Ich

(Achtung, es wird egozentrisch und ausufernd. Muss jetzt aber mal sein. Wer damit nicht klar kommt oder es nicht lesen will: Mir egal.)

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Ich bin wieder da.

Ich schreibe ganz bewusst „Ich“, denn ich war es, der vor beinahe 10 Jahren den ersten Eintrag dieses Blogs verfasst hat. Und ich war es, der vor beinahe 20 Jahren dieses Projekt aus der Taufe hob.

Mit der Zeit gewann ich Mitstreiter und Weggefährten, mehrere Male wurde das „Ich“ zu einem „Wir“, und es entstanden dabei Freundschaften. Und mehrere Male zerbrachen diese Freundschaften wieder; wegen unterschiedlicher Vorstellungen, oder weil man sich auseinandergelebt hatte… so wie das nun mal oft im Leben ist.

Manchmal aber ist die Grenze vom „Ich“ zum „Wir“ nicht so einfach zu ziehen, und mehrfach in meinem Leben (nicht nur in der Musik, sondern in allen möglichen Belangen) habe ich den Fehler gemacht, diese Grenze zu leichtfertig und zu großzügig auszulegen. Weil ich unbedingt das „Wir“ wollte. Weil ich unbedingt Gemeinschaft und Freundschaft wollte, und in diesem Rausch vollkommen übersah, dass die andere Partei diese Gemeinschaft und Freundschaft lange nicht als so gemeinschaftlich und freundschaftlich empfand wie ich.

Ich kann mir durchaus vorstellen, woher das kommt.  Wenn man unbedingt tiefenpsychologisches Blabla anwenden möchte, dann kommt man irgendwann mit Sicherheit bei meiner verkorksten Kindheit an, in der ich lange Zeit ohne Freundschaften und Gemeinschaft auskommen musste, und mir umso sehnsüchtiger welche wünschte. Und diese Sehnsucht, ein Teil der drei ??? oder fünf Freunde oder TKKG oder was auch immer zu sein, die hörte eigentlich nie so richtig auf.

Auch bei Botany Bay nicht.

Und so kam es leider insbesondere in der letzten Botany-Bay-Inkarnation dazu, dass ich sehr oft „Wir“ schrieb, als ich in Wirklichkeit „Ich“ hätte schreiben sollen. Und, noch viel schlimmer, dass ich oft tage- und wochenlang darauf wartete, dass „wir“ etwas tun, wenn eigentlich „ich“ etwas hätte tun müssen, weil es ein „wir“ schon lange nicht mehr gab.

Klar, das klingt jetzt sehr nach Vorwurf und eingeschnappt (und vielleicht ist es das sogar ein ganz kleines bisschen; daher hier an diejenigen die sich angesprochen fühlen: Ja, wenigstens ein ganz klitzekleines „tut mir leid“ hätte ich echt sehr nett gefunden), aber hauptsächlich ist es mir sehr wichtig, festzustellen, dass ich zum großen Teil einfach selbst schuld bin und dass ich mich bemühen muss (und werde), den gleichen Fehler nicht noch mal zu machen.

Mit dem Abbruch der Arbeiten am letzten Album ist auch die zugehörige Besetzung Geschichte, und ich fange mit neuen Leuten, genauer gesagt, einer neuen Sängerin, ganz von vorne an. Und dieser neue modus operandi bringt ein paar Änderungen mit sich:

  • Die Band ist zunächst mal wieder ein reines Studioprojekt ist, wie ganz am Anfang, vor beinahe 20 Jahren: Es gibt mit der wunderbaren Nadine Wahl eine Sängerin, die (logischerweise) singt… und es gibt mich, der alles andere macht. Und wenn es sich ergibt, wird es auch Gäste geben. Ich werde aber niemandem mehr leichtfertig das „wir“ anbieten, solange ich mir der Sache nicht hunderttausendprozentig sicher bin.
  • Ich werde wieder mehr bloggen, weil ich mich mit niemandem mehr absprechen muss, ob „wir“ das so überhaupt sagen können oder dürfen, und ob das „unsere“ Meinung ist oder nicht.
  • Ich werde meine Songs wieder vermehrt über weltanschauliche und politische Themen schreiben, die mir wichtig sind. In der Vergangenheit ist das in den Hintergrund getreten, weil „wir“ da teilweise große Unterschiede hatten, und weil es mir so wichtig war, dass „wir“ alle Berücksichtigung finden.
  • Die Facebook-Fanpage wird dicht gemacht. Facebook nimmt Künstler wie mich in Geiselhaft, indem einem der anfängliche Aufbau einer Fanbase leicht gemacht wird, danach die Sichtbarkeit aber nur gewährleistet ist, wenn man dafür teuer bezahlt („schöne Fanbase hast Du da, wäre doch schade, wenn kein Schwein Deine Einträge liest, weil wir sie nicht anzeigen, oder?“).
    Ich sehe es überhaupt nicht ein, Mark Zuckerberg und seine Aktionäre dafür zu bezahlen, damit meine Fans mitbekommen, dass ich meine teuer produzierte Musik mal wieder verschenke. Für „uns“ war so ein Schritt viel zu krass, aber mir persönlich kann Facebook den Buckel runterrutschen.
    (Natürlich wird es jede Menge Infos weiterhin hier an dieser Stelle geben, und auch auf Diaspora.)
  • Es wird wieder mehr Musik zu hören geben. Ach als Demo-Versionen und im Entstehen begriffenes…
  • und in dieser Musik wieder mehr Klavier & Keyboards & seltsame antike Synthies. Ich spiele zwar auch Gitarre, aber wesentlich lausiger als Tasteninstrumente…
  • Ich werde das mit den Gruppenfotos wieder zurückfahren. Es geht um die Musik, nicht um Personen. Deshalb wird es auch solche Postings wie das hier in Zukunft nicht mehr so oft geben. Es war mir nur wichtig, mir das mal von der Seele zu schreiben. Das ist hiermit geschehen.

Und jetzt: endgültig Schwamm über die alten Geschichten, und den Blick in die Zukunft gerichtet.

Mehr über die Musik folgt demnächst.

Und die neue Musik selbst natürlich auch.

Ich weiss, hier am Blog ist auch einiges zu richten, es funktioniert einiges nicht mehr und man kommt nicht mehr an die Lieder ran (es war ein Fehler, auf restorm.com zu setzen… naja, hinterher ist man immer schlauer)… ich kümmere mich darum.

Bis demnächst!

2 Antworten auf „Ich“

  1. ohhh … das ist ja sehr erfreulich … nach den letzten Postings hier hätte ich nicht gedacht, dass es mit Botany Bay so schnell wieder weitergehen würde … :-)

    Facebook? Klar, kein Problem: zumachen! Aber weniger Fotos zu zeigen fänd ich schade. Nicht nur, weil ich zugegebenermaßen immer auch ein wenig neugierig auf die Personen hinter der Musik bin, sondern auch, weil Deine Fotos eigentlich immer etwas besonderes waren/sind — auch hier in diesem Blog!

    Anyway … freue mich auf hoffentlich baldigst neue Musik von BB!

  2. Bands sind wohl immer irgendwie Beziehungsgefüge. Und wie in so mancher Beziehung findet manche Band die Form nicht, was Zusammen- und Auseinandersetzungen angeht. Für mich war immer ein Knackpunkt: Wenn einer alles macht und die anderen trotten halt so mit. Wobei schon das Gefühl reicht, alles zu machen. Dann geht’s bald auseinander. Vielleicht ist man auch anfällig, mehr/zuviel zu geben, wenn man als das unerkannte fünfte Mitglied von TKKG lange Zeit leer ausgegangen ist?

    Doof ist halt nur, dass man immer alle Ideen selber haben muss, wenn man keine Band hat. Weswegen ich mir für mein Solo-Projekt für die diesjährige Platte Gastmusiker eingeladen habe. Das hat das im entstehen befindliche Ding enorm bereichert.

    Ich wünsche Dir und Nadine jedenfalls gutes Gelingen und bin gespannt auf das, was da noch so kommt.

    Achja, probiert doch mal myownmusic.de aus – geht für die Hörer ohne Account und wenn man den Hörerzahlen glauben darf, erreicht man damit durchaus einige Leute. (Klar, Hochladen an sich geht bei SoundCloud auch, nur findet einen dort niemand wieder.)

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