Lena, Lena, Lena, Lena…

Ich muss zugeben, dass mir der Sieg von Lena Meyer-Landrut irgendwo ziemlich gut gefällt. Nicht weil ich das Siegerliedchen für so genial halte (ist es nicht, es ist halt ein typisches, perfekt produziertes Produkt aus der Raab-Werkstatt, und der Mann versteht sein Handwerk definitiv), sondern weil die ganze Sache irgendwie ein bißchen Hoffnung macht.

Der Eurovision Song Contest war jahrzehntelang fest in der Hand von weichgespülten und sich selbst viel zu wichtig nehmenden Ralph-Siegel-Schützlingen und krankte somit daran, woran so ziemlich alles krankt, wo eine Industrie ihre klebrigen Finger im Spiel hat: Es hat doch schon mal so gut geklappt und Millionen gebracht, dann wird sich das doch sicherlich mit den gleichen Zutaten wiederholen lassen.

Dass sich „ein bißchen Frieden“ dabei nicht erst mit der Zeit verbraucht und ins Fremdschäm-Kuriositätenkabinett abgesondert hat, sondern dass es sich schon 1982 um ein strunzdummes, aus der Retorte gezeugtes Machwerk mit einem noch blöderen Text handelte, ist den meisten Menschen nämlich gar nicht klar. Weil damals aber die Wahlmodalitäten beim Contest noch anders waren und die übliche Einflussnahme in Form von Geld und Gefälligkeiten in großem Stil stattfand, durften wir (also „wir“ wie in „wir sind Papst/Lena“) die nächsten zig Jahre den Preis dafür zahlen und einen um den anderen Ralph-Siegel-Weichspül-„hit“ ertragen. Irgendwann nannte sich das dann „Trash“, aber zunächst war’s durchaus ernst gemeint.

Und jetzt also Lena, die zumindest insofern Hoffnung macht, als daß sie zeigt, dass es auch anders ganz anders geht, dass man nicht unbedingt mit Müll am Contest teilnehmen muss, und dass das zahlende Publikum bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen, was keine Windmaschine braucht und es auch nicht nötig hat, mit Einsichten in die Unterwäsche statt mit musikalischem Talent zu glänzen. Natürlich steckt immer noch eine enorme Marktmacht hinter dem Ganzen, natürlich reiben sich jetzt Plattenfirmabosse und Springerpresse und die anderen üblichen Verdächtigen die Hände und wittern den großen Reibach, und natürlich könnte ARD-Unterhaltungschef Schreibers Gelabere von wegen „Lenas Sieg ist eine nationale Leistung“ nur sehr schwer noch bescheuerter sein. Trotzdem hat dieser Erfolg eine ganz neue Qualität… weil im Vordergrund eben nicht ein von Bild und Unterschichtenfernsehen transportiertes Image steht, sondern ein schönes Liedchen und eine sehr natürlich rüberkommende Interpretin.

Und wer weiss, vielleicht ist das Ganze ja für ein paar wenige ein Anreiz, sich auf Neues einzulassen, mal über den vertrauten Tellerrand hinwegzuschauen.

2 Antworten auf „Lena, Lena, Lena, Lena…“

  1. Stimme Dir im Wesentlichen zu. Ist sehr erfrischend, dass sowas auch mal Erfolg haben kann. Finde Lenas ziemlich unperfekten britischen Akkzent auch so niedlich. Hundert mal lieber das als einen ebenso unperfekten aber unoriginellen amerikanischen….

    In einem Punkt muss ich Dich aber korrigieren. Das Lied ist nicht von Raab, sondern von Frost/Gordon, und das ist ganz gut so, glaub ich. Außer mit den „Sonnenscheinponies“ hat mich Raab nämlich nie hinterm Ofen rauslocken können.
    Julie Frosts Text passt auch sehr fein zu Lena. Aber ich weiß, außer mir interessiert sich keiner für Text. ;)

  2. Ich find sie ja auch ganz süss. Hab mir die Show aber nicht angetan nachdem ich zufällig beim serbischen Interpreten reingeschaltet hatte und spontan kotzen musste. Nur am Ende als ich nochmals zufällig reinschaltete staunte ich über die Punktzahl und freute mich noch am Ende richtig. Und ja ihr Lied war doch nicht so übel und sehr erfrischend. Hoffentlich wird sie jetzt nicht verheizt…

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