Nach Video verreist…

Ein typischer Tag im Studio sieht bei Botany Bay folgendermaßen aus:

Man trifft sich ganz entspannt so gegen halb zehn Uhr vormittags zum Frühstück; frühstückt erstmal eine knappe Stunde lang, redet, tauscht Neuigkeiten und Gedanken aus; manchmal drehen sich diese Gespräche um die vorigen Tage und die Aufnahmen die wir da gemacht haben, und wie man sie verbessern könnte; manchmal um weltpolitisches, und oft einfach um uns und was uns bewegt. Im Sommer sitzen wir meist draußen auf der Veranda, über die unser abgeschiedenes und wildromantisches Studio praktischerweise verfügt; im Winter muss eher der Wintergarten dazu herhalten.

Zwischen zehn und halb elf treffen die Gastmusiker und der Tontechniker ein, wir begrüssen uns kurz, es gibt eine kleine Besprechung darüber, was wir vorhaben, ehe wir schießlich in den Aufnahmeraum gehen. Meistens haben wir noch Ärger mit der Hammond-Orgel und Wolfgangs zig Gitarren die alle unterschiedlich gestimmt sind, und dem Band-Hund der mal wieder unerlaubterweise den Garten umgräbt, aber wenn diese Probleme gelöst sind, dann…

…äh, halt, stopp, irgendwas läuft hier gerade extrem falsch…

…??!?…

Unter anderem aus Tierschutzgründen mussten Experimente mit dem Raum-Zeit-Kontinuum leider eingestellt werden.

Weia.

Das war natürlich der Bericht aus dem Paralleluniversum, wo zu irgendeinem richtigen Zeitpunkt der richtige Mensch unsere Musik gehört hat und wir deshalb sowohl ein Begriff als auch in der Lage sind, unseren Lebensunterhalt mit Botany Bay zu bestreiten.

In *diesem* Universum ist das natürlich mitnichten der Fall und es sieht momentan vielmehr folgendermaßen aus:

Morgens um dreiviertel Acht wird aufgestanden, dann geht es zur Arbeit, dann wird gearbeitet.

Viel Zeit für kreative Gedanken ist da nicht. Vielleicht denkt man in der Mittagspause mal kurz an Musik, meistens aber eher nicht. Eventuell erzählt man in einer Raucherpause einem Kollegen, dass man letzte Woche einen neuen Song angefangen hat von dem man recht begeistert ist, und erntet dann in 80% der Fälle einen Blick, der in ungefähr sowas wie auweia, der schon wieder mit seiner komischen ‚Musik‘ besagt.

Anyway. Abends macht dann einer von uns garantiert Überstunden. Wenn es nicht der eine ist, dann isses die andere. Und wenn die’s nicht ist, dann isses halt der eine. Sprich, wir sehen uns frühestens um halb acht.

Dann allerdings machen wir noch lange keine Musik, denn wir müssen erstmal runterkommen. Je nachdem, welches Ausmaß an Wahnsinn unsere respektiven Arbeitstage gerade zu bieten hatten, brauchen wir dazu bis zu anderthalb Stunden Zeit, und dazu eine Menge Zigaretten und Bier. Manchmal hilft auch keine noch so große Menge von beidem, aber das ist glücklicherweise eher selten.

Wenn wir dann gegen neun bis zehn Uhr endlich so weit sind, an unseren Instrumenten zu sitzen und vor uns hinzuwerkeln, dann kommen in letzter Zeit immer häufiger abwechselnd monotone und brachiale Songs dabei heraus, die sich damit beschäftigen, dass entweder a) der Tag wenigstens zwei Stunden länger sein dürfte, dass b) dieser Tag ganz schön scheiße stressig war, dass c) alle um einen rum zu Maschinen und Spießern mutieren, d) wie schön es doch wäre, in obigem Paralleluniversum zu leben… oder e) wie ausserordentlich bescheiden sich das anfühlt, wenn man feststellt, dass der Schützenverein Germania Prittlbach e.V. total relevant ist, Botany Bay jedoch nicht.

Bis zu einem Punkt wo wir sagen müssen: Das wollen wir niemand antun.

Wie schaut also die Lösung aus?

Leider muss ich mitteilen, dass all meine Bemühungen, einen Apperat zu konstruieren, mit dem wir dieses gottverdammte Universum verlassen und das oben erwähnte Paralleluniversum betreten können, fehlgeschlagen sind. Nachdem es dabei kürzlich beinahe tragische Unfälle mit der Gravitationskonstante des Universums (und als Nebenprodukt davon: angesengte Hundehaare) gegeben hätte, habe ich beschlossen, zumindest in dieser Richtung nicht weiterzudenken.

Die Alternative ist: Einfach mal ein paar Tage ans Meer fahren, abschalten, kreativ sein, und neue Songs schreiben.

Und genau das ist es, was wir die nächsten paar Tage tun werden. Natürlich werden wir auch Fotos machen und vielleicht den ein oder anderen kleinen Film.

Wir sind schon sehr gespannt wie das wird, und wir werden euch davon berichten, wenn wir wieder da sind!

Nach Video verreist,
Botany Bay

PS: Wir twittern natürlich immer mal wieder… ;-)

4 Antworten auf „Nach Video verreist…“

  1. Herrlich aufwändige Herleitung (Hinleitung? Einleitung?), obwohl die Überschrift schon fast alles gesagt hat. So muss das sein, es sind genug Buchstaben da!

    Schöne Zeit Euch!

    Und hübsch brav kreativ sein, hört Ihr?!?
    Micha

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