Neue Musik: Ein Vorschlag!

Hallo ihr Startup-Gründer, und diejenigen, die es werden wollen!

Letzte Woche, beim Schreiben meines Artikels über die Entstehung von „The Crow Song“, ist mir eine Geschäftsidee gekommen. Und zwar ist diese Idee nicht mal wirklich neu, sondern es gab sie schon einmal, und das Ergebnis war so erfolgreich, dass es  (so zumindest meine Vermutung) mit Absicht aufgekauft und zugrunde gerichtet wurde.

Aber ich beginne von vorne: Das Problem mit neuer Musik von neuen (oder auch alten) Künstlern ohne Promo-Company, bzw. von CC-lizenzierter Musik ist ja immer noch: Man findet sie nicht.

Es gibt zwar Plattformen im Netz, wo man seine Musik zum Download zur Verfügung stellen kann (Bandcamp, Grooveshark, Soundcloud, und wie sie alle heissen…)… und es gibt Seiten wie Jamendo und Restorm, die sich das Entdecken von CC-lizenzierter Musik auf die Fahnen geschrieben haben.

Das Problem ist nur: Bandcamp & Co. stellen größtenteils einfach nur die Infrastruktur zum Hochladen, Vertreiben und Downloaden zur Verfügung. Ja, sie haben auch ein bisschen Community weil man das im Web 2.0 so haben muss, aber wirklich Neues entdeckt man dort nicht, es sei denn, man weiss ganz genau, was man sucht… und dann ist es auch nicht mehr neu.

Jamendo hingegen war zwar vor langer Zeit einmal eine sehr vielversprechende Angelegenheit, wurde aber nie weiter- sondern ausschließlich zurückentwickelt, und ist insbesondere in seiner letzten Inkarnation nur noch ein Witz. Ich meine, es ist zwar sicher ganz gut zu wissen, wo ich die neuesten House-Tracks von Professor Cliq runterladen kann (oder, wenn ich zufällig ein Foltergefängnis leite, wo ich 47.372 schlechte Kopien davon herbekomme), aber dazu braucht es nicht unbedingt eine eigene Plattform.

Und Restorm hat nie richtig funktioniert und ist jetzt pleite.

Woran sich in diesem schnelllebigen Neuland hier vermutlich kaum jemand erinnern kann: Es gab schon mal eine Plattform, auf der das Entdecken von neuer Musik und der Austausch von Künstlern untereinander und Künstlern mit ihrem Publikum enorm gut funktionierte.

Und die nannte sich garageband.com (der Link geht inzwischen zu Apple, also spart euch einen Besuch dort).

Zu seinen Glanzzeiten warb garageband.com mit Sir George Martin und anderen Producer-Grössen… und zwar, weil die Idee einfach wirklich verdammt gut und revolutionär war, und überdies auch noch funktionierte.

Sir George Martin versprach nicht zu viel. Das war vermutlich auch der Grund, warum garageband gehen musste.
Sir George Martin versprach nicht zu viel. Das war vermutlich auch der Grund, warum garageband.com gehen musste.

Die Idee war die folgende: Bands und Solokünstler können ihre Musik auf garageband.com hochladen und von anderen Personen besprechen lassen. Jeweils 20 Besprechungen erkaufen einem das Recht, selbst einen Song hochzuladen und besprechen zu lassen (alternativ dazu konnte man auch einfach was zahlen).

Zum Besprechen konnte man zunächst die Genres angeben, in denen man gerne Rezensent sein wollte. Man bekam dann per Zufallsprinzip verschiedene Songs vorgespielt (anonymisiert, so dass man erstmal nicht wusste, worum es sich handelt… und die man erst nach drei Vierteln ihrer Laufzeit überspringen konnte… so wurde sicher gestellt, dass man sich mit den Songs wirklich beschäftigt) und musste dann Sterne in verschiedenen Kategorien vergeben, sowie eine Freitext-Rezension mit mindestens x Wörtern schreiben.

Und damit die Besprechungen ein hohes Niveau hielten und sich auch wirklich mit den Songs beschäftigten, wurden ihre Qualität wiederum auch per Zufall von den Usern bewertet.

Das Ganze war ein verdammt ausgeklügeltes System, das verdammt gut funktionierte. Es funktionierte so gut, dass es im Jahre 2007 von myspace/iLike (kennt die noch jemand?) gekauft und direkt danach sterben gelassen wurde.

Was lief also falsch bei GarageBand?

Gar nichts.

Man ließ sich nur von den falschen Leuten kaufen, aus welchem Grund auch immer.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Ich erlebte nie wieder so viel Austausch mit Musikern und Nichtmusikern im Internet, wie damals zu den Zeiten von garageband.com. Und ich lernte nie wieder im Internet so viel interessante und neue Musik kennen. Und insbesondere Jamendo erscheint im direkten Vergleich mit garageband.com nur noch lächerlicher als es eh schon ist.

Es gab dort einfach alles. Eine lebendige Szene, eine lebendige Diskussionskultur, und grenzenloses Entdecken.

Tja, und das ist mein Vorschlag: Ein GarageBand-Klon, ebenso auf Nichtmusiker und Community zugeschnitten, wie auf Musiker und deren Austausch untereinander.

Klar, es wird von den Clowns bei Vox kein Geld für diese Idee geben, und es werden erstmal sehr viele Stimmen laut werden, welche die Sinnhaftigkeit der Unternehmung in Frage stellen werden („es gibt doch schon so viel Musik, wer soll das hören?“, „aber Spotify ist doch viel cooler und dort ist auch Justin Bieber“, und so weiter und so fort…)

Aber wenn es klappt, dann wird in ein paar Jahren Facebook (oder welche Plattform bis dahin auch immer in den Diensten der Musikindustrie steht) anklopfen und den Laden unbedingt kaufen wollen.

Und wäre es nicht total genial, dann einfach „Nö“ zu sagen?

Also, wer hat Interesse? Ich würde investieren. Und wir würden vermutlich auch noch andere finden, die das tun würden…

8 Antworten auf „Neue Musik: Ein Vorschlag!“

  1. Damit zielst du aber nur auf eine speziele Zielgruppe ab. Wahrscheinlich würden sich paar auf der Site verirren, die ihr senf abgeben möchten, aber die aktiven User wären dann schon was besonderes. Damit baut man was ganz spezieles auf, wenn man dem Konzept so folgt. Der Vorteil wäre dass es sich nur um Musik handeln würde mit direkter nähe zu Leuten die sich mit Musik beschäftigen und nicht nur die Melodien wahrnehmen. Die Frage ist auch die Finanzierung des ganzen. Ich muss ehrlich sagen, ich bin skeptisch.

  2. Naja, genau wissen tu ich’s natürlich nicht, aber ich kann nur sagen dass es bei garageband.com damals ganz exzellent funktioniert hat… da gab es zeitweise wirklich verwirrend viele aktive User, und nicht nur Musiker sondern auch Leute die dort hin sind um neue Musik zu entdecken. Heute sind natürlich die Voraussetzungen ganz andere, aber der Bedarf nach einer Plattform zum Austausch und zum Entdecken ist imho immer noch da… vielleicht sogar mehr als zuvor. Und Du kannst es Dir ja ausrechnen, myspace/ilike war sowas ähnliches wie heutzutage facebook ist (nur noch viel grottiger), das will schon was heißen, wenn die den Laden aufgekauft haben…

  3. Klingt auf jeden Fall gut. Ich beschäftige mich wegen TheRadio.CC schon sehr viel mit CC Musik und das Durchstöbern bei Jamendo / Bandcamp ist zwar möglich, aber mit viel Ohrenschmerzen verbunden.

    Durch das zufällige Hören wird das zwar nicht besser (man muss immer noch leiden) aber vielleicht entdeckt man ja manche Perlen und kann die anderen weiterempfehlen.

    Für mich als ITler wäre das technische dahinter jetzt erstmal nicht das Problem, mich würde aber interessieren: Kennst du eine kritische Masse an Künstlern und kannst die ansprechen, so dass überhaupt Leute die Platform benutzen würden?

    Da nützt die schönste Platform nichts, wenn keiner mitmacht…
    Ich würde auf jeden Fall auf der Seite des Rezensenten einige Zeit investieren, ich traue mir durchaus zu da ein bisschen Urteilsvermögen zu haben. ;) (Ist aber ja auch immer Geschmackssache.)

  4. Tja, ich weiss nicht, wie hoch die kritische Masse genau sein muss, aber ich denke, ich würde schon einige Musiker zusammenkriegen, die an einem Betatest gerne mitwirken würden ;-)
    Und man kann ja auch auf jamendo ein bisschen schauen (solange die Seite überhaupt noch existiert), dass man die Frustrierten dort irgendwie abholt. Ein paar Leute kenn eich dort auch noch…

  5. Ich bin ungern bei guten Ideen pesemistisch, aber die Funktion und der Erfolg eines solchen Projekts lässt sich auch leicht beobachten. Wenn dann muss man sich auf nur diese Speziele Zeilgruppe orientieren oder Frei für alle, was man dann aber als eine art Soziales Netzwerk sieht, mit kiddies (damit hat man halt die Große Masse) führt aber dazu dass die wichtigen Personen abspringen. Das verhältnis wäre dann viele User und wenige Content lieferer, dafür hat man die Bekanntheit. Das wäre dann ein Erfolg seitens der Bekanntheit und der Masse, aber die Qualität würde sich senken. Wenn man jedoch sich nur aauf den Spezielenfall für Musiker orientiert, werden die Contentlieferer da sein aber die wahrcheinlichkeit ist nahe, dass die User weg bleiben und nur die jenigen kommen, die auch genau diesen Spezielnutzen haben wollen. Qualität wäre in diesem Fall hoch. Problematisch wäre die Anzahl der Contents im vergleich der User die Suchen. Wenn sich alles so geringfügig hält, was bei Creative Commons der Regelfall ist, wird man einen sehr geringen Wachstum haben, was dazu führt dass sich die Musiker nicht für wichtig erachten und vom Projekt abspringen wollen. Den Weg eines solchen Projektes sollte absichern dass ein Wachstum gegeben ist und trotzdem die Qualität im vordergrund steht. Das garageband aufgekauft wurde, muss nicht den Erfolg unterstreichen. Zu meist geschieht sowas nur wegen dem Namen oder einer Funktion welche man haben möchte. Man sah ja auch den Erfolg von anderen Musikdiensten. LastFM ist total unübersichtlich gewesen und ich kannte keinen der das benutzt hat. Myspace ist auch erfolgreich gescheitert … mehr fach.

  6. Nun, es gibt Jamendo, es gibt MyOwnMusic, aber die haben alle ein „Chart-Problem“: Die zeigen die beliebteste Musik als erstes an. Das ist vielleicht aus Sicht eines Mainstream-Musikhörers die beste Strategie – führt aber dazu, dass unbekannte eben unten bleiben in der Liste. Auch solche, die neu dazukommen und eigentlich sogar mainstream wären.

    Ich hab mittlerweile den Glauben an solche Plattformen ziemlich verloren. Stattdessen überlege ich, wie ich mein experimentelles Solo-Projekt (das bisher nur in Form von Aufnahmen auftritt) live auf die Bühne bringen könnte. Da erreicht man die Leute, da sind sie auch quasi gezwungen, länger als die 15-Sekunden-Aufmerksamkeitsspanne einer Facebook-Statusmeldung dabei zu bleiben. (Wichtiger Punkt beim ehemaligen GarageBand.com! Aufmerksamkeit auch mal erzwingen!)

    Spannend ist auch, dass mir viele Leute sagen: Es wird überhaupt keine gute Musik mehr gemacht. Das ist natürlich quatsch – ich muss mich beim Plattenkaufen beherrschen, ich hab stapelweise Neuerscheinungen der letzten 2 Jahre hier auf dem Tisch. Entweder interessieren sich die Leute nicht ernsthaft für neue „gute“ Musik – oder sie haben das Jamendo-Problem: Sie kommen nicht ran.

    Oder: Die Musik kommt nicht an sie ran. Also auch im Radio nicht – wer erwartet denn vom Radio noch „gute“ neue Musik?

    („Gut“ hier gerne in Anführungszeichen, denn „gut“ bedeutet bei Musik für die meisten Leute einfach: Massenkompatibel.)

    Also ich würde auf jeden Fall so eine hier vorgeschlagene Plattform toll finden – und mindestens mit meinen Musikstücken unterstützen mögen.

  7. Die meisten Menschen werden nur über Massenmedien (Fernsehen, Zeitschriften, Radio) auf Musik aufmerksam.
    Die wenigsten Menschen suchen im Internet wirklich nach neuer Musik.

    Insofern denke ich das jede neue Plattform genauso wie schon jamendo und Restorm scheitern wird.
    Was wichtiger wäre, dass CC-Musik endlich mal in den Medien kommt.
    Aber in Zeiten wo „Künstler“ wie Justin Bieber und Haftbefehl in den Top 10 sind wird das wohl nicht passieren.

  8. Wie gesagt… aus welchen Gründen auch immer, garageband.com *hat* funktioniert, es hat sogar sehr gut funktioniert. Es ging dann alles sehr schnell den Bach runter, nachdem Rupert Murdochs iLike/dummSpace sich die Plattform einverleibt hatten (und tatsächlich vermute ich da gewisse Musik-klassenkämpferische Beweggründe). Warum genau, das kann ich natürlich nicht sagen, aber meine Erfahrung (und die anderer User) war, dass garageband.com eine sehr praktische, gut geplante und gut funktionierende Plattform war, deren Niedergang eine Lücke gerissen hat, die seither nicht mehr geschlossen wurde.
    Restorm ist (vermutlich) am Geschäftskonzept gescheitert, sowohl irgendwelchen Middle-Management-Krawattis als auch Kreativen GEMA-freie Musik zur Lizenzierung anzubieten; das war leider vorauszusehen, denn die Krawattis werden erst GEMA-freie Musik einkaufen wenn die Hölle zugefroren ist, und die Kreativen können sich nix leisten und/oder haben die entsprechenden Kontakte eh schon.

    Jamendo scheitert daran, dass die Plattform mit jedem Redesign noch grottiger und unübersichtlicher wird und die eh nur in Ansätzen vorhandene Community in den letzten Jahren vollständig vergrault wurde. So etwas geben sich dann nur noch Kiddies, die sich auf ihrem Ultra-1337-PC den MickeySoft MusicMaker installiert haben, und dementsprechend hört sich das Ganze auch an.

    garageband.com war, wie gesagt, etwas ganz anderes. Die Community wurde aktiv gepflegt, für das Neuentdecken von Musik gab es incentives, und es hat einfach funktioniert. Zumindest ne zeitlang.

    Und ich weiss nicht, ob ich das heute hier schreiben würde, wenn nicht garageband.com dafür gesorgt hätte dass ich Kenntnis davon erlange, dass meine Musik durchaus gemocht wird…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.