I Won’t

Neulich gab es auf der K-Burg ein Wiedersehen der besonderen Art. Nämlich stand eines Abends Steffi vor der Tür, ihres Zeichens von 2010-2013 Sängerin von Botany Bay.

Die Ereignisse das Abends und des nächsten Morgens waren so unvorhergesehen, dass ich glatt vergessen habe, darüber zu bloggen. Was ich hiermit nachhole.

Also die zwei wichtigsten Dinge daraus schonmal zusammengefasst:

1. Ja, wir können immer noch super zusammen Songs schreiben, und
2. Nein, es wird keine Botany Bay Reunion geben

Als Steffi Botany Bay vor zwei Jahren zum Zwecke der Selbstverwirklichung verließ, da hatte ich ja ursprünglich den Plan gefasst, mit dem Rest der Band + Gastsängerinnen weiter zu machen… bis sich in einem für mich relativ unangenehmen Erkenntnisprozess herausstellte, dass der Rest der „Band“ in Wahrheit auch schon längst nicht mehr dabei war und ich mit einem halb fertigen Album mutterseelenallein dastand.

Ich war nicht begeistert (und bin es auch heute noch nicht).

Dennoch ist es so, dass Steffi und ich uns nicht im Streit getrennt haben. Es ging für sie einfach nicht mehr weiter mit Botany Bay… und inzwischen wissen wir, dass es für mich auch nicht mehr weiter ging.

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Seit damals haben unsere Leben sehr unterschiedliche und weit voneinander entfernte Pfade genommen.

Ich habe oben erwähnten Erkenntnisprozess hinter mir… und die Erfahrung, mit einem so gut wie nicht mehr vorhandenen Publikum wieder ganz von vorne anzufangen.

Bei Steffi lief auch beileibe nicht alles so, wie sie sich das vorgestellt hatte… Details haben hier nichts zu suchen, aber die Aussage, dass wir alle unser Päckchen zu tragen haben, könnte sich nicht mehr bewahrheiten.

Bei ein paar (ok, ziemlich vielen) Gläsern Rotwein und spontan zusammenimprovisierten Spaghetti con Anchovis brachten wir einander wieder auf den neuesten Stand… es gab viel zu erzählen, und schnell wurde uns klar, in zwei Jahren kann sich ganz erstaunlich viel ändern.

Und was uns auch wieder klar wurde: Wir konnten schon immer unsere Gefühle und Erlebnisse zusammen in einen Topf werfen, einmal kräftig umrühren und Musik daraus machen.

Wir hatten nun wirklich nicht geplant, an diesem Abend einen Song aufzunehmen, aber es ergab sich einfach so. Steffis Geschichte, meine Geschichte, und eine Art Empathie zwischen zwei Songschreibern, die alles andere als selbstverständlich ist.

Das Ergebnis heißt „I Won’t“… und wäre es mit Botany Bay weiter gegangen, so würde unser 2015er-Album wohl (unter anderem) so klingen:

Wir haben uns mehr als einmal angeschaut und es nicht nur gedacht sondern auch ausgesprochen: Wenn nicht alles so wäre, wie es ist… dann sollte man mehr davon machen… eine ganze Platte am besten. Und dann ein bisschen durch die Clubs tingeln. Aber die Pfade die wir gegangen sind, die lassen so etwas einfach nicht mehr zu.

Trotzdem ist es schön, zu wissen, dass wir es noch können, und dass uns die Musik auch weiterhin verbindet. In diesem Sinne: Vielen Dank, Steffi, und ich freue mich auf das nächste Mal… wann auch immer das sein wird.

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Nachtrag:

Steffi war gerade so nett, mir die Lyrics zu schicken. Hier sind sie:

I searched for love
I searched where I belong
I found enough
I found that I was wrong
But I won’t give up

Lived in heaven
And survived hell indeed
Waited seconds
and ran too far too deep
Flew high above
Before I crashed the wall
But in the end
Recovered from it all
And I won’t give up
That’s why I won’t give up

But life goes on
This one thing is for sure
Moments are now
That’s what I’m living for
And I won’t give up
No I won’t give up
No

 

 

Discography: Fixed! :)

Es freut mich ausserordentlich, mitteilen zu können, dass der „Musik„-Link oben in der Navigationsleiste wieder funktioniert, und somit all unsere Werke aus den letzten 7 Jahren wieder ganz leicht erreichbar und herunterladbar sind.

Viel Spaß damit!

P.S.: Da ich weiss, dass das für einige ein Klick zu viel sein wird, hier auch noch mal alles direkt gleich hier:

2014

2011

2010

2009

2007

Schon erstaunlich, was in 7 Jahren so passieren kann…

P.P.S.: Für die Leute, die von Facebook kommen: Ja, ich weiss, ‚tschuldigung, auf facebook kann man sowas nicht einfach so posten. Deshalb, stellt euch einfach vor, ich hätte darüber geschrieben: „DIESER MUSIKER VERSCHENKTE SIEBEN JAHRE LANG SEINE MUSIK IM INTERNET. DOCH WAS DANN PASSIERTE, DAS WAR UNGLAUBLICH!!!“

State Of The Union

Ich dachte, ich schreib mal kurz ein bisschen was darüber, wie es aussieht. Das hab ich zum letzten Mal in der Form glaub ich irgendwann im Jahre 2006 gemacht… aber warum sollte man alte Traditionen nicht wieder aufleben lassen? :)

Es freut mich also sehr, mitteilen zu können, dass wir gerade an insgesamt sieben ganz fantastischen und vollkommen neuen Songs herumwerkeln.

Einen davon, „All Good Things“ habe ich einem überaus (Diaspora*) bzw. überhaupt nicht (Facebook) interessierten Publikum bereits vor knapp zwei Monaten vorgestellt. Dieses Blog befand sich damals noch im Dornröschenschlaf, und deshalb ist es um so wichtiger, die Vorstellung hier endlich mal nachzuholen.

Also, liebe Leute, für alle die es noch nicht kennen, das hier ist „All Good Things“. Noch nicht die fertige, sondern eine Demo-Version davon, aber es zeigt schon sehr schön, wo die neue Reise hingehen wird:

Die restlichen Lieder, an denen wir gerade arbeiten, tragen die vorläufigen Titel

  • Atlas
  • Visionary Man
  • Kim Went Shopping
  • Humankind
  • Summer Hit
  • Listen

…wobei sie von oben nach unten „mehr fertig“ sind. Will heissen, von Atlas gibt’s schon die ersten durchaus anhörbaren Demos, und zu „Listen“ ein bisschen Musik und gerade mal die Idee, worum es im Text gehen soll.

Aber es wird.

Was genau es wird, das kann ich noch nicht sagen, aber ich kann schon verraten, dass es wesentlich gesellschaftskritischer und politischer werden wird, als alles was wir voher jemals gemacht haben… und dabei doch so persönlich, dass es sich nicht so anfühlen wird, als würden wir die ganze Zeit mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommen.

Tja, ich kann noch nichts genaues versprechen, aber wenn es nach mir geht und die Zeit es zulässt, dann wird es im Herbst eine erste EP der „neuen“ Botany Bay geben. Und dann müssen wir mal schauen, wie es weiter geht… ein Album wäre sicher eine schöne Sache, aber wir machen uns jetzt erstmal keinen Stress damit (Nadine, Du kriegst jetzt wohl einen Euro von mir ;-)), allzu weit in die Zukunft blicken zu wollen.

Bis dahin:

run to the river
flowing to the sea

…und viel Spaß dabei.

„In Between Years“ ist draussen!

 

released 28 May 2014

recorded 2010-2013 at
the blue saloon, bonn,
larch cottage, dornum,
k-burg, rhöndorf,
and at chateau d’if, cologne

produced by stephan kleinert
co-produced by stefanie mühr

performed by
stephan kleinert, keyboards, percussion, programming
stefanie mühr, lead vocals
with
marius beylebens, electric and acoustic guitars
felix klöckner, electric and acoustic bass guitars

and special guest
randi treybig, electric violin on „broken“

cc-by-nc-sa

Weitere Infos zum Album, was es ist und warum es so ist, findet ihr hier und hier.

Ich wünsche viel Spaß und Freude damit. Und ich würde mich über Verlinken, Sharen, Kopieren, Weiterverteilen sowie über den einen oder anderen Kommentar dazu sehr freuen. Es war eine lange Reise, und ich werde sie sicherlich nie vergessen.

Und jetzt auf zu neuen Ufern… ;)

As they ride with the tide…

Nach eurem überwältigenden Feedback konnte ich gestern abend gar nicht anders, als mich gleich mal hinzusetzen, alle alten Festplatten mit den Sessions der letzten 4 Jahre darauf anzuschließen und zu schauen (bzw. zu hören), was sich tun lässt.

Es freut mich, berichten zu können, dass es wird. Es braucht noch ein paar Tage, aber es wird.

Insgesamt sind es 14 Songs und Instrumentals, die auf den Sampler kommen werden. Die ersten davon sind vor Ewigkeiten auf unserem legendären Songwriting-Camp in Dornum entstanden, der letzte mit Ach und Krach letztes Jahr.

Ich muss zugeben, ich habe bei all dem Chaos der letzten Jahre den Überblick darüber verloren, was davon wir wann und an welcher Stelle veröffentlicht oder geteast haben; gut möglich, dass Einiges davon noch nie zuvor das Licht der Welt erblickt hat. Weiss nicht. Ehrlich nicht. Auf jeden Fall ist es alles, was mir verwertbar erscheint. Es gibt zwar noch wesentlich mehr Material, welches in seiner Summe das nächste Album hätte werden sollen, aber das ist alles nicht fertig, und der Rest der Geschichte ist ja bekannt.

Auf jeden Fall wird es auch einen schönen Titel und ein schönes Cover für die ganze Angelegenheit geben, nämlich dieses hier:

InBetweenYears

 

Wobei ich die Phrase „In Between Years„, wie auch die Überschrift zu diesem Posting, einem Depeche-Mode-Song entnommen habe, nämlich „Clean“. Den habe ich kürzlich mal wieder gehört, und er erschien mir passend ;-)

Wie gesagt, ein paar Tage noch, aber ich werde mich beeilen.

Denn  so sehr diese Musik gehört werden will und es verdient hat, so seltsam fühlt es sich für mich an, das jetzt alles doch noch mal anzufassen; das ist wie wenn man versucht, seine Freiheit wieder zu gewinnen um etwas Neues anfangen zu können, gleichzeitig aber doch irgendwie Sex mit der Ex hat… also werde ich schauen, dass ich das schnell hinter mich kriege…

Mehr demnächst an dieser Stelle.

Another One Bites The Dust

Tja, sieht wohl so aus, als sei restorm.com (wo all unsere Werke zuletzt hauptsächlich gehostet waren) wie so viele gute Ideen den Bach runtergegangen.

Das ist auch der Grund, warum all unsere Songs hier auf unserer eigenen Page nicht mehr verfügbar sind… die Player und Links gingen zu restorm.com, und das gibt’s nicht mehr.

Auf bandcamp sind unsere etwas älteren Produktionen allerdings auch gehostet; also werde ich wohl demnächst mal das „Musik“-Feature auf Bandcamp umbiegen.

Dort fehlen allerdings die „neueren“ Songs.

Ich überlege gerade, ob ich mir, wenn ich hier eh alles noch mal anfassen darf, auch gleich noch die Mühe mache, all die Lieder (plus 1-2 ungehörte), die in den letzten drei Jahren auf Soundcloud, Restorm, Jamendo und Bandcamp verteilt veröffentlicht wurden, einfach mal zusammenzusuchen und auf Bandcamp als Sampler zu veröffentlichen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die letzte Botany-Bay-Inkarnation jetzt ebenfalls Geschichte ist, wäre das ein ganz netter und passender Schlussstrich, denke ich. Allerdings wäre es auch ein bisschen Arbeit für mich, und eigentlich verbringe ich meine Zeit gerade auch sehr gerne damit, neue Sachen zu machen.

Und deshalb weiss ich nicht so recht… und mache mir hiermit die Entscheidung einfach ;-) Wenn dieses Posting über 10 positive Antworten kriegt, dann wird es gemacht, ansonsten nicht.

Na, wie sieht’s aus? ;-)

Update: Jahaaaa, ihr habt gewonnen, ich gebe mich geschlagen. :) :) :) Krass, wahnsinn, hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht und hatte ehrlich auch meine Zweifel, dass es überhaupt geht :)  Auf jeden Fall: Wow! Gebt mir ein paar Tage Zeit… es wird was kommen :)

Die Wahrheit… und Sebastian

(tl;dr: Steffi ist als feste Sängerin ausgestiegen, die anderen haben keine Zeit oder kein Interesse oder was auch immer… und ich, Stephan, habe einfach keine Lust mehr, das Schiff schon wieder allein schaukeln zu müssen… und es gibt drei letzte, neue Songs)

Liebe Botany-Bay-Fans und sonstige Leser dieses Blogs,

es hat ja keinen Sinn, sich und der Welt was vorzumachen. Es hat sich im vergangenen Jahr so einiges ereignet, was dafür gesorgt hat, dass wir mit unserem neuen Album nicht wesentlich weiter sind als bei unserem letzten Update.

Wenn ich den aktuellen Zustand in die Zukunft projiziere, so muss ich leider gestehen, dass ich nicht glaube, dass sich daran gross etwas ändern wird… und es ist die Zeit gekommen, Botany Bay, so wie es jetzt ist, aufzugeben und neue Wege zu gehen.

Aber der Reihe nach:

Nachdem vorletztes Jahr mein Vater gestorben war, ging es meiner Mutter sehr, sehr schlecht, und sie gab sich letztes Jahr alle Mühe, ihm möglichst schnell hinterher folgen zu können. Zum Glück hat sie das nicht geschafft, und ich werde hier nicht weiter ins Detail gehen (‚Addiction/RedEarth‚ geben allerdings eine ungefähre Vorstellung vom generellen Feeling), aber auf jeden Fall war es eine unglaublich beschissene Zeit mit etlichen Krankenhausaufenthalten, die sich alle wie ein Besuch in der Hölle anfühlten.

Später im Jahr verlor ich dann betriebsbedingt meinen Job (niemand möchte für Apps und schon gar nicht für Spiele zahlen, niemand möchte Werbung sehen, und alle wollen immer alles umsonst, um nur mal ein paar Gründe aufzuzählen) und durfte mir einen neuen suchen. Das war nicht wirklich ein Weltuntergang, aber es nahm ne Menge Energie aus Botany Bay, und natürlich sind immer ne Menge Ängste und Unsicherheiten mit so einer Suche und Umorientierung verbunden. Bei United Toy war ich CTO gewesen, hatte einen großen kreativen Spielraum und konnte mir meine Arbeit frei einteilen. Es würde nicht einfach werden, wieder in einem ’normalen‘ Job Fuß zu fassen und mir meine Freiheiten zu bewahren… nicht der ideale Nährboden, um Musik zu machen.

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde unsere geliebte Tia schwer krank, was später im Jahr darin gipfelte, dass wir sie gehen lassen mussten. Ich habe an anderer Stelle schon viel über Tia geschrieben, was ich hier nicht alles wiederholen muss; nur so viel: Sie war ein ganz besonderes Wesen, sie war unsere beste Freundin, und es war sehr schwer, sie zu verlieren.

Ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt wurde Felix, unser Bassist, Vater. Yeah, endlich mal etwas Positives, und an dieser Stelle nochmals meine allerherzlichste Gratulation! Trotzdem sorgte natürlich auch dieser Umstand nicht unbedingt dafür, dass wir öfter Musik machen konnten.

Marius, unser Gitarrist, hatte zu diesem Zeitpunkt einen Job über den ich hier nichts schreiben soll, ausser dass er dazu geführt hat dass er so gut wie nie Zeit hatte und lange nicht so oft am Start war wie es für ein Vorankommen nötig gewesen wäre.

Und das alles erklärt dann endlich auch, warum „Gegen die Zeit“, unsere letzte Veröffentlichung zugunsten der DKMS, ausschließlich aus Steffi und mir besteht: Erstens waren die Jungs schlicht und ergreifend nicht verfügbar, und zweitens ließ Tias Zustand es nicht mehr zu, hier auf der K-Burg großangelegte Sessions mit zig hundert lauten, ungestimmten Instrumenten und Kabeln zu veranstalten; das hätte alles nur noch schlimmer gemacht.

 

Tia wurde genau einen Tag nach der letzten Session eingeschläfert (und das wiederum erklärt, warum ich auf dem Video, das eine Woche später entstand, genau so fertig-mit-der-Welt aussehe, wie ich es auch tatsächlich war).

Tja, womit wir bei „Gegen die Zeit“ angekommen wären. Tatsächlich war dieses Lied nicht nur unser Beitrag für die DKMS, sondern es war irgendwo auch mein Abschiedsgeschenk an Steffi, und Steffis Abschiedsgeschenk an unsere Fans. Denn Steffi ist bereits seit einer ganzen Weile als feste Sängerin bei Botany Bay ausgestiegen. Wir wollten das erstmal nicht öffentlich machen, aber nachdem jetzt eh nix mehr voran geht scheint mir die Zeit dazu gekommen zu sein.

Langjährige Fans werden sich jetzt vielleicht an die letzte große Trennung im Jahre 2009 erinnern, damals war es Laura Dietrich, die ihren Abschied bei Botany Bay nahm, und die vorher sowas wie das stimmliche und wohl auch optische Aushängeschild von Botany Bay geworden war. Aber da muss ich gleich ganz energisch dazwischen grätschen, denn die beiden Trennungen haben so gut wie nichts miteinander zu tun.

Zum einen sind Steffi und ich weiterhin eng miteinander befreundet (ansonsten hätten wir kaum auf den letzten Metern und allen Umständen zum Trotz noch mal sowas wie ‚Gegen die Zeit‘ rausgehauen), und zum anderen möchte Steffi sehr gern als Gastsängerin auch weiter dabei sein. Nur sorgen Dinge in unserer beider Leben sowie musikalische und weltanschauliche Differenzen dafür, dass wir uns mehr gegenseitig bremsen als wir uns gut tun. Und Steffi möchte einfach mal sich selbst finden und entdecken und selbst Singer/Songwriter sein und weiter kommen als man es in meiner kaputten Band momentan tut, und das gönne ich ihr irgendwo von ganzem Herzen.

Und so sieht es jetzt aus: Felix ist mitten im heftigsten Elternstress, Marius hat (gottseidank) einen neuen Job der ihm allerdings sehr viel abverlangt, weswegen wir uns auch weiterhin kaum mal sehen, Steffi ist als festes Mitglied ausgestiegen und ich bin mehr oder weniger gerade alleinverantwortlich für Botany Bay.

Stephan

Im Klartext heisst das, ich hab hier ein zu 60-75% fertiges Album mit wirklich den allerwunderschönsten und eindringlichsten Songs, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, und die die letzten zwei Jahre über alllesamt unter teilweise sehr heftigen Bedingungen (der Tod meines Vaters ist nur ein Beispiel dafür) entstanden sind. Und momentan sieht es so aus, als ob hauptsächlich ich allein für dieses Vermächtnis verantwortlich bin; und dafür, es fertig zu kriegen.

Und dazu habe ich gerade weder die Lust noch die Kraft, so leid es mir tut.

Ich weiß, das war alles schon mal anders.

Als wir 2004-2007 „Grounded“ aufnahmen, da war die Welt echt, wirklich und in ziemlich brutaler Weise gegen uns. Alles was schief gehen konnte, das ging auch schief. Wir wurden ausgelacht, ignoriert, unsere Instrumente wurden weggesperrt, wir wurden auf die Straße gesetzt, und niemandem (und damit meine ich: 0 Personen) ausser den unmittelbar Beteiligten (und das war lange Zeit nur ich) war das Projekt irgendwas wert. Und trotzdem hab ich’s durchgezogen, ich hab das Album fertig produziert, trotz allen die mich nicht unterstützt haben, trotz der Existenzängste die ich damals durchleiden musste, trotz allen Kollegen/Freunden/Lebensabschnittspartnern die’s nicht kapiert haben und die mir gesagt haben ich soll mein Leben nicht daran vergeuden… und ich bin irrsinnig stolz darauf.

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Und als sich 2009 dann Laura und ich in beiderseitigem Einverständnis endlich trennten, da waren einige (nicht viele, aber genug davon, dass es mich echt genervt hat) überzeugt davon, dass das jetzt das Ende ist. Dass es jetzt nicht mehr weiter geht, dass es ohne diese Stimme nicht weiter gehen könne. Ähem, schön, ja, hatte schon mal jemand mitgekriegt dass ich 90% der Songs allein geschrieben, produziert und arrangiert hatte? Nee, anscheinend nicht. Also musste ich mich mal wieder beweisen, und genau das habe ich auch getan (und, nein, unser allmählicher stilistische Wandel kam nicht davon, dass Laura nicht mehr mitschrieb; er kam davon, dass wir die Lust und die Möglichkeit hatten, das genau so zu tun; und auch Laura und ich hatten schon unsere triphoppigen und souligen Ausflüge gehabt…) Also kam Steffi dazu, und mit der Zeit allerlei andere neue Gesichter, und wir haben zusammen ein super geniales Botany Bay V2 hochgezogen, das sich vor Botany Bay V1 nicht im geringsten verstecken muss… Steffi und Felix und Marius und ich… und auch hier bin ich irrsinnig stolz darauf.

Und jetzt? Jetzt könnte ich anscheinend wieder mal der Menschheit und mir irgendwas beweisen, aber ich mag nicht und ich brauche auch nicht. Ich habe schon genug bewiesen. Ich habe der Welt viele, viele Stunden schöne Musik geschenkt, ich habe zwei verdammt schlimme Jahre hinter mir, habe meinen Vater, beinahe meine Mutter, meinen Job und zuletzt auch noch die Tia verloren… ich sehe nicht, warum und wie ich jetzt auf Teufel komm raus mehr oder weniger im Alleingang dieses Album fertig stellen soll. Ich bräuchte Hilfe dazu, und wenn ich die nicht kriege, gut, dann eben nicht.

Klar, es sind tolle Songs und es ist sehr, sehr schade um sie, und ich habe mir immer wieder vorgestellt wie wir im Frühjahr in einem Schiffchen auf dem Rhein eine große Premierenparty feiern und alles toll und wunderschön und genial wird… aber ich hab so viel hinter mir, dass ich gerade mal wirklich froh bin wenn ein paar Monate lang niemand stirbt und niemand krank wird und ich ein regelmäßiges Einkommen habe. Und die Enttäuschung, dass ich jetzt schon wieder allein alles regeln soll, die spielt natürlich auch eine große Rolle. Ich hab einfach keine Lust hier allein zu kämpfen, nur damit gekämpft ist, und mir am laufenden Band die Enttäuschung zu geben dass ich doch nur allein dastehe.

So ist es jetzt also. Es geht nicht weiter, so sehr ich es mir auch wünschen würde, und jedes Appellieren oder Hoffen meinerseits ist einfach nur frustrierend, weil es im Zweifelsfall weitere unzählige Wochen Stillstand zur Folge hat. Selbst diesen bescheuerten Artikel hier so abzusetzen dass er für alle vertretbar ist und mal eben die drei Songs fertig abzumischen war nicht möglich, ohne es erstmal zwei Wochen lang zu planen und dann doch nicht zu machen.

Deshalb: Botany Bay in der Besetzung Steffi/Marius/Felix/ich und dieses Album sind hiermit Geschichte.

Vielleicht wird sich daran irgendwann etwas ändern, vielleicht sind irgendwann auch die anderen wieder dabei… aber zu behaupten, wir kriegen dieses Album irgendwie noch fertig oder machen alle zusammen irgendwas anderes ganz tolles, das wäre falsch und würde niemandem etwas bringen, ausser uns (->mich) unter Stress zu setzen.

bbSebastian2

Aber als kleines Geschenk vor der Eiszeit möchte ich mit euch gerne drei der Lieder teilen, die tatsächlich fertig geworden sind. Eines davon, das erste, heisst „Sebastian“, und obwohl es eigentlich um etwas ganz anderes geht, und obwohl es geschrieben wurde, als wir noch eine durchaus funktionsfähige Band waren, beschreibt es irgendwie doch auch auf wundersame und prophetische Weise den Zustand, in den wir uns reinmanövriert haben.

Sebastian
You know it’s strange, people’s minds
Working miracles sometimes
They might give you wings
They might make you fly
And sometimes you notice
But most of the time
You don’t even try
Please tell me it ain’t so
Please tell me there’s a way
A way that you can see
And that you still believe
Please tell me you’ll wait
Where the river meets the sea
And that if I lose my way
That you’ll come back for me
Sometimes it’s hard
All by yourself
Cause you put your dreams
Back into the shelf
Can’t hear the voices
Although you try
And sometimes you catch them
But most of the time
They’re just passing by
Please tell me it ain’t so…

 

Ich habe mir die vergangenen Wochen sehr gewünscht dass wir abgeholt werden von diesem seltsamen Ort, an dem wir irgendwie verloren gingen. Aber irgendwie werde ich den Weg zurück wohl allein finden müssen.

Ich melde mich, wenn ich dort bin.

P.S.: Was mich persönlich betrifft, ich werde natürlich weiterhin Musik machen. Ich kann gar nicht ohne, deshalb frustriert mich dieser ganze Scheiß auch so ohne Ende. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das unter dem Namen Botany Bay laufen wird, oder ob ich ein neues Projekt gründen werde; es wird auf jeden Fall wieder was zu hören geben, wenn auch nicht unbedingt hier. Die Zeit wird es zeigen.

P.P.S.: „Sebastian“ hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung. Es geht um keine reale Person die „Sebastian“ heisst… es geht vielmehr um eine Person die stellvertretend für viele Menschen ist, deren wilde Träume mit der Zeit auf der Strecke bleiben, weil das die einzige Möglichkeit ist, mit diesem verdammten Leben fertig zu werden und sich anzupassen… obwohl sie so schön, beneidenswert und einzigartig gewesen waren… und über die Hoffnung, dass niemals alles verloren ist.