Kleine Planänderung

Liebe Leute,

mir ist in den letzten drei Tagen aufgefallen, dass ich mich unglücklicherweise und ungewollt wieder weit von meiner Absicht entfernt habe, meine Musik nur um der Musik willen zu machen und dabei neue Gebiete zu erkunden, zu experimentieren, neue Wege zu beschreiten und einfach ich selbst zu sein.

Stattdessen habe ich (insbesondere mit der Veröffentlichung von „Visionary Man“ einmal mehr) versucht, zu gefallen und die Werbetrommel zu rühren und möglichst perfekte, vermeintlich notwendige Lebenszeichen von mir zu geben und Eindruck zu machen… und war dann überhaupt nicht begeistert, als das Feedback ausblieb.

Ich habe mir aber schon vor langer Zeit geschworen, das nicht mehr so anzugehen… und irgendwie musste ich mich daran wohl erstmal selbst wieder erinnern.

Bitte seid also nicht enttäuscht, wenn ich hier in Zukunft vom Prinzip „Lieder veröffentlichen für Promo-Zwecke“ wieder absehen werde… ich tue dies, damit ich nicht die Lust an der Musik verliere, und damit etwas Neues, Schönes, fernab von den blödsinnigen Zwängen des Gefallen-Wollens entstehen kann.

Ich werde nach einem Weg suchen, euch daran irgendwie teilhaben zu lassen, aber das Auskoppeln von Singles und das zeitweise beinahe verzweifelte Anpreisen derselben auf sozialen Netzwerken kann es nicht sein. Das ist zu sehr mit Überlegungen verbunden („was muss ich machen, damit es gehört wird?“, etc.), die meinem Ansinnen entgegen stehen.

Ich weiss dass ihr das verstehen werdet und ich freue mich sehr über euer ungebrochenes Interesse an Botany Bay. Ich werde es nicht enttäuschen.

Liebe Grüße,
Stephan

P.S.: Ja, vorher stand hier ein anderer Eintrag des mehr oder weniger gleichen Inhalts, der aber einen viel negativeren Tenor hatte und viele meiner Hörer traurig gestimmt hat…  und der zugegebenermaßen in einem Zustand der Frustration abgefasst wurde, in dem ich nicht hätte schreiben dürfen.

Es war aber nie meine Absicht, meine Hörer zu frustrieren. Und es war ebenfalls zugegebenermaßen keine gute Idee, die Kommentarsektion zu schließen.

Also: Ich mache natürlich weiterhin Musik, und ich mache mir auch sehr viele Gedanken darüber, wie ich das Publikum daran teilhaben lassen kann, ohne dass es in den für mich unbefriedigenden Leistungssport „Singles auskoppeln“ ausartet. Wenn jemand Ideen hat, die Kommentarsektion ist wieder eröffnet :)

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14 Antworten auf „Kleine Planänderung“

  1. Laut kann schnell bedeuten, dass etwas so unwichtig ist, dass man innerhalb einer Zehntelsekunde zu einer umfassenden Meinung kommt, die man von sich geben kann. Leise kann heißen, dass es einen auf einer Ebene berührt, sie man schwer in Worte fassen kann. Oder auch umgekehrt, ich glaube, hier kann man keine sicheren Rückschlüsse ziehen. Der Play Count auf Soundcloud ist möglicherweise ein interessanterer Faktor als Du vielleicht meinst.

    Aber ich weiß sicher: Wir alle sind hier bei Dir, nein, bei Euch, manchmal leise, manchmal laut, aber immer irgendwo in der Nähe. Wir sind hier, wenn ihr still seid, wir sind hier wenn ihr laut seid. Egal, was das dann zu bedeuten hat.

    Aber eines bin ich mir sicher: Ich liebe Katharinas Stimme sehr, wie auch ihre eigenen Aufnahmen auf ihrer Website.

  2. Sicht- und fühlbares Feedback zu erhoffen und nicht zu bekommen tut sauweh. Ich glaube aber, dass dieser Schmerz sich verringert, sobald man es schafft, die eigenen Erwartungen nicht einfach nur herunterzuschrauben oder loszulassen (beides ist extrem schwer), sondern einfach nicht mehr so wichtig zu nehmen. Das ist ein dickes Fell, das man meines Erachtens im Musik“business“, egal wie man’s betreibt, unbedingt braucht.

    Und klar, manchmal steht einem die Sch … bis zum Hals, aber es hift nix, diese Gefühle ungefiltert mit dem Publikum zu teilen, das trifft nämlich immer die falschen: diejenigen, die sich eben doch interessieren (sonst würden sie’s ja gar nicht mitbekommen), die jedoch nicht immer lautstark kommentieren oder sichtbar sind (vielleicht auch, weil man selber in die falsche Richtung schaut? ;-) )

    Die Kraft, das eigene künstlerische Schaffen unabhängig von der Gunst des Publikums wertzuschätzen und unabhängig von den eigenen Umständen zu betreiben, zeichnet viele große Künstler_innen aus, solche, die zu Lebzeiten bekannt wurden ebenso wie solche, die tragischerweise erst nach ihrem Tod überhaupt Berühmtheit erlangten. Das ist aber keine automatisch vorhandene Souveränität, sondern sie wird errungen. Mit Blut, Schweiß und Tränen, manchmal auch mit leichter Hand und leichtem Sinn. Und manchmal heißt es „fake it to make it“. Aber es geht. Nicht immer, aber immer öfter … :-)

  3. Dass Du frustriert bist ist ja vollkommen verständlich, und der Weg Musik für Dich zu machen und nicht um anzugeben oder zu gefallen ist m.E. der einzig richtige. Die Menschen die es wirklich interessiert werden auch darauf warten.
    Zu Visionary Man kann ich nur sagen dass das einer der wenigen Titel von Botany Bay ist die mir nicht gefallen. Das ganze Lied kommt mir kalt und gefühllos vor, und der Vortrag unmotiviert (bis auf den Chor am Schluss), was auch viel mit der neuen Sängerin zusammenhängt. Das ist geschmackssache, aber wenn ich das mit den früheren Stücken vergleiche ist es mir persönlich zu leer.
    Vielleicht ändert sich das ja, wenn du dich wieder auf das wesentliche konzentrierst. Wir können warten.

  4. Lieber Stephan,

    ich weiß weder, was du dir für ein Feedback erhofft hast noch was dieser Song für dich persönlich bedeutet.

    Ich hab mir Visonary Man jetzt mehrfach angehört und er haut mich leider nicht vom Hocker. Das ist allerdings lediglich die Meinung zum Lied und hat nichts damit zu tun, dass ich mich stets drüber freu, wenn da ein neuer Titel von BotanyBay erscheint und ich dir das hoch anrechne, dass das meist auch als erstes auf Diaspora erscheint.
    Wobei sich Montag früh um 11 Uhr jetzt offensichtlich als suboptimaler Releasezeitpunkt erwiesen hat.

    Natürlich ist es verständlich, dass man Feedback will und auch das Gefühl, dass die eigenen Werke anerkannt werden. Geht mir bei Posts ja auch nicht anders.
    Aber es ist alles andere als hilfreich seine Posts nach einem enttäuschenden Feedback wieder zu löschen!
    Visionary Man kam jetzt nicht sonderlich gut an, wurde dennoch auf Soundcloud über 100 Mal gehört und hatte gestern Abend im Feierabend auf theradio.cc auch 35 Hörer.

    Nicht jedes Werk kann so gut einschlagen wie All Good Things, das ich persönlich auch sehr gefeiert hab. Es sagt sich so leicht, dass du nur Musik für dich machst, aber das ist ja offensichtlich nicht die ganze Wahrheit – du machst auch Musik für uns, da du ja gehört werden willst.

    Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass in naher Zukunft wieder Werke entstehen, die dich glücklich machen und auch uns begeistern.
    Es macht viel mehr Spaß auf einen Release zu warten, sich dann das Ergebnis deiner/eurer Arbeit anzuhören und das toll zu finden als mit den Schulter zu zucken und zu denken „Joa, kann man hören, haut mich nicht vom Hocker, keine Ahnung, was Stephan sich dabei gedacht hat“. (Wobei mich deine Gedanken zu Visionary Man und das Drumrum jetzt schon interessieren würden.)
    Dass das geht, hast du ja schon mehrfach bewiesen!

    Liebe Grüße aus den Reihen der Diasporianern.

  5. Manche Leute (wie ich) reagieren auch nicht, weil sie erst mal einen Tag brauchen, an dem sie die Zeit haben, sich die Zeit zu nehmen um ein Lied wirklich anzuhören.

    Im Gegensatz anderen Kommentatoren störe ich mich gar nicht an der neuen Richtung. Ein bisschen kritteln muss ich aber dann doch: Ich finde, dass sich die Lead Vocals von der Produktion her nicht so gut in den Song integrieren. Auch das Rhodes am Ende fällt manchmal aus dem Mix. Vielleicht musste es etwas zu schnell gehen mit dem fertigen Visionär? (Natürlich ist es auch schwerer, wenn man einen eher trockenen Mix macht, Spuren „reinzubacken“).

    Aber um nicht nur zu nörgeln hier mal der Versuch eines Vorschlags: Zumindest mir hilft es, einen kompetenen Testhörer zu haben, der auch selbst Recording macht. Da habe ich Glück, dass ein guter Freund von mir diese Rolle übernimmt – und ich umgekehrt auch seine Mixes testhöre.

    Und die Suche nach der Aufmerksamkeit?! Finde ich gar nicht verkehrt und natürlich für Schaffende. Man sollte sich nur nicht zu sehr davon auffressen lassen.

  6. Vorweg: ich kenne den anderen Artikel.

    Ein paar Gedanken dazu, die ich Dir sogar fast per Mail geschickt hätte (allerdings wollte ich mir das noch mehrfach durchlesen, da vielleicht auch an einigen Stellen etwas zu hart)

    Jetzt aber frei Schnauze: Visionary Man fand ich ja prinzipiell gut – aber schlecht umgesetzt. Klingt nach einer Proberaum-Rohaufnahme. Mit etwas Feinarbeit wird da bestimmt ein klasse Song draus, aber eben nicht so, wie Du es jetzt gemacht hast.

    Jetzt ist es raus, und das war wohl auch der schwerste Teil an diesem Kommentar hier.

    Wenn ich die erste Version des Blogeintrags „Planänderung“ mit der jetzigen Version vergleiche, dann denke ich, Du bist mittlerweile selber auf den Trichter gekommen, daß es nicht funktionieren kann, wenn Du den „Blogger-Regeln“ (mindestens X Beiträge/ Woche) und die Musiker-Regeln (ein Song braucht Zeit) zugleich gerecht werden willst.

    Beides gleichzeitig geht nicht.

    Ich habe Dich bisher (virtuell) als hervorragenden Musiker kennengelernt – allerdings hast Du Dich (für mein Empfinden) irgendwann mal verzettelt: Du wolltest beides – Internet und Musik. Möglicherweise beflügelt durch die „alten Männer mit Kugelschreibern“.. keine Ahnung ;-)

    Hau rein, scheiß auf das Internet und die gute Musik ergibt sich von alleine. Die „Regeln“ des Internets vertragen sich m.E. grundsätzlich nicht mit kreativer Arbeit.

    Ich freue mich auf Deinen nächsten Song, und wenn es ein Jahr dauert: hej, Vorfreude ist die schönste Freude.

  7. Tausend Dank für all das schöne Feedback :) Tja, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll und wo aufhören, aber auf jeden Fall ist jetzt endlich mal Samstag nachmittag und ich habe Zeit dazu.

    Was Broken Spirits im zweiten Teil seines Kommentars schreibt, trifft es vermutlich am besten. Ich bin viel mehr Musiker als der große Internet-Marktschreier. Beides zu machen bringt mich an meine Grenzen und irgendwie find ich’s auch denkbar doof, beispielsweise auf facebook gegen Millionen von blöden kleinen Filmchen und „dieser Junge gab diesem Bettler fünf Mark fuffzich, was dann geschah, das veränderte sein Leben“-Viral-Gehirnwäsche-Blödsinn anzukämpfen und dann auch noch zu verlieren. Ich hatte nur aus irgend einem Grund das Gefühl, ich müsste das machen, weil ansonsten gar niemand mehr weiss dass es mich gibt und was ich mache.

    Gut. Das ist Facebook, da erwarte ich eh nicht viel von. Diaspora ist ein anderes Thema, weil mich das in der Vergangenheit immer sehr motiviert hat, aber auch da kann ich offensichtlich den Geschmack nicht immer treffen. Ist ja irgendwie auch logisch, aber ich war nicht so richtig darauf vorbereitet. Ist halt auch blöd wenn einem immer auf die Schulter geklopft wird und dann macht man mal was was den Leuten nicht so gefällt und es findet sich niemand, der einem wenigstens „da hast Du ja wohl ins Klo gegriffen“ sagt, sondern einfach nur gähnende Leere.

    Sei’s drum… es ist wirklich anstrengend, und mich einfach mehr um die Musik zu kümmern und das Internet Internet sein zu lassen ist vermutlich ein ziemlich guter Rat… ausser, dass es ungerecht denjenigen gegenüber ist, die wirklich interessiert sind und auf ein Lebenszeichen warten. Ich werde deshalb in Zukunft einfach mal versuchen, die Lebenszeichen in nicht so ausgearbeiteter Form von mir zu geben, sondern ab und zu einfach so, wie sie kommen (siehe das nächste Posting).

    So, jetzt zu „Visionary Man“ an sich. Ich bin ein großer Anhänger der Ansicht, dass ein Song funktionieren sollte, ohne dass man groß erklären muss wie er zustande gekommen ist (das kann man dann 7 Jahre später machen ;-)) In diesem Fall scheint das aber leider nicht geklappt zu haben.

    Es gibt schon einen Grund, warum „Visionary Man“ so karg, trocken und emotionslos klingt wie er es tut, und warum das Ganze so pseudo-seelenlos produziert ist. Weil der „Visionär“, der besungen wird, eben kein Visionär ist, sondern ein armseliger Wicht, der seine Bewunderung, seinen Erfolg und seinen Reichtum ausschließlich auf den Rücken hart arbeitender Menschen aufgebaut hat. So wie es in unserer Gesellschaft, die Reichtum feiert und das Gegenteil verabscheut, leider ziemlich viele gibt. Ich hatte mit solchen Gestalten schon mehr Erfahrungen als mir lieb ist, und der Song wollte schon lange aus mir raus, und zwar genau so, wie er ist.

    Tja, und wenn mir danach wäre, eine ganze Platte in diesem Stil zu machen, dann würde ich es tun und mich nicht von ausbleibendem Feedback davon abbringen lassen ;-) Aber mir ist nicht danach, im Gegenteil. Im Prinzip ist der Visionary Man sogar eine Sache, die ich so eigentlich nicht tun wollte, nämlich ein Lied über einen Idioten zu schreiben, denn das hat der Idiot gar nicht verdient.

    Natürlich ist diese vor-der-Veröffentlichung-gegenhör-Idee von Toc4 gar nicht schlecht. Du glaubst gar nicht, wie sehr wir hier im engen Kreis davon Gebrauch machen, aber eventuell würden einige neue Paar Ohren hier eventuell Wunder wirken. Gut, ich habe in Zukunft wirklich keine größere „airplay-geeignete“ Veröffentlichung mehr vor (nein, nicht aus Trotz, read on…), aber sollte es mit dem Album mal konkret werden, so würde ich mich über Freiwilligenmeldungen sehr freuen :)

    In diesem Sinne… ich bin Musiker, ich werde in Zukunft eher Musik als Worte sprechen lassen, da bin ich einfach besser drin.

    Man hört sich :)

  8. „[E]infach nur gähnende Leere“ ist so ziemlich das, was ich von meinen letzten Solo-Produktionen auch geerntet habe. Auch im persönlichen Umfeld – ich denke, die meisten Leute haben nie auch nur reingehört. Nicht mal unbedingt, weil sie es alles langweilig/doof/sonstwas fänden, sondern weil es eben so viel gibt, was man machen könnte. Und dann komm ich halt auch noch daher.

    Was natürlich schön wäre: Wenn es so Portale gäbe, die wirklich funktionierten. Bisher bin ich bei Jamendo und MyOwnMusic. Da ist das Hochladen eine einmalige Sache und dann hofft man, dass das Portal einem was abnimmt. Meistens passiert aber erst Mal das, was bei SoundCloud und bei Youtube auch passiert: Nichts. Der Play-Count tröpfelt. Die Präsenz bei diesen Diensten ist nämlich keine Garantie auf irgendwas, sie ist lediglich Grundvoraussetzung. So wie man einen Führerschein braucht, um einen Sportwagen zu fahren, den Sportwagen dann aber noch lange nicht bekommt.

    Ich weiß noch nicht, was für mich persönlich die Konsequenz ist. Gute Musik machen, das möchte ich sowieso, das ist meine Lebensaufgabe. Aber verschenken für nicht mal den Stinkefinger? Dazu muss ich nach dem in aktuell Arbeit befindlichen Release nochmal gründlich in mich gehen.

    (Anmerkung am Rande: Ich mach seit einem Jahr an was rum – das ist der Nachteil, wenn man sich keinerlei Druck/Vorgaben von außen geben möchte, man wird kaum fertig.)

  9. Na ja, ich bin niemandem ernstlich ‚böse‘, wieso sollte ich. Wem es nicht gefällt, dem gefällt es halt nicht.

    Aber hier kamen leider noch ein paar andere Sachen zusammen, und ich kann halt auch nicht aus meiner Haut. Was niemandem klar ist (natürlich nicht, wie auch? und deshalb kann ich auch niemandem einen Vorwurf daraus machen…): Die Fertigstellung von „Visionary Man“ war stressiger als ich es mir gewünscht hätte; ich bin schon wieder diverse Kompromisse eingegangen die ich nie wieder eingehen wollte, und das wäre alles irgendwo ok gewesen wenn vom Publikum irgendwas zurückgekommen wäre, aber dem war eben nicht so.

    Ich lerne daraus, wie schon gesagt, dass ich wirklich nur noch mache, was ich will, wie ich es will, und wie es mir gut tut, und dann ist es auch wirklich vollkommen egal ob jemand reagiert oder nicht.

  10. … auch wenn hier auch soweit wieder alles in Butter ist, komme ich nicht umhin, doch noch kurz ein Statement abzugeben:

    Stephan, lass uns mehr Zeit!

    Zwar konkurrierst Du bei mir nicht mit „Millionen von blöden kleinen Filmchen“ auf Facebook, wohl aber in meinem RSS-Feed voll von WordPress-Security-Updates, Elasticsearch-How-to-Postings oder auch mal neuesten Nexus-X-Smartphone-Gerüchten. Nebenbei konkurrierst Du auch mit Ingress, Geocaching, zwei Hunden, zwei Kindern und einer Frau … ;-)

    Sehrwohl hatte ich am 18. August das Posting gesehen, den Song angehört, dann aber „beiseite“ gelegt, weil mein erster Gedanke/Eindruck auch erst mal „… ähm …“ war, eine gewisse Ratlosigkeit hinterließ. Also nahm ich mir vor, dieses Stück nochmal in Ruhe, außerhalb der Arbeit mit Zeit, Muße und Kopfhörer genauer anzuhören, was bei mir dann — siehe Konkurrenz — leider bis gestern gedauert hat.

    Klar, es ist frustrierend, wenn kein Feedback kommt. Aber dann nach nur zwei (!) Tagen, so’n Blog-Posting ‚rauszuhauen, ist scho‘ harter Tobak! Nach zwei Wochen hätte ich das ja verstanden. Aber zwei Tage?!

    Lesson learned on my side:
    sofort Feedback geben, auch wenn es nur ein …

    > … ähm … [ratlos] … muss ich mir nochmal in Ruhe genauer anhören

    … sein wird.

    Und natürlich (hier!) auch noch kein kurzes Statement zu „Visionary Man“:
    Je öfter ich den Song höre, desto besser gefällt er mir! Und das macht ihn zu einem ganz besonderen Stück Musik. Wie schon zugegeben: zunächst war ich auch ratlos, hatte das ungute Gefühl, dass irgendwie der Sound nicht stimmt, irgendwie unfertig klingt. Und obwohl man das Posting der Lyrics wahrlich ein Wink mit dem Zaunpfahl hätte verstehen können, sich mit dem Text zu beschäftigen, hatte ich diesen völlig ignoriert — anders wäre ich vielleicht auch darauf gekommen, dass dieser Sound Absicht war? Naja, im Nachhinein sagt sich sowas natürlich leicht … ;-)

    Wie auch immer: noch nicht mein Lieblingssong, aber mit jedem Anhören ein wenig mehr auf dem Weg dort hin! :-)

    (okay, so richtig „kurz“ waren beide Statements jetzt auch nicht … ;-))

  11. Hallo Björn,

    vielen Dank für Deinen Input… ja, hm, ich kann’s nur wiederholen, hier ist ziemlich viel schief gegangen. Was die Zeit betrifft, es kommt natürlich ganz auf den Standpunkt an. Wenn nach zwei Tagen nicht mal irgendwo auch nur ein einziger Kommentar eingeht, dann ist das schon recht unangenehm.
    Aber solche Überlegungen führen schon wieder in die falsche Richtung. Fakt ist, ich werde relativ schnell süchtig nach Aufmerksamkeit. Wenn man tiefenpsychologisch drauf ist und meine Vorgeschichte kennt, dann ist es nicht verwunderlich. Ich konnte mit fünf Jahren Klavier spielen, hat niemanden interessiert. Mit neun konnte ich es schon richtig richtig richtig gut, hat niemanden interessiert. Gefördert wurde ich natürlich auch nicht, aber dafür wurde ich mit 10 regelmässig in der Schule gemobbt, geschlagen und getreten, hat auch niemanden interessiert. Und so weiter und so fort. Ich freue mich, wenn es heutzutage anders läuft und Leute sich interessieren, und es tut mir weh wenn sie es plötzlich aus welchem Grund auch immer nicht mehr tun.
    Aber ich erkenne sehr wohl, dass das der falsche Weg ist, dass ich hier nicht die ganze Zeit jedermanns Liebling sein kann und die Pressetrommel rühren usw. usf., und dass dieses Verlangen nach Anerkennung ein mikroskopisches Überbleibsel einer wirklich sehr beschissenen Zeit ist, die ich gottseidank schon sehr lange hinter mir habe.
    Im Moment tut es mir sehr gut, mich zurückzuziehen und mich wieder darauf zu besinnen was ich wirklich machen möchte. Insofern war es eigentlich wirklich gut, dass das Ergebnis von „Visionary Man“ das grosse Schweigen war. Es ist für mich ein befreiendes Erlebnis, jetzt mal was ganz anderes zu machen und wieder zu mir zu finden.
    Insofern, nix passiert, alles gut, man hört sich… und wie immer, Danke fürs Zuhören!

  12. Der falsche Weg ist es wohl, aber aus den falschen Gründen.

    Dein Ansatz – soweit ich Dich verstanden zu haben glaube – ist, dass Du darüber stehen willst, dass niemand Interesse zeigt.

    Wenn dem so ist, ist das aus meiner Sichtweise falsch, weil das gar nicht das Problem ist. Es interessieren sich sehr viele, und eben genau diese Art Menschen, die nicht nur einen Like Button klicken oder einen „Supi!“ Kommentar abgeben wollen. Du hast in der Vergangenheit seitenweise darüber geschrieben, warum Du diese Art Feedback nicht willst, und ich stimme Dir völlig zu.

    Du hast es geschafft.

    Du hast die Art Besucher und Hörer gefunden, die sich ansehen und anhören, was Du tust, es trotz der hektischen Alltagswelt des 21. Jahrhunderts in Ruhe auf sich wirken lassen wollen, darüber nachdenken, und sich dann entscheiden, ob sie möglicherweise auch einen Komentar-Beitrag dazu leisten können, der in inhaltlicher Tiefe dem Werk gerecht wird.

    Wenn Du diese – uns – ausblendest, verneinst oder gar ignorierst, weil sie keine Facebook-Style Kommentare abgeben, arbeitest Du gegen Deinen gewünschten und gewählten Weg.

    Was meiner Meinung nach nötig ist, ist die Erkenntnis bei Dir, dass Du von den Menschen, die Du um Dich hast, nicht das erwarten kannst, was Du nie mehr haben willst.

    Und wenn man diesen Satz ein paar mal liest, bemerkt man, wie positiv er ist.

  13. Daniel: Ja, so habe ich das auch nicht gemeint. Ich schätze Deinen Input und Deine Kommentare (und die der anderen, alle!) sehr – gar keine Frage!

    Und ich hab auch nicht vor sie zu ignorieren oder auszublenden.

    Fakt ist aber, dass ich mich mit „Visionary Man“ verzettelt habe.

    Nicht weil es so ein schlechtes Lied ist (ist es nicht) oder weil es nicht richtig produziert ist (ist es nicht), sondern aus anderen Gründen. Das ist schwierig in diesem Blog rüberzubringen, aber zusammengefasst ist es einfach so: Visionary Man handelt vom falschen Thema, ich wollte das falsche Lob dafür haben, und ich habe mir den falschen Stress dafür gemacht und bin die falschen Kompromisse dafür eingegangen.

    Ehrlich bin ich jetzt tatsächlich sehr froh darum, dass mir nicht gleich alle auf die Schulter geklopft haben, und dass viele Leute die das normalerweise tun plötzlich sehr still waren. Ich finde jetzt wieder einen Zugang zur Musik, der mir vorher ein bisschen vernebelt war.

    Siehe „Breda“.

    Ich bin (ein bisschen, nicht so sehr wie ich eigentlich sollte) im Tierschutz interessiert und engagiert, und die Melodie entstand, nachdem ich vom grausamen Schicksal eines Hundes erfahren hatte, der von seinem Besitzer beinahe auf einer Brücke erhängt wurde… nur weil der Hund ihn liebte und nicht verlassen wollte.

    Es gibt ein Video von der Begebenheit (eine Tierschützerin hatte sich eingemischt und sie hatte eine Digitalkamera umhängen, die das ganze schreckliche Geschehen aufgezeichnet hat), da bleibt einem schier das Herz stehen – Worte können gar nicht ausdrücken, wie traurig mich das macht. Und ich setzte mich hin und klimperte herum und diese Melodie kam aus mir raus.

    Ich hab sie einfach mitgeschnitten und den Mitschnitt ins Netz gestellt. Keine Überlegung ob es jemand mag oder ob’s ankommt oder weiss der Teufel was. Von mir aus hätte es niemand interessieren brauchen, für mich war es wichtig, und das sollte das einzige sein, was zählt.

    Und wenige Tage darauf starb in Rumänien ein anderer Hund, der ein noch traurigeres Schicksal hatte.
    Von „Menschen“ zum Krüppel geprügelt und mit Zuckungen und Krampfanfällen auf das Ende wartend kam für ihn die Rettung zu spät.

    Joe, ihm ist das Ganze jetzt gewidmet.

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