Wie es ist

Ich habe es jetzt sehr lange vor mir hergeschoben, diesen Artikel zu schreiben.

Ich würde es am liebsten auch noch die nächsten 6 Monate vor mir herschieben, aber irgendwo sind wir unseren Fans, die uns so lange die Treue gehalten haben, ein Update schuldig – eine Erklärung, wie es bei Botany Bay weiter geht. Und da die anderen noch nicht bloggen, werde ich das wohl tun müssen.

Für die Antwort muss ich leider ein bisschen ausholen.

Wie ihr vermutlich alle mitgekriegt habt, ist mein Vater im Dezember verstorben, nachdem er vier Monate lang schwer krank gewesen war.

Diese Zeit seit August 2012 war eine fürchterlich schwere Zeit, und sie hat bei allen Beteiligten, so auch bei dieser Band, ihre Spuren hinterlassen.

Eigentlich hatten wir einen neuen Proberaum-mit-Studio in Köln angemietet, um im Herbst/Winter 2012 die ganz große NRW-Clubtour starten zu können und dazwischen die eine oder andere Aufnahme für das nächste Album zu machen.

Seit diesem einen schicksalsreichen Tag im August war daran aber nicht mehr zu denken; ich war nur noch zwischen Rhöndorf (meinem Wohnort) und Minfeld (dem Wohnort meiner Eltern) unterwegs, immer mit der Tachonadel am Anschlag, ging gleichzeitig so gut wie möglich meiner hauptberuflichen Arbeit als Softwareentwickler nach und war während all dessen bemüht, nicht die Nerven zu verlieren. Es waren Monate voller Ungewissheit, Schmerz und Komplikationen, die spürbar an Grenzen gingen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.

Dass wir es während dieser Zeit trotzdem geschafft haben, ein Lied für meinen Vater aufzunehmen, spricht für die große Freundschaft und das große Verständnis, das in dieser Band herrscht, und dafür, dass wir uns ohne viele Worte verstehen. Aber mehr als das und drei Sessions bei mir im Wohnzimmer waren trotzdem nicht drin.

Und jetzt?

Jetzt ist mein Vater tot, und ich fühle mich leer und unendlich traurig. Und habe sehr viel zum darüber Nachdenken.

Ich hätte mir für meinen Vater gewünscht, dass er in seinen letzten Jahren glücklich und zufrieden auf sein Leben zurückblicken kann… und natürlich, dass sie nicht so verdammt schnell kommen. Aber wer meinen Vater kennt, der weiss, dass er nicht glücklich und zufrieden war, sondern verbittert, oftmals verzweifelt und zum Schluss immer kränker.

Mein Vater war ebenso ein begnadeter Fotograf wie er ein begnadeter bildender Künstler war. Und ich sage das nicht aus Sohn-Vater-Bewunderung heraus (die war nie so wahnsinnig ausgeprägt), sondern weil’s einfach verdammt noch mal so war. Seine Fotos und Zeichnungen hätten auf Ausstellungen gezeigt werden müssen, sie hätten in Kunstsammlungen hängen müssen. Er hätte unendlich mehr Anerkennung für seine Kunst verdient gehabt, als er bekommen hat. Und das wusste er, und er verzweifelte daran.

Denn gefeierte Künstler, das waren immer nur die anderen geworden. Ex-Weggefährten, Ex-Mitarbeiter und Ex-Freunde. Die, als die Zeit dazu reif war, geschickt einen auf „Multimedia“ machten, oder eifrig in der lokalen Kunst-Schickeria networkten (auch wenn man das damals noch nicht so nannte). Mein Vater war nie einer fürs Networken und sich irgendwo anbiedern, er sagte immer seine Meinung, war sich bis zum Schluss selbst treu, und war in vielerlei Hinsicht viel zu kompromisslos um all zu weit zu kommen.

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir zusammen gibt. Tausend Dank an Katja für diese Erinnerung.

Ebenso erging es ihm im Beruf. Er hatte Kunsthistorik studiert und war selbständiger Restaurator; zu seinen guten Zeiten gehörten zu seinen Aufträgen der Apothekerturm vom Heidelberger Schloss, alles Mögliche am und im Schlossgarten in Schwetzingen, und mehr Sakralbauten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz als ich zählen kann.

Aber irgendwann ging unserem lieben Staat das Geld für Kunst und Kultur aus, und mein Vater liess sich trotzdem nicht beirren: Wenn eine originalgetreue, handwerklich perfekte Wiederherstellung einer Fassade mit den Originalmaterialien 20.000,– € kostete, dann tat sie das nun mal… und die Denkmalämter gaben den Zuschlag dann eben immer häufiger nicht mehr meinem Vater, sondern irgend einem „Restaurations-Experten“ aus ganz-weit-weg, der nicht mal wusste, dass es „Restaurierung“ heisst oder wie man Kunsthistorik buchstabiert, die Arbeit aber für unschlagbare 8.500,– € ausführte. Die Fassade war dann zwar nach bereits einem halben Jahr wieder kaputt und sah nicht mal ansatzweise wie das Original aus, aber man war im Plan geblieben und stand beim Vorgesetzten erst mal gut da.

(Öffentliche Ausschreibungen funktionieren übrigens immer noch ganz genau so, und deshalb haben wir so krasse Katastrophen wie die Elbphilharmonie und den Flughafen Berlin-Brandenburg).

Mein Vater beging den Fehler (oder vielleicht machte er auch genau das Richtige), seine Meinung über solche Vorgänge öffentlich kund zu tun, und er sparte nicht mit Kritik, egal wer sie gerade nicht hören wollte. Und als Dank dafür bekam er in den letzten Jahren so gut wie keine Aufträge mehr, wurde von den Denkmalämtern im wahrsten Sinne des Wortes am ausgestreckten Arm verhungern gelassen und häufte (in Zusammenhang mit der Tatsache, dass er auf einen Anlagebetrüger hereingefallen war) einen gigantischen Schuldenberg an… während er einer der besten Restauratoren in Baden-Württemberg war.

In den letzten Monaten vor seiner schweren Krankheit rief er oft bei mir an und beklagte sich darüber, dass ihm das Leben so übel mitgespielt hatte. Mir tat das fürchterlich leid, aber ich konnte ihm nicht helfen. Und nach einer Weile konnte und wollte ich es auch nicht mehr hören… weil es immer das Gleiche war und ich nichts ändern konnte. Und so ging ich irgendwann einfach nicht mehr ans Telefon wenn ich sah dass er es war.

Jetzt würde ich alles dafür geben, nur noch einmal solch einen Anruf zu bekommen.

Den Anruf anzunehmen und noch mal hinzufahren und für ihn da zu sein.

Aber diese Chance werde ich nie wieder haben.

 

 

Was das alles mit Botany Bay zu tun hat? Mehr als man denkt.

Viele Leute, die meinen Vater und mich kannten, sagen, dass wir uns sehr ähnlich waren. Was wohl eine Tatsache ist, die mich zu gleichen Teilen stolz und ängstlich stimmt.

Denn ich sehe meinen Vater vor mir, wenn ich über Botany Bay reflektiere. Wenn ich enttäuscht und bitter bin, dass es mit Botany Bay nie so richtig geklappt hat. Dass wir so irrsinnig viel gegeben und so lächerlich wenig erreicht haben. Dass ehemalige Unterstützer keine Werbung mehr für uns machen und mir unverblümt sagen: „Ich muss mich halt primär um die Sachen kümmern, die gut laufen„. Dass all die Zoe Leelas und Professor Kliqs und Amanda Palmers dieser Welt in Reviews, Interviews und Artikeln und Blogposts gefeiert werden, während Botany Bay nach 15 Jahren, nach „Grounded“, nach „I’ll send a postcard when I’m there“, nach „Stupid Summer Dreams“ und nach „No Excuse“ immer noch niemand kennt.

Und jetzt reicht es.

Es ist genug. Ich will diese Familientradition nicht fortsetzen. Ich will nicht so enden, das wäre einfach fürchterlich, und deshalb kann es so nicht weiter gehen.

Was wird also passieren?

Wir werden das nächste Album nur für uns aufnehmen.

In unserem Tempo, auf unsere Art und Weise. Nicht für irgend ein Publikum, nicht um irgendjemandem irgendwas zu beweisen, nicht für irgendwelche Top-Ten-Listen, nicht für Likes und nicht für Facebook-Shares und Youtube-Klicks.

Für uns.

Bei früheren Produktionen (und bei „No Excuse“ auf ganz extreme Art und Weise) haben wir den Fehler gemacht, die Musik auf radiotauglich zu trimmen, die Leute nicht zu sehr zu verwirren, keine Experimente und Risiken einzugehen und alles nach dem Motto Botany-Bay-aber-trotzdem-so-kommerziell-wie-möglich zu machen. Teilweise mit einem irrsinnigen Aufwand.

Diesen Ansatz werde ich nicht weiter verfolgen, nie wieder.

Es klingt vielleicht sehr nach Gemeinplatz, aber mir ist letztes Jahr sehr deutlich bewusst geworden, dass das Leben sehr kurz ist, und dass es sehr schnell vorbei sein kann. Wenn das meine vorbei ist, dann möchte ich auf keinen Fall das Gefühl mit ins Grab nehmen, dass meine Musik so viel mehr verdient gehabt hätte und dass die Welt beschissen und ungerecht zu mir war.

Viel mehr möchte ich die Gewissheit haben, dass ich ganz einfach das beste und schönste gemacht habe, was ich tun konnte; dass ich meine Freude daran hatte, und dass ich die Leute, denen es gefällt, damit glücklich gemacht habe.

Und das wird funktionieren, ich weiss es.

Ich weiss es, weil es für „Some Moments“ (das Lied, das wir für meinen Vater aufgenommen haben) bereits funktioniert hat: Der Song ist ungehobelt, roh und zerbrechlich, er hat in der Mitte einen dissonanten Bruch, er hat auf Jamendo nur drei Rezensionen, er hat so gut wie keine Downloads, und das alles ist mir vollkommen scheißegal. Es ist einer der besten Songs, die wir je aufgenommen haben, und einer, mit dem ich sehr, sehr glücklich bin. Und ganz nebenbei lieben ihn diejenigen wenigen, die sich auf ihn einlassen.

Es wird Zeit brauchen, auf diesem Pfad weiter zu gehen. Wir werden uns neu sortieren müssen, und wir werden lernen müssen, uns auf diesem Pfad zu orientieren. Aber wir werden es schaffen.

Im Moment ist bei keinem von uns die Energie dafür da… ich bin nicht der einzige in der Band, der sein Bündel zu tragen hat – irgendwie war das zweite Halbjahr 2012 einfach für uns alle aus ganz verschiedenen Gründen ganz enorme Oberscheiße.

Darum hier ab jetzt keine Deadlines und keine ungefähren Zeitangaben mehr… es ist fertig, wenn es fertig ist, und es wird schön sein, es wird genau so sein, wie es sein muss; es wird so gut sein dass es egal sein wird ob es jemand hört oder nicht. Für Leuten-Gefallen-Wollen-Spielchen ist das Leben viel zu kurz.

Vielleicht werde ich sogar vergessen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wenn es soweit ist. Das wäre sozusagen mein Maximalziel (⇐ oberbescheuertes Wort).

Apropos No Excuse…: Machen wir uns nichts vor, das Experiment, bewusst keine CC-Lizenz zu verwenden, das Ding kostenpflichtig zu machen und einen richtigen Promoter zu beauftragen, ist nicht geglückt. Im Gegenteil, es hat bedauernswerte Kreaturen aus dem Keller hochgelockt, die besser dort geblieben wären.

Aus diesem Grund, und weil es u.U. eine ganze Weile dauern wird, bis sich hier irgend etwas neues ergibt, stellen wir mit sofortiger Wirkung „No Excuse“ unter BY-NC-ND-Lizenz (Ausnahmen: Die Remixes; diese haben ihre eigenen Lizenzen). Es darf ab sofort zu den Bedingungen dieser Lizenz frei kopiert und verteilt werden, und ihr dürft es auch gern in euerem Podcast spielen.

 

Viel Spaß damit. Wir sehen und hören uns in der Zukunft.

18 Antworten auf „Wie es ist“

  1. Dass Dein Dad gestorben ist, tut mir sehr leid! Dass es Euch allen scheinbar grad nicht so gut geht, auch.
    Dass BB nicht bekannter ist, finde ich auch sehr schade. Ich mag Euch! Ich höre Euch sehr gern! Wenn ich es mitkriege, werde ich auch neue Sachen wieder gerne hören!

    Ich wünsche Euch allen alles Gute! Kommt unversehrt durch diese harte Zeit.

  2. … so kann dann der Erfolg (von ganz allein) kommen, auch der kommerzielle. Auch wenn sich das alles arg niedergeschlagen und hoffnungslos liest: viel Glück und — trotz allem — viel Erfolg auf diesem neuen Weg; wir Fans freuen uns über jeden neuen Song, egal wie lang es dauert. Und wenn dann mal einer nicht so gut gefällt, weiß man wieder, welche anderen Songs einem um so besser gefallen. Ich gebe ja (gern) zu, einer dieser vermaledeiten Mainstream-Hörer zu sein, trotzdem hat mir „Some Moments“ ausgesprochen gut gefallen … ungehobelt? Nicht radiotauglich? Komisch, diese Attribute wären mir nicht in den Sinn gekommenen, aber vielleicht verstehe ich von Musik einfach nicht genug. Wie gesagt: Mainstream-Hörer … ;-)

    >>> Es ist einer der besten Songs, die wir je aufgenommen haben <<<

    Stimmt! Sagte ich das nicht auch schon anderswo?

    Was Jamendo angeht: die Site ist für mich inzwischen vollkommen unten durch. Ich habe es immer wieder probiert, trotzdem fand ich dort nie was anderes als mies produzierte Rap-, Metal- oder endlos lange Instrumentalmusik — egal wie häufig sie die Site neu gestalten: in der Übersicht der Neuerscheinungen fehlen seit je her geeignete Filter, um die unerwünschten Genres auszusortieren. Mir ist schleierhaft, dass Du denkst, dass die Botany-Bay-Zielgruppe dort nach (Eurer) Musik suchen, geschweige denn diese finden würde … oder sogar Downloads oder Rezensionen produzieren wollte. Allerdings: ich weiß auch nicht, welches CC-Portal sonst geeignet wäre. Gibt es überhaupt noch eines? Vielleicht sollten wir (musikliebhabende Software-Entwickler) ein eigenes CC-Musik-Portal auf die Beine stellen? Für das neue Botany Bay! :-)

    (Im Radio läuft gerade "I Follow Rivers" von Lykke Li … könnte ich stundennlang hören, den Song … wie gesagt: Mainstream-Hörer … ;-))

  3. Klingt doch nach dem richtigen Plan. Wünsche Euch auch viel Erfolg auf diesem Weg, vor allem aber weiter viel Freude an der Musik, die Ihr mit uns teilt…

  4. Puuh …
    Als ich Deinen Beitrag las, befürchtete ich schon, Ihr schmeisst komplett hin!
    Nehmt Euch – nimm Dir – alle Zeit, die es benötigt. Man kann im Leben nichts erzwingen, schon gar nicht berühmt – beliebt – bekannt – … – zu sein.
    Es kommt, wie es kommt. Und je weniger verbissen man es sieht, desto eher gelingt es …
    Und wenn Du mal wieder in die „Pfälzer Kante“ kommst, melde Dich vorher. Vielleicht finden wir Zeit für ein Bierchen?

  5. Es ist die richtige Entscheidung seine Ziele für sich zu setzen und nicht für ein Publikum, mache ich mit meinen Bildern auch nicht anders. Es werden sich immer Personen finden die das Werk schätzen und welche die es verachten, jedoch ist es egal da man es in erster Linie für sich gemacht hat. Ich merke es auch bei mir, wenn ich tatsächlich etwas fürs Publikum mache, es einen auch nicht das fühlen lässt was man sich erhofft, weil der Erfolg evtl. ausbleibt. Macht die Musik so wie ihr es für richtig erachtet.

    Botany Bay ist für mich wie ein Single Malt. Während Kliq und Zoe wie ein Jack Daniles Jedermanns tauglich sind, sind sie aber an sich nichts besonderes. Botany Bay ist etwas was ich genieße und lieben gelernt habe. Die Musik ist nichts was ich einfach nebenbei laufen lassen kann, ich möchte dann nur diese Musik hören und nichts anderes machen.

    Macht die Musik die ihr wollt, nehmt eucht Zeit um es so zu verwircklichen wie ihr es euch ersähnt…

  6. Ich wünsche euch viel Glück auf eurem neuen Weg, von dem ich wirklich denke, dass es der einzig richtige ist.

    Natürlich bist Du im Recht wenn Du anmerkst dass ihr mehr verdient gehabt hättet.

    Ich bin auf euch vor Jahren durch einen Artikel auf http://www.fixmbr.de aufmerksam geworden und habe mich später nur wegen euch bei Jamendo angemeldet – dort aber nie wieder etwas gefunden, was auch nur entfernt an eure Musikalität und euren Tiefgang rangekommen wäre.
    Dass ihr dort übersehen werdet ist sehr ungerecht. Ebenso ist es in Anbetracht eures Werkes eine unglaubliche Frechheit zu sagen man müsse sich eher um die Acts kümmern die „gut laufen“ und ich kann mir gut vorstellen, dass der Versager von Reflections of darkness das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ganz ehrlich, dass ihr in der langen Zeit und mit der klasse Musik nicht mehr erreicht habt ist für mich absolut unverständlich.

    Wie also gesagt, Du hast recht, wenn Du dir unfair behandelt vorkommst, nur kann man sich davon nichts kaufen, und es macht den angerichteten Schaden auch nicht wieder gut.

    Deshalb, und gerade nach Deiner Familiengeschichte, kann man nur sagen, macht nur so weiter wie ihr es für richtig haltet. Ohne Rücksicht auf irgendwen. Wenn das große Publikum nicht begreifen möchte was ihr tut, dann scheisst auf das große Publikum, und auf die Banausen auf Jamendo und auf vermeintliche ehemaligen „Unterstützer“. Vor allem vergleicht euch bitte nicht mit Zoe Leela oder Professor Kliq, ihr spielt in einer ganz anderen Liga.

    Solange ihr Lust und Energie habt, geht euren Weg weiter. Glaubt mir, es wird Hörer geben, die sich sehr darüber freuen. Some Moments ist ein grandioses Lied, wenn es so weiter geht dann bin ich sehr gespannt.

    Gruss,
    M

  7. @Ruthie: Danke Dir vielmals! Es freut mich sehr, dass Du uns gerne hörst; und es wird irgendwann auch wieder etwas von uns zu hören geben.
    Liebe Grüße,
    Stephan

  8. @coke: Vielen vielen Dank! :)

    re Some Moments / Ungehobelt: Ja, irgendwie schon. Wir haben uns beispielsweise nicht die Mühe gemacht, das Knarzen des Blasebalgs vom Harmonium rauszuschneiden, und auch das Rauschen haben wir nicht gefiltert; Alle Instrumente und auch der Gesang sind Take 1, während wir normalerweise mindestens 10 wenn nicht wesentlich mehr Takes machen, bis wir zufrieden sind. Am Anfang hörst Du wie Steffi das Papier, auf das der Text geschrieben war, in der Hand wendet… hätten wir normalerweise geschnitten; hier aber nicht. Und so weiter und so fort ;-) Der Bruch in der Mitte… hätten wir zu „No Excuse“-Zeiten niemals gemacht, weil: Kapiert niemand. Aber er gehört da hin, denn es gibt auch im Leben Brüche die einfach so passieren ohne dass man es glatt bügeln oder irgendetwas daran ändern kann. Puh, philosophisch.

    re Mainstream: Ich würde Dich nun wirklich nicht als Mainstream-Hörer bezeichnen. Du hast den Mut, Dich auf etwas Neues einzulassen; der fehlt den meisten Menschen. Du hast uns damals auf garageband (!!) entdeckt, welcher Mainstream-Hörer macht so was? Die meisten sind doch froh, wenn sie vom Radio oder (maximal) vom Spex/Spiegel-Online-Praktikanten gesagt kriegen, was sie hören sollen. Die Welt bräuchte viel mehr Menschen, die es wagen, wie Du auf neuen Pfaden nach neuer Musik zu suchen. Was angesichts des niedrigen Signal/Rauschpegels auf diesen neuen Pfaden (jamendo, restorm, etc.) leider sehr schwierig ist…

    re Jamendo: Ja, ich weiss, es ist ziemlich schlimm was dort geboten und dann auch noch ohne mit der Wimper zu zucken ge“featured“ wird. Um so frustrierender ist es für mich als Musiker, da irgendwas hochzustellen um dann zu sehen, wie der letzte Schrott mühelos an uns vorbei in die Top 10 zieht. Deshalb wird das nächste Ding auch nicht mehr bei Jamendo veröffentlicht. Ja, ich weiss, wir haben eh gesagt, wir machen das nächste Album nur für uns und bräuchten uns deshalb gar nicht darum kümmern… aber trotzdem, wenn man da mal was hochgeladen hat, dann ist die Versuchung doch sehr gross, zu schauen, wie es angenommen wird; und das Trauerspiel geb‘ ich mir nicht mehr.
    Aber was ist die Alternative? Gibt es irgendwo eine Plattform, die es besser macht? Das ist die große Frage… wenn ja, wären wir sofort dort.

    Liebe Grüße und nochmal vielen Dank!
    Stephan

  9. @Bettina: Danke auch Dir vielmals… noch haben wir die verlorene Energie nicht wieder gefunden, aber ich weiss dass wir sie irgendwann finden werden, und dass wir dann Freude daran haben werden.

    Liebe Grüße
    Stephan

  10. @Jürgen: Vielen Dank auch an Dich. :)

    Klar kann man Erfolg nicht erzwingen. Ich hab auch viel Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken, wie wir eigentlich da hin gekommen sind dass uns der ganze Quatsch so sehr beeinflusst.

    Als ich 2003/2004 mit „Grounded“ anfing, war ich im wahrsten Sinne des Wortes allein damit – selbst die engsten Freunde zeigten kaum mal Interesse, einzig und allein meine Mitbewohnerin bat mich gelegentlich darum, den „Lärm“ leiser zu stellen. Und ich tat es trotzdem, einfach so, ohne an irgendwelchen Erfolg zu denken. Irgendwann kam Laura dazu, und dann waren wir halt zusammen allein. Hatte auch was. Anyway, ich hatte nie damit gerechnet dass es überhaupt jemanden interessieren könnte und es war auch wirklich egal.

    Aber oh Wunder, als es dann schließlich rauskam gab es schon sehr bald einige Leute, die sich zumindest am Anfang mords für uns ins Zeug legten, uns dazu brachten es auf Jamendo zu versuchen, bei iTunes zu vertreiben etc. pp; und die Anfangs“erfolge“ bei Jamendo und in den Free Music Charts waren durchaus gut fürs Ego; insbesondere wenn man vorher überzeugt gewesen war dass es eh nur 10 Menschen plus die keifende Mitbewohnerin hören werden, kommt so was äußerst gut. Und plötzlich 300 Leute im Blue Shell stehen zu haben die die Songs mitsingen können, das war durchaus auch ein Erlebnis. Und irgendwie haben wir uns gesagt: Das muss jetzt immer weiter so gehen, immer aufwärts.

    In Wirklichkeit tat es das natürlich nicht, und es ist tatsächlich auch vollkommen wurscht ob es das tut oder nicht. Das ändert aber nix daran, dass es weh tut, auf facebook/jamendo/keineAhnungWieSieAlleHeissen zu sehen dass [[hier bitte generische Gothic/Metal/Punkband einsetzen]] mal wieder 50 Likes kriegt während Postings von Botany Bay weder gelesen noch geteilt werden. Aber wie schon oben in aller Ausführlichkeit geschrieben gibt’s da ne relativ einfache Lösung für: Einfach aus diesem erlauchten Kreis austreten und sich nicht mehr darum kümmern. Am Anfang war’s uns schließlich auch egal.

    Dass ich wieder mal in die Pfalz komme ist sehr wahrscheinlich, und ich würde mich sehr freuen einen unserer langjährigsten Fans dann endlich mal persönlich kennen zu lernen. Ich werd mich garantiert melden, wenn ich das nächste Mal losfahre. Die letzten Fahrten in die Pfalz waren leider mit Komplikationen und Trauer und Chaos verbunden, aber irgendwann muss es ja wohl mal besser werden…

    Liebe Grüße
    Stephan

  11. @Elektroll: Auch Dir vielen Dank für Deinen Kommentar.

    Von einem rein rationalen Standpunkt aus ist es mir ja schon seit langer Zeit klar, dass ich auf den Erfolg nicht achten und/oder ihn nicht bewerten darf. Bei meinen Bildern mach ich das übrigens ganz genau so… es käme mir im Traum nicht der Einfall, dass ich mehr Publikum für sie haben will.
    Wie schon in der Antwort auf Jürgen geschrieben, dieses „schauen wie man abschneidet“ hat sich allmählich so eingeschlichen und wurde viel zu lange gehegt und gepflegt… es ist vermutlich einfach in mir drin.

    Ich hab auch überhaupt nix gegen Zoe Leela, die macht schöne wenn auch imho nicht allzu spannende Musik und kann sich halt zwanzigtausendmal besser verkaufen und als tapfere Vorkämpferin gegen die böse GEMA darstellen als wir das können.
    Tja, und dann gibt’s im Kölner Kulturmagazin halt einen großen Artikel über Zoe Leela aus Berlin, und nicht über Botany Bay aus Köln. Das ist gut für sie und beschissen für uns… und es sollte uns in jedem Fall echt egal sein, weil wir es eh nicht ändern können.

    Wir werden uns die Zeit auf jeden Fall nehmen, und wir freuen uns sehr, in Menschen wie Dir Hörer gefunden zu haben, die uns darin unterstützen.

    Liebe Grüße,
    Stephan

  12. @Martin: Auch Dir vielen Dank :)

    Deine Antwort verdeutlicht ganz gut das Dilemma in dem ich stecke. Es ist wesentlich einfacher, facebook/Jamendo/etc aufzumachen, sich das Drama anzuschauen und zu sagen „Seht ihr? Hat doch eh alles keinen Sinn. Why give a fuck?“… dass wir da vollkommen im Recht sind, das lähmt eher als dass es aufbaut.

    Und genau das, von dem Du sagst dass wir uns nichts davon kaufen können, ist sogar noch viel schlimmer: Nicht nur dass es nichts wert ist, es vergiftet und lähmt mit der Zeit jegliche Kreativität. Zusammen mit all dem anderen Scheiss der letztes Jahr passiert ist.

    Ich finde es mittlerweile ziemlich befreiend, auf Facebook ab und zu auf zigfach „gelikte“ Werbung für [[hier bitte generische Gothic/Metal/Punkband einsetzen]] aufmerksam zu werden und mir dann ganz deutlich zu sagen: „Du hast damit nix mehr zu tun“. Und weg damit.

    Jetzt muss nur noch die Kreativität und Energie zurückkommen. Ich warte darauf. Aber es ist nicht einfach, all das was ich oben im Artikel beschrieben habe (und noch mehr, wovon ich nix schreiben kann) hat uns gehörig zugesetzt. Es wird seine Zeit brauchen…

    Liebe Grüße
    Stephan

  13. Pingback: Wohin | Botany Bay
  14. Dass Eure Musik nicht den großen (kommerziellen) Erfolg bringt, heißt nicht, dass sie unwichtig ist. Es gibt unglaublich viele gute Bands, die man nur durch Zufall entdeckt, deren Mitglieder von anderen Jobs, und die vielleicht genau deswegen die Freiheit haben, die Ihr nun in Anspruch nehmen wollt. Die Musik dieser Bands ist für alle wichtig, die sie lieben. Und deswegen ist Eure Musik auch wichtig für die Leute, die sie lieben. Ich wünsche Euch alles Gute.

    Was die Jamendo-Diskussion weiter oben angeht: Ich bin mir nicht sicher, ob auf Jamendo wirklich Musiker und Hörer zusammen finden. Es ist aber eine gute Idee, sein Zeug auf jeden Fall dort hochzuladen, man kann die Infrastruktur nutzen, um Downloads anzubieten und bekommt einen einfach einzubettenden Player. Natürlich ziehen dort seltsame Sachen in die Top10 – das ist nur logisch, wenn man als erste Ansicht die beliebtesten Alben zu sehen bekommt. Die Beliebtheit verstärkt sich damit selbst, denn die Leute hören die weniger beliebten Sachen weniger oft und „lieben“ sie dann auch weniger häufig.

  15. Mir gefällt deine Einstellung. Ich finde mich in deinem Vater wieder, sich nicht verbiegen zu lassen sondern unbeirrt seinen Weg zu finden und gehen… und mit Sicherheit war sein Leben und Sterben schon deshalb ein großes Geschenk weil dir daraus diese eine wichtige Erkenntnis gewachsen ist. Ich denke ihr hab einen neuen Fan gewonnen. Ich freu mich auf die Musik die noch kommt :-)

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