    Heute sind es fast immer die Hörer, sowie Internet-Seiten-Betreiber, die Bands irgendwelche kostenpflichtigen Sachen für Promotion andrehen wollen, ohne auch nur einen klitzekleine Erfolg dadurch wirklich „garantieren“ zu können oder eben Portale, die mit Werbung Kohle machen, Internet-Provider und mp3-Player-Hersteller. Die verdienen doch auch daran, dass so viele Leute sich kostenlos Sachen im Netz ziehen!

    Ich wäre schon froh, es würde meine Würde als Musiker erhalten, wenn ich mir wenigstens davon mal einmal in Monat Gitarren-Saiten leisten könnte.
    Dass es also wenigstens diese kleine Entlohnung geben würde, die eben dann mehr wäre, als „bloße Worte“.

    Tatsächlich habe ich aber tausende von Euro selbst für die jetzigen Produktionen investieren müssen, damit das zumindest semi-professionell produziert klingt. Das musste ich alles im Alleingang produzieren, da ich hier keine Mitspieler gefunden hatte. Es gab da also auch keine Option, soche Kosten irgendwie aufzuteilen.

    Tatsächlich gebe ich schon allein für meine Homepage mehr pro Jahr aus, als ich jemals mit meiner eigenen Musik verdienen konnte und hab auch alle Gigs immerzu kostenlos geben „müssen“ „dürfen“ mit dem Verweis des Veranstalters, der Lohn wäre ja die „Promo“, die das „angeblich“ bringt.

    Aber wohin führt das, wenn von 100 Leuten, denen das gefällt, dann eh nur einer überhaupt noch die Einstellung hat, dass er auch Musik unbekannterer Artists prinzipiell kaufen würde und die anderen nur darauf warten, wann das nächste „kostenlose“ Release erscheint???

    Die grossen Labels kann man da auch herzlich knicken. Die geben eher Daniela Katzenberger nen Plattenvertrag, als irgendeiner wirklich guten Band.
    Die würden sogar nem bellenden Hund nen Plattenvertrag geben, wenn der aus irgendwelchen Gründen Millionen youtube-Zuschauer erhält und man daraus „irgendwie“ Musik fabrizieren könnte.

    Die kleineren Labels könnten das ausgleichen, sind aber durch den ausbleibenden Musikkauf auch schon alle abgewirtschaftet und können den Bands ja fast gar nix mehr finanzieren, sie nichtmal mehr richtig promoten.

    Dann gibt es Leute, die sagen, man müsste heute eben durch andere kreative Sachen mit seiner Mucke Geld verdienen. Man könne dann ja ein Computerspiel dazu machen, Klamotten entwerfen etc.

    Doch wozu ist man dann Musiker geworden bzw. macht Musik? Um T-Shirt-Designer zu werden und die Musik dann lediglich als Promotions-Tool für Kleidung umzufunktionieren….??? Und das obwohl die Musik oft genug konsumiert wird, dass man, bei einer fairen Konsumhaltung seitens der Hörer sehr wohl etwas damit verdienen könnte, ohne sich zum T-Shirt-Designer „umzuschulen“. Tatsächlich hat keine Band, die ich kenne, trotz T-Shirt-Shops je ein Shirt verkauft!

    Das ist alles verkehrte Welt.
    Es ist so, als wenn du zu nem Ladendieb gehst und sagst: „Hey du, ich ab gehört, du klaust immer Musik und ja…ich wollte in 2 Monaten ein neues Album rausbringen und vielleicht magst du dann mal reinhören und es dann auch klauen, wenn es dir gefällt…?“
    Natürlich nimmt der Ladendieb das erste Angebot oft gern an:
    „Oh ja, danke, coole Musik! Hab ich mir eben gezogen!“

    Dann könnte man, zurückgeworfen auf Live-Gigs als „eventuelle“ Einnahme-Option, fragen:
    „Und wenn ich mal live irgendwo spiele, wo du hinfahren würdest, würdest du dann 5 Euro für nen Ticket ausgeben?“

    Aber das ist dann eben sehr fraglich, ob jemand, einen Gig zeitlich und von der Strecke her wahrnehmen kann, ob und wie viel Eintritt er dann zu zahlen bereit wäre und letztendlich hat man da im regionalen Bereich ja die besten Chancen, wodurch es einem herzlich wenig bringt, wenn man nun im Ausland tausende Fans per Internet gewonnen kann, – zumindest solange man nicht das Budget hat, dort zum giggen oder touren hinzufahren.

    Und auch für nen regionalen Gig fällt ein altmodisches Plakat sicher mehr auf, als wenn man als eine von vielen Bands, da irgendwelche Leute per Internet anschreibt, von denen nicht wenige jegliche Promotion von Bands eh nicht lesen und gleich löschen.

    Wenn es den Leuten eher um Live-Gigs, als um das Hören von Musikproduktionen gehen würde…
    Dann wäre da allgemein ein viel grösseres Interesse daran da und dann gebe es auch für unbekanntere Bands bessere Chancen gegenüber den Betreibern eine kleine Gage durchzuringen und nicht nur dem Getränkeverkauf des Veranstalters kostenlos „zuzuarbeiten“.

    Tatsächlich sind es aber grade Musikproduktionen, die die Leute tagtäglich auf ihren mp3-Playern hören, die aber ja fast immer nie gekauft wurden und wenn doch, dann hat ja selbst dann der Artists gegenüber dem CD-Verkauf kaum was von.
    Also selbst, wenn das nun klappen würde und man verkauft seine Musik in Form von mp3s recht gut, wären die Einnahmen bei Newcomern noch so gering, dass man darauf verzichten könnte.
    Aber was mich persönlich stört, dass die Hörer ja nichtmal diese kleinen Mini-Dazuverdienst den Musikern lassen, indem sie ihnen eben jedes Recht mit ihrer Musik etwas dazu zu verdienen, absprechen und damit auch jeglichen Wert der Musik auf das Niveau eines kostenlosen „Bildschirmschoners“ runterschrauben, obwohl Musik als Emotionalei ja eine gesellschaftlich immens hohen und gesundheitsfördernden Effekt hat.

    Ich weiß und kann es nachweisen, dass meine Musik – zumindest was einzelne Songs betrifft – gut mehr als 800 Leuten gefällt und sie als „Dunkelziffer“ potenziell auch noch mehr Leuten gefällt, die das aber eben nicht in Form eines Kommentars u.ä. geäußert haben.
    Ebenso weiß ich, dass sie etliche Songplays hatte, von denen viele auch dadurch entstanden, dass die Musik ganz bewusst mehrfach gehört wurde, weil sie der jeweilige Hörer mochte.
    Dennoch waren z.B. auf myspace von gut 500 positiv kommentierenden Hörern nur 2 Käufer dabei und einer, der einen Betrag gespendet hat.
    Davon war ein Käufer selber Musiker, hatte also eher Verständnis für „unbekannte“ Musiker. Die Geldspenderin war Gutverdienerin und hatte
    auch aus eher romantischen Beweggründen etwas gespendet, also nicht ausschliesslich aufgrund der Musik.

    Tatsächlich soll der Verkaufsverhältnis allgemein so schlecht sein, dass selbst bei bekannten weltberühmten Artists auf 100 Fans nur ein Verkauf erfolgt!

    Also, ein ganz dunkles Kapitel und ich denke, um da rauszukommen, muss man sich wieder stärker auf den regionalen Bezug konzentrieren und seine Musik kostenpflichtig anbieten bzw. regional anbieten und nicht alles kostenlos ins Netz stellen. Das Internet also mehr für Promotion als zum „kostenlosen Bereitstellen“ aller möglichen Songs nutzen.
    Wenn Musik dadurch aus der „Kostenlos“-Nische rauskommt, kann sie letztendlich auch wieder für Labels relevant werden und dafür braucht sie ja irgendeine Verkaufbarkeit und wenn man die erzeugen und belegen kann, dann ist das auch für ein Label mehr wert als bloße Internet-Popularität dadurch, dass sich 50.000 oder gar 500.000 Leute aus aller Welt irgendwo bei youtube kostenlos nen Song anhören. Lass von den 500.000 oder 1 Millionen youtube-Hörern die alle aus verschiedenen Ländern kommen, dann ist das sehr fraglich, ob man in einem der Länder überhaupt genug Hörer für ne gut laufende Tournee hätte, denn wie viele zahlungswille Hörer darunter wären, weiß man ja nicht. Da müsste man also wieder odentlich Promotion nachreichen, aber bei nem Artists, der schon mehrere hundert CDs verkauft hat, im Alleingang, da weiß man auch als Label, „dass“ es und „wie viele“ zahlungsbereite Hörer es gibt und dass man an die selbst ohne ne Tourneee etwas verkaufen könnte und mit Promotion dann auch noch mehr Käufer finden würde und später auch Konzertbesucher. Denn was der Artists selber im kleinen Rahmen an „wirtschaftlichen“ Erfolgen hinlegt mit seiner Musik, das kann ein Label dann maximieren. Aber nen Artists der nix verkauft bekommt bzw. eine gesellschaftliche Situation, die das schon im vornherein verhindert…wie soll da noch für irgendeinen Musiker, der sich nicht als Kurzzeit-Superstar von DSDS ausbeuten lassen will, der Traum von einer professionellen, im Sinne von beruflich relevanten, Artists-Laufbahn zu verwirklichen sein?
    Die Labels machen sowas wie DSDS ja nicht aus bösem Willen, sondern weil sie mit einer normalen Vermarktungsweise, selbst mit musikalisch besseren Künstlern, nicht mehr genug Einnahmen heute machen würden und dann noch schneller untergehen würden.
    Denn selbst wenn der Artists nicht zündet, so gibt es ja Geld durch die Anrufe und er ist schon durch das Fernsehen bekannt, selber von der Masse quasi „auserwählt“, dass er dann nach dem Finale auch ne CD veröffentlchen darf.
    Diese Art von Promo ist natürlich sehr riskoarm und garantiert dennoch einen Mindestgewinn, genauso als wenn man eben mehr Geld in bereits gut laufende Artists pumpt, anstatt neue dazu zu holen, die man dann ja auch erst neu promoten muss und dann erst herausfinden muss, wie das läuft.

  13. Danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar!

    Hach ja, seit diesem Posting ist sehr viel Wasser den Fluss runtergelaufen… und wir haben die Route mit „nichts mehr frei veröffentlichen“ auch probiert, inklusive Vertrag mit einem Promoter.

    Alles was wir davon hatten, war ein Komplettverriss unserer Scheibe in einem drittklassigen Gothic-Fanzine, geschrieben von einem Typen, der augenscheinlich hoffte, seine Minderwertigkeitskomplexe damit auszugleichen, über Musik herzuziehen, von der er nicht die Bohne versteht.

    Ansonsten: 53 verkaufte Exemplare, die noch nicht mal die Produktionskosten von zehn Sekunden der Aufnahmen deckten.

    Aber inzwischen isses uns echt egal. Und das ist eigentlich ne ganz schöne Situation.

    Wir machen Musik nur noch, wenn wir mögen, und weil es uns Spaß macht. Es wird auch ein neues Album kommen, irgendwann mal. Aber wir sind niemandem verpflichtet. Wir haben einfach nur Freude daran, die bestmögliche, intensivste und schönste Musik zu machen, die wir machen können. Wenn das ums Verrecken niemand (bzw. viel zu wenige Menschen) würdigen wollen, dann ist das halt so. Dafür haben wir immer noch unsere ganz persönliche, intensive und schöne Freude daran…

    Liebe Grüße!
    Stephan

  14. Yeah, hi again Stephan!

    eine automatische Benachrichtigung, dass du auf den Comment geantwortet hast, blieb leider aus. Hab deine Antwort erst jetzt entdeckt.

    Du, 53 verkaufte Exemplare ist mehr als gut! Man muss das in Bezug zum heutigen Konsum-Verhalten sehen. Bei itunes kriegen die allermeisten „unsigned“ Artists pro Jahr gar nichts verkauft oder so 10-100 Exemplare. Nur 25% (und das sind dann schon die bekannteren!) schaffen das auf 100 Exemplare pro Jahr zu kommen!

    Insofern ist das mit den 53 ein sehr sehr guter Start!

    Wenn du sowas auf 300 hochbekommst, würden viele Labels das bereits ernst nehmen, weil davor kein Label mehr heute die Augen verschliessen „kann“, wenn ein unsigned Artists heute wo kaum jemand noch Musik kauft, 300 Exemplare verkauft…!
    Das habe ich so von mehreren A&Rs gehört, die vor einigen Jahren in einem Seminar darüber gesprochen haben, worauf Labels so achten und gebe das hiermit mal weiter in der Hoffnung, dass es noch heute gilt.

    Mit Promotern ist das so ne Sache. Ich behaupte mal, wenn der Promoter gut ist, dann hätte der euch mindesten 10 gute Rezensionen in weitaus besseren Printmedien, Web-Blogs o.ä. gebracht!

    Wieso eure Musik in einem „Gothic“-Käseblatt rezensiert wird, ist mir ein Rätsel, denn mit Gothic hat die 0,00 zu tun.

    Ein wirklich guter Promoter kostet locker 1000 EURO/Monat. Der pusht ne Sache mehr voran als es die meisten Band in vielen Jahren aus eigener Kraft hinbekommen würde.

    Aber das ist halt nen Haufen Kohle und man muss da auch echt jemanden suchen, der nen guten Ruf hat. Wer das sein soll, weiß ich leider auch nicht, denn viele nennen sich „Promoter“, nur um nen bisschen Kohle zu machen!

    Hab da mittlerweile 4000 EURO nur für ne semi-professionelle Produktion ausgegeben. Dann ist das schon blöd, wenn man davon nichtmal nen Bruchteil wieder reinbekommt.

    Manche Leute geben bis 20.000 EURO für ihr Home-Studio aus, andere rennen für 8000 EURO mehrmals ins Studio für nen Album mit 9 Songs!

    Diese „Herstellungskosten“ wieder reinzukriegen, ist als unsigned Artists gar nicht möglich. Das schaffen nur die grossen Label-Artists noch.

    Der „Gewinn“ ist die Tatsache, dass man „überhaupt mal was“ verkauft bekommt. Auch wenn die Kohle dann lächerlich wenig ist. – Das ist nicht soo tragisch, denn man ist ja auch nicht so bekannt, wie die grossen Artists und kann dadurch höhere Produktionskosten nur per Musikverkauf, wenn überhaupt, erst nach etlichen Jahren reinbekommen.

    Die Major-Label-Acts kriegen auch nur ganz wenig ab vom Kuchen, – haben dafür aber eben ne extrem grosse Zahl an Leuten, die sie erreichen können.
    Weißt du ja.

    Wenn z.B. von 50.000 youtube Abonennten auch „nur“ 5000 „einen“ Song als mp3 kaufen und du kriegst 80% von dieser mp3….dann hat man dadurch ne ganz nette Summe so für „eine“ mp3…. Würde aber jeder von denen sogar zwei mp3s kaufen und jeder 10. noch ein Album auf CD…dann wird es sogar richtig gut! All die anderen 45.000, die es stattdessen kostenlos ziehen, „berauben“ einen sozusagen zwar um weitere Gewinne, verhindern aber zumindest nicht mehr, dass man einigermaßen was verdient, um davon eine zeitlang leben zu können oder eine Tour oder ein neues Album zu finanzieren o.ä.

    Nur wenn die „Geiz ist geil“-Mentalität zu krass wird, dann kommt auch bei 50.000 nicht viel bei raus. Man wirbt ja meist auch nicht immer 100%ig Zielgruppen-gerecht, weswegen 50.000 vielleicht nicht immer 50,000 sind… ;)

    Also je mehr Leute das kennen, umso besser. Aber dafür braucht man eigentlich echt diese Promo, wie sie auch die Major-Labels für ihre Artists machen.
    Die wollen meist erst dann was von einem wissen, wenn man sie als Artists wirtschaftlich gesehen nicht mehr wirklich braucht. Das ist ja das Blöde, dass die kaum mal was fördern, die Säcke….

    In den obersten Etagen…dort geht es auch zusätzlich um ganz andere Sachen als „nur“ um Musik. Die sind viele privat in Logen und spielen sich die Bälle gegenseitig zu.

    Da geht es also tatsächlich auch um Ideologien usw. und wenn man da als Artists reinpasst oder dahingehend mitspielt (siehe Lady Gaga), dann supporten die durchaus auch mal nen „No-Name“. Doch dafür müsste man mit deren Symbolen arbeiten, schon jetzt und sich ein bisschen mit sowas auskennen.

    So haben das sogar Acts wie Tokio Hotel gemacht. Das lief da viel über deren Eltern und die haben das alles ganz bewusst so gewählt, dass „die da oben im 8. Stock“ checken, dass die Band in deren Agenda reinpasst…

    Ist ähnlich wie mit Partei-Mitgliedschaften. – Bist du in der CDU z.B. hast du überall gute Karten, wo Arbeitgeber, Firmen usw. mit denen sympathisieren oder selber dazugehören. Hast damit nix zu tun, bist du für die aber weitaus weniger relevant oder evtl. sogar ein „Feind“, weil du halt bei der „falschen“ Partei bist.
    Und so ähnlich ist das mit diesen okkult angehauchten Sachen bei den Labels, nur eben viel verschwiegener…

    Selbst die Newcomer-Artists, die nachdem sie kommerziellen Erfolg hatten davon erstmal keinen Plan hatten, wurden fast alle danach in diese Schiene bewogen.

    Schau dir Sido an. Der arbeitet sogar mit Eminem zusammen. Die könnten auf „den kleinen Sido“ in den Staaten scheißen und müssten dem hier nicht unter die Arme greifen mit Eminem-Featuring. Aber er ist seit nen paar Jahren im gleichen Verein wie Eminem sozusagen. „23“ und die „Eule“ lassen auf Sidos Album grüssen. Album kam am 2.3. raus. Na, alles klar!?

    http://www.youtube.com/watch?v=D_EdPRkNDew&feature=results_video&playnext=1&list=PLF3272CC350023AF9

    Ich wünsch mir echt die 90er zurück. Da war noch alles „real“ und man war da nicht auf das Internet so angewiesen. Es bietet zwar viele neue Möglichkeiten…. Aber Möglichkeiten sind nur dann wirklich gut, wenn man sie nicht nutzen „muss“, um voranzukommen, weil es auch noch nen anderen Weg gibt.

    Aber diesen ganzen Internet-Kram „muss“ man ja nutzen, weil es leider keine wirkliche Alternative gibt. Dabei sind die Erfolgsaussichten mit Hilfe des Internets auch kaum grösser, als damals ohne. Aber hauptsache man hat ein Spielzeug um Millionen Musiker weltweit ruhig zu stellen und die kleinen Labels schon als Konkurrenz ganz auszuknipsen, die sie geworden wären, würde es heute im Netz anders zugehen. Gleichzeitig konnte man dann ja sehr nett die grossen Labels mehr und mehr monopolisieren, was eine weitaus bessere Kontrolle darüber erlaubt, was im grossen Stil vermarktet wird, als je zuvor.
    Früher waren es ja mal 5 und mehr Majors, heute nur noch drei. Alles muss also durch diese 3 „Filter“ sozusagen…

    Natürlich ist das schön, wenn man aus reiner Freude am Musizieren dann eben das alles macht und sein Bestes gibt, aber man soll sein Licht ja auch nicht unter den Scheffel stellen und grade wenn unsere Musikkultur heute so „verflacht“ ist, muss man als Artists mit Substanz da gegenhalten.

    Hab mal reingehört! Sänger hat ne gute Stimme, erinnert stellenweise sogar an Bowie bzw. diverse 80er New Wave-Ikonen (crow song, take over) und klingt auch bei den sanfteren passagen stets wirklich angenehm. – Auf jeden Fall viel Wiedererkennungswert. Das habe ich da irgendwie nicht nachvollziehen können, wieso der auf relativ wenigen Songs untergebracht ist und in den Tags explizit nur auf „female vocal artist“ verwiesen wird.

    Das Mädel klingt auch gut, aber wenn sie sehr ruhig singt, würde das bei vielen Songs bedeutend besser rüberkommen, wenn da zusätzlich die männlichen Vocals drüber sind.

    Ihre Stimme wirkt, für meinen Geschmack, am besten, wenn aus sich rauskommt, wie z.B. auf „pretty boy, pretty girl“, „breath“.

    Bei manchen Songs z.B. „caroline in love“, „two little kittens“ klingt das dann wieder aber sehr gut, wenn die Sängerin sehr ruhig singt.

    Diese Sängerin gehört stimmlich auf jeden Fall an’s Bändchenmikro nicht vor ein Kondesator!

    Potenzielle Hits: „voices“, „pretty boy, pretty girl“, „crow song“, „breath“, „how much can you take“, „voices“, „the real world“.

    „feel“ auch…ABER: kann es sein, dass „feel“ ein cover-song ist??? die melodie im refrain (z.B. 0:32 bis 1:03) ist quasi identisch mit ugly kid joe’s „cats in the cradle“..nur eben schneller und mit anderen lyrics! ;)

    http://www.youtube.com/watch?v=ntsBcIZZwuE

    Rein instrumentale Kompositionen am besten für nen Side-Project oder als gesondere EP dazu, aber innerhalb der „beliebtesten Titel“-Playlist fragt man sich dann immer, ob das jeweilige Stück nun Gesang enthält oder nicht…???

    Es erinnert mich teilweise sogar etwas an Filmmusik, da es sehr komplex und dicht engagiert ist und viele instrumentale Stellen hat. Daher ist der Pink Floyd-vergleich durchaus gut getroffen.
    Auch Anklänge an Massive Attack sind durchaus da. Ein vergleich mit coldplay finde ich nicht zutreffend.

    insgesamt ist das für ein genre und eine richtung, bei der auch ganz bewusst mal instrumentales und einige experimentelle ansätze im vordergrund stehen sollen und dürfen, doch sehr erstaunlich, dass auch einige wirklich potenzielle „hits“ dabei sind, die sofort ins ohr gehen. ihr habt bei all der abwechslung auch nie den roten faden verloren und es klingt wirklich eigenständig.
    das mit der ugly kid joe-sache ist natürlich ein kleines maleur! mit bösem willen könnte man ein „unbewusstes“ plagiat unterstellen und würde dann auch die urheberschaft anderer song-melodien erstmal hinterfragen und paranoid dann alles nach sowas absuchen. ich hab auch mal ne band erlebt, die haben, sicherlich ohne sich dessen so bewusst zu sein, in einem deutschsprachigen refrain einen teil der melodie aus einem bekannten song von „H.I.M“ quasi 1:1 nachgesungen. der him-song war bereits vorher bekannt (irgendwas mit „butterfly“…).
    und du wirst lachen. ich hatte da, weil diese deutsche band mit von einer bekannten näher gelegt wurde, versucht herauszufinden, ob das nun absicht war…
    und zufällig stellte sich heraus, dass der gitarrist der band ein riesen him-fan ist…
    und so ergab dann eins das andere. nehmen wir an, diese deutsche band hätte mit dem song, weil er durchaus potenzial hatte, nen deal bekommen…
    dann würden egal ob in wochen, monaten oder vielen jahren das label und auch die band ne menge ärger bekommen, wenn sowas raus kommt, denn tatsächlich können die rechteinhaber durch entsprechende abmahnungen dann sogar unsummen daran verdienen, wenn sie plagiateure finden. deswegen würde ich euch dringend dazu raten, denn song nicht einfach so zu verteilen, weil, wer weiß in wessen händen der dann mal in ein paar jahren ist.

    beste grüße

    Michael

  15. Hi Micha! :))

    Ähem… ja… also, ein paar Sachen muss ich natürlich da aufklären… wo fang ich an? ;-)

    Die Sängerin haben wir Ende 2009 gewechselt… Laura Dietrich war von 2004-2009 (also auf „Grounded“ und den nachfolgenden EPs) Sängerin bei Botany Bay, seit Ende 2009 ist Stefanie Mühr die Frontfrau, was auch die eine und andere stilistische Variation nach sich zog, zumal wir auch recht schnell ein verdammt gut funktionierendes Songwriting-Team wurden ;-)

    Die männlichen lead vocals bei Botany Bay kamen bis auf zwei Ausnahmen immer von mir selbst (vielen Dank für das Lob!), inzwischen singe ich aber eigentlich nicht mehr. Hm, eigentlich schade. Wobei ich gerade nicht wirklich sagen kann, warum das so ist. Ok, vielleicht kann ich es doch, aber besser nicht in diesem Blog ;-)

    Dass Dir „Feel“ so bekannt vorkommt, wundert mich überhaupt nicht… bei dem Lied behaupten recht viele Leute, das sei doch irgendwo geguttenbergt. „Hey, das ist doch von Mike Oldfield“, „Hey, das ist doch von Coldplay!“, „Hey, das ist doch von Earth and Fire“… um nur drei Beispiele zu nennen ;-) Und jetzt eben noch Ugly Kid Joe ;-)

    Die Wahrheit ist, der Song stammt zu 100% aus meiner Feder, ohne jegliche Fremdbeeinflussung, und bei zumindest einem der Beispiele (Coldplay) ist er älter als das, was ich angeblich „geborgt“ haben soll. Das „Problem“ daran ist nur, dass die Akkordprogression im Refrain wirklich so einfach (und damit so eingängig) ist, dass vor mir wohl zehntausend andere Leute auch schon darauf gekommen sind. Ein bisschen mehr dazu schreibe ich übrigens hier: http://blog.botanybay.cc/2012/02/11/and-feel/.

    Was die Kosten betrifft, stimme ich Dir volle Kanne zu. „Grounded“ hat irgendwas in der Größenordnung von 20000 Euro verschlungen. Es ist unnötig, sich der Illusion hinzugeben, die Musik könnte das irgendwie wieder einspielen (zumindest nicht ohne Auftritte, und die waren damals nicht drin)… trotzdem wäre es schön, wenn sich in der sogenannten freien Musik-Szene ein bisschen ein Bewusstsein für Qualität durchsetzen würde, und eines dafür, das Musik etwas wert ist, auch wenn man sie kostenlos in der Weltgeschichte verteilt. Aber das ist ein sehr weites Feld, und wir haben da schon auf mehreren Ebenen alle möglichen Diskussionen geführt. Am Ende des Tages möchte man aber eh nur Musik machen und seine Freude daran haben… ;-)

    Du hast recht, eine Promotion im Gothic-Bereich war definitiv nicht das Geschickteste, was man bei uns machen konnte. Ich muss allerdings unseren Promoter verteidigen… der war echt sehr engagiert und hatte auch sicherlich sein Herz am richtigen Platz. Dass wir dann ausgerechnet ausschließlich von so einer Witzfigur einen Verriss kriegen, das war wohl niemandem unangenehmer als unserem Promoter. Gut, damals hat’s mich halt dummerweise extrem getroffen, weil alles andere eh gerade enorme Scheiße (schwere Krankheitsfälle in der Familie, beschissen stressiger Dayjob, etc., pp.) war und sich bei mir mal wieder der berühmte „Wofür mach ich das eigentlich?“ Moment einstellte…

    Inzwischen ist das aber glücklicherweise alles anders, und wir freuen uns darauf, demnächst endlich mal wieder live aufzutreten. Ob free music der richtige Weg ist? Tja, vermutlich momentan nicht ausschließlich, dazu müssten sich politisch und gesellschaftlich noch einige Einsichten einstellen… aber auch das ist ein sehr weites Feld, über das ich eigentlich gar nicht mehr so viel reden mag. Wir haben uns in der Vergangenheit stark politisiert, weil insbesondere mir persönlich der Abmahnwahn, die GEMA und so Gestalten wie Moses Pelham & Digiprotect ohne Ende zum Hals raushängen. Aber zu sehr politisieren frisst Zeit & Kreativität auf, und unter dem Strich muss man sich fragen, ob es das wert ist.

    Liebe Grüße!
    Stephan

  16. P.S.: Auf wesentlich über 300 waren wir schon hoch, nämlich mit „Grounded“ (800 Stück)… wenn Du magst, erzähl‘ mal, welches Label sich dafür interessieren könnte…

  17. Sorry der späten Antwort. Ich hab den Link in den Favoriten verschleudert und ihn erst jetzt beim PC-Aufräumen (hat 5 Stunden gedauert) zufällig wieder entdeckt!
    Wäre echt schön, wenn euer Message-System bei nem Eintrag ne Response-Mail schickt, dann weiß man immer den genauen Link zurück.

    Ja du, also die Info habe ich von einem A&R und das ist 3 Jahre her. Aber sicherlich noch gültig. Von welchem Label der Typ genau war, weiß ich leider nicht mehr. Das amcht auch nichts, denn es war ein in Amerika ansässiges Major-Sub-Label von einem Major-Label. Da hat ja jedes Major-Label ETLICHE von!

    Wie das die deutschen Labels beurteilen, wenn man über 300 Units selber schon vertickt hat…kann ich nicht versprechen, aber sicherlich auch durchaus positiv!
    Da sollte eigentlich so ziemlich jedes Label grade heute entweder zumindest wirklich ernsthaftes Interesse bekommen und lange üebrlegen, ob man das nicht wirklich mal versuchen sollte oder gleich „ja!“ sagen.
    Denn jedes Label sollte ja eigentlich wissen, wenn ihr da auf eigene Fasut schon 300 Alben verkauft habt oder auch nur 300mal einen Song, dann können die mit ein bisschen Promo WESENTLICH mehr davon verkaufen.
    Und für ein Label lohnen sich auch schon „kleinere“ Verkaufszahlen. Besser als nichts und selbst viele TOP100-Acts verkaufen ihr Album heute kaum mehr als 5000mal.
    Du kannst da also bei fast jedem Label damit Glück haben. Auf jeden Fall WEENTLICH bessere Chancen, als ohne die 300 Verkäufe. Musst halt nur nachweisen können anahnd von Belegen oder eben sonstwie glaubhaft, dass das vertickt hast. Ein abgebrannte Indie-Label würde ich da nicht anschreiben, die haben ja heute für gar nix mehr Kohle. Such dir da eins, dessen Künstler-Repetoire auch ein wenig zu eurer Musik passt bzw. zu euren Einflüssen. Dann stösst das auch zusätzlich auf Sympathie, weil ihr dann auch eher den persönlichen Musikgeshmack vom A&R trefft und dass dann in Verbindung mit 300 verkauften Units. Da wird ein A&R auch mal durchaus risikobereit.
    Außerdem hast du wahrscheinlich noch ein ganz entscheidenes ASS im Ärmel!
    Du hast doch sicherlich für eure Produtkionen auch selber Equipment gekauft und nicht alles nur im Studio gemacht oder? Wenn du nämlich so ein eigenes kleines Homstudio hast, also schon selber zumindest die Vorproduktion machen kannst, spart das Label an euch auch künftig jede Menge Studio-Budget. Das ist auch ein dickes Plus, weil es dann nur noch zum Mixing/Mastering in’s Studio muss oder evtl. für ein, zwei Kleinigkeiten, die man im Home-Studio nicht machen kann.

    Uff, 20.000 EURO. Woher nimmt man das? Na ja, ich hab das bei mir ähnlich. Hab mich für meine Musik komplett verschuldet… da werd ich lebenslänglich nicht mehr raus kommen. Ausser hier bricht das System zusammen, dann natürlich schon. ;)

    Während all die anderen Leute auf die Karte Studium, „sicherer “ (?) Job gesetzt haben, ging bei mir alles – finanziell, zeitlich und auch von der beruflichen Orientierung her – für die Musik drauf….

    So eine „normale“, „angepasste“ Laufbahn hatte mich nie interessiert.- Aber ich sag dir was, man wünschst sich zwar sehnlichst die freie Zeit zum Mucke machen, wenn man eben nicht als Artists arbeiten darf…aber wenn du die freie Zeit dann hast, aber eben keinen Label-Deal und auch keinen Job und keine Perspektive… das ist auch ein so krasses Problem, dass man dann trotz freier Zeit keinen Elan für die Musik mehr hat….

    Da hat man dann eben oft Sorgen, wie es später mal auf so einer Grundlage weitergehen soll. Als alleine vor sich hin komponierender Artists, während andere in nem Job mit Kollgen hängen jeden Tag 8 Stunden, ist man mindestens unter der Woche ja leider auch ziemlich isoliert.

    In dem grossen Plus, was du da siehst, da steckt auch irgendwo ein grosses Minus hinter. Da müssen allerhand Umstände stimmen. Ich dachte mir da: „Shit, was ist los!? Ich han Zeit, jede Menge, genug Kohle für vernünftiges Equipment, aber Blockade pur!“. Ich fühlte mich da mit meiner Tätigkeit ganz schön scheiße allein, die ja für andere nur „Traumtänzerrei“ war.

    Dann fragen die, was denn „nun mal“ mit nem Job wäre, „wie“ es denn weitergehen soll, was denn „später mal“ bloß aus einem „werden“ soll, denn man könne ja „schliesslich nicht von Musik leben“, wie soll das denn gehen!?

    Auch wenn solche Sprüche irgendwie sehr eingleisig gedacht sind, powern die einen aus.

    Aber ich sag dir was, Leute die so reden… das ist der Neid, der bei denen dahinter steckt. Die „wollen“ das gar nicht, dass jemand, den sie kennen (egal wer!) irgendwas „Aussergewöhnliches“ erreicht, wodurch er es wesentlich besser hätte als sie. – Die wollen, dass man genauso wie die jeden Tag in einem Job arbeitet, denn man nicht wirklich mag, evtl. sogar hasst und sich sein Geld hart um des Geld verdienes Willen verdient. Dann hat man „sie“ nicht durch ein „Aus-der-Reihe-tanzen“ hintergangen und „loyal“ das Leben (mit)gelebt, was „diese“ Leute eben „leben“, weil ihnen aufgrund fehlender Musikbegabung ein Musiker-Dasein eh nicht offen stehen würde. – Deswegen ist es auch meist das unmittelbare eigene Nicht-Musiker-Umfeld, dass einen da am wenigsten unterstützt bzw. es mies machen will.

    Erst wenn man dann von irgendwo her plötzlich Fans hat oder gar Geld reinkommt, dann gucken sie alle blöd und aufeinmal sagen sie dann: „Ja, schick das doch mal zu einer Plattenfirma!“ usw. „Aufeinmal“ wird es dann ernst genommen. Weil „andere“ es ernst nehmen, weil „Geld“ fliesst. Nicht wegen des künstlerischen, musikalischen Wertes, der ja schon VORHER genauso da war, als es grade diejenigen ignoriert haben, die da unmittlbar Zeuge des eigenen Schaffens wurden.

    Das ist eben die scheiß Mentalität. Das es auch anders gehe kann, zeigt sich in den USA:
    Da hast du als Musiker, selbst als No-Name ein Ansehen wie hierzulande Jura- und Medizin-Student. Als Berufsmusiker wirst du da quasi einem Arzt oder Anwalt gleichgesetzt, auch wenn du nur bescheiden verdienst. Daher…kann sicher nicht schaden, es auch als Nicht-Ami mal in den USA oder GB zu versuchen. Gewisse Voreingenommenheit gibt es da sicherlich von manchen patriotischen Gemütern gegenüber Acts aus Deutschland, aber du weißt ja selbst, dass einige Deutsche sogar wesentlich mehr Erfolg drüben haben, als hier.

    Nun ja, nur so ein paar Gedanken dazu, vielleicht ja hilfreich. Wünsche euch jedenfalls von Herzen, dass es doch noch richtig im grossen Stil klappt und viel Freude euch bei eurem Live-Gig! Sowas ist im Grunde ja auch schon ein sehr toller Erfolg, auf den man zu Recht stolz sein kann! :)

    Yeah, diese „musik-politischen“ Diskussionen und Überlegungen hatten auch bei mir in den Jahren viel Raum eingenommen. Sicherlich zu viel, aber man fühlt halt seine Chancen unnötig verbaut. Das Problem ist einfach das fehlende Bewusstsein für den Wert von Musik und alles, was zu diesem Bewusstsein indirekt oder direkt beiträgt. Solange der Unterschied zwischen einer Bildschirm-Schoner-Datei und ner mp3 von den Leuten gefühlt nur darin besteht, dass der Bildschirm-Schoner eben was Nettes zum hinschauen und die mp3 eben was Nettes zum hören bietet, beides aber nur „kostenlose Dateien“ sind. Ja, wie soll man denn in einer Branche, die den Grossteil all ihrer Einnahmen bis heute durch den VERKAUF von Musik erwirtschaftet, irgendwie noch was zustande bringen können?
    Nicht, dass es unmöglich wäre, aber sicher schwerer als für ALLE Musiker-Generatioen zuvor und das ist sehr schade, weil dadurch jede Menge guter Musik quasi relativ ungehört in den digitalen Weiten verstummt.
    Ebenso sind diese Sachen wie digiprotect auch sehr heftige und keine „wirklichen“ Lösungen, aber der Moses ist clever und er hat aus dem Problem das finanziell Beste rausgeholt oder? ;) Und wenn du Betreiber eines Labels wärst und es durch illegale Downloads jährlich weiter schrumpft, würdest dir auch überlegen, „wie“ du das dicke Minus ausgleichen kannst, denn sonst verlierst du irgendwann deine Möglichkeiten weiterhin auf ansprechende Weise Artists fördern und releasen zu können bzw. am Ende geht dann auch deine eigene Musik bei drauf und du bist bei nem „3 Groschen Musik-Video“. Insofern, obwohl moralisch teilweise SEHR fragwürdig, der Zweck heiligt manchmal die Mittel und der Moses ist ein herzensguter Mensch, der auch mit sich reden lässt. Da da hat man also niemanden arm gemacht . Strafe ist halt Strafe, wer nicht hören will… aber es gibt auch Verzeihen. Ganz klar! :)

    Ja, man hat sich viel vom Internet versprochen. Wenn es dann doch so viele Chancen verbaut, obwohl es vorgab, neue Chancen zu ermöglichen. Was steckt dahinter? Den Mittelstand fertig machen, denn die Kreativbranchen sind schliesslich ein Zweig, wo sich grade Leute aus dem Mittelstand noch hoch katapultieren konnten, auch unabhängig von „normalen“ Bildungswegen. Jetzt kommt der kreative Sektor dann eben auch eher denen zu Gute, die noch die Kohle haben, um am lautesten schreien zu können.
    Jetzt ist für die dicken labels auch die gefürchtete Konkurrenz durch Independent-Labels im Internet und Independent-Artists ausgeblieben, die sich Dank Internet an den Labels vorbei erfolgreich machen können.
    Ich seh dahinter, es mag vielleicht etwas paranoid wirken, jedenfalls durchaus eine Art Plan, dass es eben so laufen gelassen wurde. Denn du musst immer fragen, wer hat von dieser Entwicklung am Ende einen Vorteil oder noch den größten Vorteil? Und die Gewinner sind nach wie vor die Major-Labels, heute mehr als je zuvor, weil sie noch mehr als zuvor ein Monopol bilden. Der andere Gewinner sind die Leute, die sich die legal oder illegal frei erhältliche Musik zu Nutze machen, inklusive revernation und all denen, die an der Kohle der vielen ambitionierten Musiker durch „Premium“-Accounts dick verdienen. Und natürlich rapdishare usw. mit seinen Premium-Account-Angeboten, google, Apple, irgendwelche Software-Schmieden, die myspace-Downloader usw. anbieten. Aber wie man es da auch dreht und wendet. Der Musiker ist am Ende der Dumme.
    Da gibt es einen netten Artikel zu, sehr lesenswert!

    http://thetrichordist.wordpress.com/2012/04/15/meet-the-new-boss-worse-than-the-old-boss-full-post/

    In diesem Sinne, euch nen lieben Gruss!

    Micha

  18. @Micha, ich hab ganz vergessen, mich für diese letzte Antwort zu bedanken. Leider ist bei uns das Leben dazwischen gekommen (siehe: Die letzten fünf oder so Einträge im Blog)…
    Bottom line ist, wir werden jetzt einfach die nächste Platte machen, und zwar ausschließlich für uns, bis wir zufrieden sind und wissen dass es ok ist.
    Zwecks Veröffentlichung und Vervielfältigung werden wir ne Crowdfunding Kampagne starten; wenn da genug Kohle reinkommt: Sehr gut, dann gibt’s das Album mit Booklet und Texten und Gimmicks und ein paar Konzerte; und wenn nicht, dann ist die große Welt halt gerade selbst schuld und es wird nur eine streng limitierte Anzahl handgefertigter, physikalischer Tonträger geben.

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