Collaborations don’t work

…so lautet der Titel eines sehr erbaulichen Songs aus der Feder von Franz Ferdinand und den Sparks.

Was, augenzwinker, natürlich selbst eine ‚collaboration‘ darstellt, und zwar eine von zwei Bands, von denen jede für sich schon auf ihre Art und Weise äußerst genial ist. Zusammen aber sind Franz Ferdinand & Sparks zumindest nach meinem Dafürhalten ein absolutes Traumpaar.

Hier gibt’s einen Mitschnitt von ebendiesem Song…

…und allein die Tatsache, dass ausgerechnet dieser Clip nur um die 2000 Views und einen blöden Kommentar hat, versöhnt schon ganz gewaltig mit der Welt und zeigt, dass man auf Feedback aus dem Internet nix geben sollte, egal ob man nun Franz Ferdinand oder Sparks oder Botany Bay heisst.

Aber ich schweife ab, eigentlich wollte ich auf etwas ganz anderes hinaus. Es ist nämlich so: Dieser Song geht mir schon seit ein paar Tagen im Kopf rum, weil sich die Zusammenarbeit mit potentiellen Gastmusikern bei Botany Bay teilweise schwierig gestaltet.

Bevor das jetzt in die falsche Richtung geht: Alle momentan Beteiligten sind natürlich nicht gemeint! Wir haben ganz großartige Mitstreiter, geniale Musiker und gleichzeitig super tolle menschliche Wesen, die gerade dafür sorgen, dass dieses neue Album so klingen und aussehen wird wie nichts, was vorher da gewesen ist, und dass ich die recording sessions meines Lebens habe. Ich kann gar nicht sagen, wie froh mich das macht, wie viel Kraft mir das gibt, und wie ich es kaum erwarten kann, unser Werk und die beteiligten Künstler der Welt vorzustellen.

Gleichzeitig aber gehen mit bestimmten (so weit und wohl auch weiterhin unbeteiligtem) Menschen gewisse Dinge einfach immer wieder schief – so, wie sie das schon immer taten.  Und ich stelle fest, dies ist für mich in 2017 wesentlich schwieriger, als es das beispielsweise 2008 noch war. Oder, kurz gesagt, es ist heute wesentlich einfacher, auf die offizielle Botany Bay Shitlist zu gelangen. Die Liste, auf der Menschen stehen, auf die ich… nun ja. Die Idee sollte klar sein.

Und weil man auf diese Liste wirklich nicht kommen möchte, und weil ein Teil von mir in einem anderen Leben sehr analytisch und logisch und sowieso ein totaler Nerd ist (der total auf graphviz und .dot-Files steht), habe ich, für alle zukünftigen Anwärter auf Gastauftritte bei Botany Bay, eine kleine Grafik erstellt, die anhand von Beispielen erklärt, wie das mit der Shitlist genau funktioniert, ausgehend von einem hypothetischen Gast-Bassisten.

Und zwar funktioniert es folgendermaßen (klick macht gross):

 

Sowohl zusammenfassend als auch ergänzend dazu kann man sagen: Es macht mir nichts aus, wenn jemand nicht mitmachen möchte, aus welchen Gründen auch immer. Wer nicht mitmacht, der ist halt nicht dabei. Alles prima. 

Es macht mir auch nichts aus, wenn jemand mit der Musik nichts anfangen kann. Solche Leute wird es eine Menge geben. Auch ehemalige Fans, da bin ich sicher. Weil wir einfach was sehr eigenes machen, wozu nicht jeder einen Zugang finden wird. Das kann ich gut verstehen.

Das Problem ist nur, wenn ich anfangen muss, nachzufragen. Einmal, nochmal und dann nochmal. Wenn ich was herausgebe, was mir sehr wertvoll ist, und keinerlei Feedback dafür bekomme. Mir Ausreden anhören muss. Perlen vor die Säue werfe. Den Menschen eine – nach meinem Dafürhalten – großartige und einzigartige Chance gebe und mir als Dank dafür irgendwelche Geschichten vom Pferd anhören muss. Oder mich gar in der Rolle des Bittstellers wieder finde. Das ist so richtig Gift.

Niemand gibt gerne zu, dass er bei irgendwas einen Schaden davongetragen hat, aber so ist es nun mal leider. Dieses Projekt war jahrelang im Koma. Kaputt. Kaputt gemacht durch Desinteresse, und zwar nicht Desinteresse von Hörern und Fans, sondern vom Desinteresse der unmittelbar beteiligten Personen. Und ich bin da sehr empfindlich geworden. Ich kann’s nicht ändern.

Deshalb… an alle, die etwas beitragen wollen: Ein ehrliches „sorry, ich kann und/oder will nicht“ ist mir tausendmal lieber als Ausflüchte und Ausreden. Niemand muss hier partizipieren… selbst wenn gar niemand mitmachen würde… ich würde das allein durchziehen. Aber zum Glück machen jede Menge Menschen mit.

Wer dazu gehören möchte und etwas beitragen kann, wird mit offenen Armen empfangen. Wer es nicht will oder kann: Auch nicht schlimm.

Aber alles oben aus der Grafik: Bitte nicht. Vielen Dank.

Die Sache mit Vinyl…

Inzwischen arbeiten wir nun schon seit knapp drei Monaten an unserem neuen Album, und es freut mich ausserordentlich, berichten zu können, dass es sehr gut voran geht, und dass wir so viel Spaß an Botany Bay haben wie schon sehr lange nicht mehr. 

Besonders glücklich stimmt mich persönlich die Tatsache, dass ich momentan viele neue und wirklich geniale Musiker kennen lerne. Musiker, die alle auf ihre individuelle Art und Weise zu diesem Projekt beitragen, von dem ich noch vor nicht allzu langer Zeit glaubte, es wäre für immer vorbei.

Das gibt mir viel Kraft, und ich beginne erst jetzt so langsam zu begreifen, was mir die letzten drei Jahre über so sehr gefehlt hat.

Ein Teil von mir würde gerne viel mehr über die Musik erzählen und Kostproben davon geben, aber ein anderer Teil von mir ist inzwischen wesentlich schlauer, hat aus den letzten Jahren gelernt und weiss, dass sich das schnell als irgendwas zwischen kontraproduktiv und fatal erweisen kann. Deshalb muss ich euch an dieser Stelle leider weiter hinhalten.

Worüber ich hingegen schon reden kann und darf, das ist, wie das Release aussehen wird.

Und zwar werden wir keine CDs oder kostenlosen Downloads mit Spendenmöglichkeit mehr anbieten.

Stattdessen wird das Album in einer streng limitierten Auflage von 100 Stück auf Vinyl erscheinen, und zwar inklusive Download-Code für die entsprechenden mp3-Files (wie wir das mit Downloads ohne Vinyl machen, darüber denken wir momentan noch nach, siehe weiter unten).

Ich kann mir vorstellen, dass dieser Schritt für manche Menschen schwer nachvollziehbar ist, und dass es der Verbreitung unserer Musik vermutlich eher schaden wird… aber es hat ganz einfach für unsere Musik lebenswichtige Gründe.

Denn dass wir überhaupt wieder zusammen im Studio sind und Spaß dabei haben, das liegt daran, dass wir ganz am Anfang eine Art heiligen Schwur geleistet haben, dieses Album in allererster Hauptsache für uns selbst zu machen, und zwar zu 100% genau so, wie wir das wollen.

Und das heisst für uns: Zum Schluss eine tolle Platte mit einem tollen Artwork in unseren Händen zu halten, auf die wir wirklich und ehrlich stolz sein können – selbst dann, wenn wir keine einzige davon verkaufen sollten. Und, falls es die letzte sein sollte*, so soll sie ein schöner und würdiger Abschluss für Botany Bay werden.

Nun möchte ich keine alten Wunden aufreißen… dazu fühlt es sich viel zu gut an, was Steffi, unsere großartigen neuen Gastmusiker und ich gerade zusammen auf die Beine stellen. Ich will (und muss) mich auch nicht rechtfertigen, aber ich möchte gerne versuchen, ein bisschen für Verständnis zu werben.

Warum also Vinyl?

Nicht, weil wir plötzlich fürchterlich hipstermäßig drauf sind, sondern weil das Format schlicht und ergreifend ein paar entscheidende Vorteile für die Art Produktion hat, die wir uns vorstellen:

1. Eine Schallplatte hat zwei Seiten, auf denen sich jeweils ca. 20 Minuten Musik unterbringen lassen. Diese physikalische Form hat Auswirkung auf die musikalische. Man kann sie als Beschränkung ansehen, man kann aber auch kreativ damit arbeiten. Tatsächlich kommen uns die zwei Seiten sehr gelegen.

2. Musikproduktion und -mastering für eine Schallplatte ist eine ganz andere Sache als für CDs und MP3s. Ok, jetzt wird’s sehr technisch, aber vielleicht versteht es der eine oder andere: Bei rein digitalen Medien kann man mit dem Sound quasi machen, was man möchte. Man kann ihn (fast) ohne Ende komprimieren, man kann ihn künstlich im Stereo-Raum ausbreiten, und somit etwas, was sich erstmal nicht besonders gut anhört, auf einfache und billige Art und Weise fürs Ohr wohlgefällig machen. Bei Vinyl verbietet sich das… starke Kompression, ein hauptsächlich lauter Mix oder künstliche Basisverbreiterung rächen sich auf Plattenrillen, und deshalb ist man (vereinfacht gesagt) dazu gezwungen, dafür zu sorgen, dass sich das Ausgangsmaterial auch ohne Tricks gut anhört. Auch hier wieder: Man kann das als Beschränkung ansehen, man kann es aber auch als Ansporn verstehen, eine andere Arbeitsweise an den Tag zu legen.

3. Eine Schallplatte, bzw. ihre Hülle, bietet mehr Platz für Artwork. Eine kleines 12x12cm CD-Booklet ist im Vergleich zu einem richtigen Plattencover eine armselige Sache. Und ähnlich wie schon bei „Grounded“ wird das Artwork dieses Mal wieder Hand in Hand mit der Musik gehen.

4. CDs haben sich überlebt. In ein paar Jahren wird es keine CDs mehr geben, dafür haben iTunes und Spotify gesorgt. Ausserdem sind sie klein, hässlich und unpraktisch. Aber es besteht berechtigter Grund zur Annahme, dass Vinyl noch lange existieren wird.

5. mp3s sind abstrakte, gesichts- und gefühllose Geister, die man von A nach B kopiert, auf einen USB-Stick packt und dort vergisst, aus Versehen löscht und dann eben wieder irgendwo runterlädt… zu denen man aber nie wirklich ein Verhältnis aufbaut oder sie in Kontext mit Artwork erlebt. Natürlich sind mp3s prima, um Musik im Netz zu verteilen, und natürlich sind sie auch besser als nichts, wenn es darum geht, diese Musik zu konsumieren. Aber ich bin in einer Zeit groß geworden, als das Auspacken und Auflegen einer Platte den Genuss von aufgenommener Musik noch zu einem sowohl akustischen als auch taktilen und optischen Erlebnis machte, und genau solch ein Erlebnis möchte ich mit unserer neuen Produktion gerne erzeugen

6. Weil sie uns etwas wert ist, soll unsere Musik auch was kosten. Nicht, weil wir uns daran bereichern wollen, sondern weil etwas umsonst mit Spendemöglichkeit ins Netz zu stellen und dann sieben Monate und 84 Downloads später einen Euro fünfzig gespendet zu bekommen einfach nur deprimiert. Sowas entwertet die Musik, da kann die Produktion vorher noch so viel Spaß gemacht haben.

Ebenso ist es übrigens mit Streaming. Manche mögen es als Fortschritt sehen, dass man sich für 9 Euro 99 im Monat so viel Musik abonnieren kann wie man möchte, aber in Wirklichkeit hat es dazu geführt, dass Musik als etwas angesehen wird, was nur einen lächerlich geringen (wenn überhaupt) Wert besitzt, und um dessen Erwerb man sich keinerlei Gedanken machen muss, weil es eh immer hochverfügbar ist. Tausendmal sorry, aber nicht mit uns. Wenn wir noch mal eine Platte machen, dann ist die was wert und nicht selbstverständlich; und wenn für niemand sonst, dann immer noch für uns.

Ginge es nur um Downloads, so tun wir uns allerdings sehr schwer, einen Preis festzulegen. Beispielsweise sind die in diversen Stores heutzutage üblichen 8-10 Euro rein gefühlsmäßg zu wenig für das, was wir gerade erschaffen. Auf der anderen Seite sehen wir durchaus, dass es sich bei so ein paar Megabyte Daten nicht unmittelbar erschließen mag, warum sie eher hochpreisig sind. Bei Vinyl hingegen haben wir kein Problem, denn allein aus den Herstellungskosten ergibt sich, dass die Platte nach letzter Hochrechnung mindestens 23 Euro kosten muss, damit wir irgendwann mal einen break-even erreichen.

7. Die Form passt zu uns. Auch wenn es abgehoben klingt (soll es wirklich nicht): Wir sind Botany Bay. Wir sind nicht irgendwelche Kiddies, die sich aus einer Laune raus mal SuperEasyMusicWizardPro auf ihrem Gamebook installiert haben und jetzt auf Jamendo zig identisch klingende House-Mixes für umsonst an die begeisterte Community verteilen… sondern wir machen hier was ganz anderes. Das darf man unserer Produktion gerne auch ansehen.

8. Ganz simpel: Wir haben das noch nie gemacht, und wir möchten es wenigstens einmal in unserem Leben tun.

 

So, und jetzt haben wir leider ein kleines Problem: Was tun wir mit den Hörern, die keinen Plattenspieler haben? Müssen die sich die Platte kaufen, wenn sie die MP3s haben wollen? 

Wir wollen niemand vor den Kopf stoßen, aber aus allem was ich oben geschrieben habe, ergibt sich, dass das neue Album „nur als Daten“ (und ohne die Schallplatte) ganz entschieden viel weniger ist, als das, was wir eigentlich veröffentlichen möchten. MP3s ohne Vinyl anzubieten, das bedeutet für uns „neues Album light, super cheap-o-reduced“ (was wir nicht wollen), und wir müssten sie wohl unter dem Wert anbieten, den die Produktion für uns besitzt (was wir ebenfalls nicht wollen).

Wie schon oben erwähnt, wir haben uns dieses Mal geschworen, keine Kompromisse einzugehen. Und eine reduzierte Version des Albums ist ein arger Kompromiss.

Aber eventuell wird es darauf hinaus laufen. Denn wir haben auf Twitter gerade eine kleine Umfrage am Laufen, um zu sondieren, was wohl die Wünsche unseres verbliebenen Publikums sind, und die sehen momentan so aus: 

Dass wir keine Kompromisse eingehen möchten, das heisst eben nicht, dass uns unser Publikum egal ist… und gerade ihr – diejenigen, die uns die Treue gehalten haben und dies nun lesen, seid uns extrem wichtig. 

Deshalb schreibe ich das hier… um, wie schon gesagt, ein wenig für Verständnis zu werben, und ,wer weiss, vielleicht auch ein paar neue Ideen zu bekommen, wie wir das Problem lösen könnten. Die Kommentarfunktion wartet… :)

Das war’s dann erst mal von mir… heute abend geht es weiter mit den Aufnahmesessions. Wir hören uns :)

 


* wir denken noch nicht so weit in die Zukunft, aber wir wissen: Botany Bay hätte beinahe mit „In Between Years„, sowie einem Stapel unvollendeter Songs und Skizzen und in Bedauern und Enttäuschung geendet. Das wäre sehr traurig gewesen.

Ein Grund mehr, dieses Album jetzt zu machen.

Der Plan / A Secret

Ich hab mir jetzt einen Monat Zeit gelassen, um darüber nachzudenken, wie es mit diesem Blog weitergehen soll.

Ich danke euch allen sehr für euer Feedback, es hat mir sehr geholfen und das ein oder andere Mal auch deutlich die Augen geöffnet.

Daher hier ohne Umschweife der Plan, was passieren wird:

  • Das Botany Bay Blog (sprich: das hier) wird weiter bestehen.
    Will heissen, ich werde es nicht löschen und man wird bis in alle Ewigkeit (oder zumindest: solange es mich gibt und ich es mir leisten kann) hier nachlesen können, wie das damals war mit Botany Bay, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Die Adresse dafür lautet (weiterhin) blog.botanybay.cc.
    schallundstille.de wird in Zukunft woanders hin führen (aber dazu unten mehr)
  • Auf der Botany Bay Homepage (botanybay.cc) wird man in Zukunft und bis in alle Ewigkeit (s.o.) ausschließlich direkt und ohne Umwege unsere Musik zu hören kriegen. Momentan via Bandcamp, aber solche Sachen können sich ja bekanntermaßen ändern. Wenn ich Zeit und Lust habe werde ich schauen, dass ich unser allererstes Album („Tales Of The Bitter Seed“ aus dem Jahre 1997) auch noch verfügbar mache. Aber das bräuchte dringend neues Mastering und ich hab gerade gar nicht mehr die Hardware für die alten Analog-Mastertapes….
  • Botany Bay selbst bleibt ungeachtet all dessen im Ruhestand. Wobei ich nicht vollkommen ausschliessen möchte, das Projekt irgendwann mit neuen Leuten wieder zu beleben.
  • schallundstille.de (sprich: momentan noch das hier) wird in Zukunft zu meinem eigenen, themenübergreifenden Egoblog. Wo’s um alles gehen wird, was mir so einfällt. Musik, Fotografie, Weltanschauliches, Programmieren, so wie ich gerade Lust habe.
    Zu diesem Zwecke wird es neu starten, und zwar am ersten Mai 2016.
  • Ich arbeite gerade daran, ein neues, schnuckliges, kleines Aufnahmestudio an einer schnuckligen kleinen Location im Siebengebirge aufzubauen.
    Es wird noch ein bisschen dauern, ich muss noch ein paar technische Probleme lösen… aber sowie das getan ist, gibt es ein neues musikalisches Projekt, das hier seine Heimat finden wird, und von dem sicherlich in Bälde etwas zu hören sein wird.
    Und wenn es soweit ist dass das Ding funktioniert, dann habe ich auch gegen alle möglichen collaborations nichts einzuwenden. Nur momentan werde ich meine Energie darauf lenken, das zum Laufen zu kriegen.

Das war’s. Das ist der Plan.

Und für alle die bis jetzt durchgehalten haben, habe ich eine Art Botany Bay Abschiedsgeschenk vorbereitet, und zwar ein Session-Outtake aus der „Grounded“-Periode, das bis jetzt nicht im Netz veröffentlicht wurde.

Das Datum ist irgendwann 2007, die Location ist Lauras alte Wohnung in Aachen, ich sitze am Klavier und sie steht am Mikrofon, und wir versuchen uns gerade nochmal an Take 3 von „A Secret“.

Einen Song, den wir zusammen geschrieben haben, und der davon handelt, wie magisch und kostbar der Moment sein kann, und wie der Moment ein kleines Geheimnis ist… das Geheimnis, warum man weiter macht, immer weiter.

Eben dieses Momentes wegen nämlich.

 

A Secret

What’s it all about?
Wishing dreams were true or simply
Looking for a way
Or someone’s arms to fall into
I know what it’s like
To be lost and to be found
To be scared and all alone
Or to be where the river flows
To know what no one knows
And this is the sound
Of one secret left to keep

A pile of butterflies
Come run right through and set them free
Although one might say
They’re just a heap of autumn leaves
But watch how they fly
Just like sparks in the dead of night
And see how they dance
As the world is fast asleep
And when you hear me laugh
You know it’s the sound
Of the secret I still keep

Laura Dietrich – vocals
Stephan Kleinert- piano

 

Kleine Planänderung

Liebe Leute,

mir ist in den letzten drei Tagen aufgefallen, dass ich mich unglücklicherweise und ungewollt wieder weit von meiner Absicht entfernt habe, meine Musik nur um der Musik willen zu machen und dabei neue Gebiete zu erkunden, zu experimentieren, neue Wege zu beschreiten und einfach ich selbst zu sein.

Stattdessen habe ich (insbesondere mit der Veröffentlichung von „Visionary Man“ einmal mehr) versucht, zu gefallen und die Werbetrommel zu rühren und möglichst perfekte, vermeintlich notwendige Lebenszeichen von mir zu geben und Eindruck zu machen… und war dann überhaupt nicht begeistert, als das Feedback ausblieb.

Ich habe mir aber schon vor langer Zeit geschworen, das nicht mehr so anzugehen… und irgendwie musste ich mich daran wohl erstmal selbst wieder erinnern.

Bitte seid also nicht enttäuscht, wenn ich hier in Zukunft vom Prinzip „Lieder veröffentlichen für Promo-Zwecke“ wieder absehen werde… ich tue dies, damit ich nicht die Lust an der Musik verliere, und damit etwas Neues, Schönes, fernab von den blödsinnigen Zwängen des Gefallen-Wollens entstehen kann.

Ich werde nach einem Weg suchen, euch daran irgendwie teilhaben zu lassen, aber das Auskoppeln von Singles und das zeitweise beinahe verzweifelte Anpreisen derselben auf sozialen Netzwerken kann es nicht sein. Das ist zu sehr mit Überlegungen verbunden („was muss ich machen, damit es gehört wird?“, etc.), die meinem Ansinnen entgegen stehen.

Ich weiss dass ihr das verstehen werdet und ich freue mich sehr über euer ungebrochenes Interesse an Botany Bay. Ich werde es nicht enttäuschen.

Liebe Grüße,
Stephan

P.S.: Ja, vorher stand hier ein anderer Eintrag des mehr oder weniger gleichen Inhalts, der aber einen viel negativeren Tenor hatte und viele meiner Hörer traurig gestimmt hat…  und der zugegebenermaßen in einem Zustand der Frustration abgefasst wurde, in dem ich nicht hätte schreiben dürfen.

Es war aber nie meine Absicht, meine Hörer zu frustrieren. Und es war ebenfalls zugegebenermaßen keine gute Idee, die Kommentarsektion zu schließen.

Also: Ich mache natürlich weiterhin Musik, und ich mache mir auch sehr viele Gedanken darüber, wie ich das Publikum daran teilhaben lassen kann, ohne dass es in den für mich unbefriedigenden Leistungssport „Singles auskoppeln“ ausartet. Wenn jemand Ideen hat, die Kommentarsektion ist wieder eröffnet :)

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Neue Musik: Ein Vorschlag!

Hallo ihr Startup-Gründer, und diejenigen, die es werden wollen!

Letzte Woche, beim Schreiben meines Artikels über die Entstehung von „The Crow Song“, ist mir eine Geschäftsidee gekommen. Und zwar ist diese Idee nicht mal wirklich neu, sondern es gab sie schon einmal, und das Ergebnis war so erfolgreich, dass es  (so zumindest meine Vermutung) mit Absicht aufgekauft und zugrunde gerichtet wurde.

Aber ich beginne von vorne: Das Problem mit neuer Musik von neuen (oder auch alten) Künstlern ohne Promo-Company, bzw. von CC-lizenzierter Musik ist ja immer noch: Man findet sie nicht.

Es gibt zwar Plattformen im Netz, wo man seine Musik zum Download zur Verfügung stellen kann (Bandcamp, Grooveshark, Soundcloud, und wie sie alle heissen…)… und es gibt Seiten wie Jamendo und Restorm, die sich das Entdecken von CC-lizenzierter Musik auf die Fahnen geschrieben haben.

Das Problem ist nur: Bandcamp & Co. stellen größtenteils einfach nur die Infrastruktur zum Hochladen, Vertreiben und Downloaden zur Verfügung. Ja, sie haben auch ein bisschen Community weil man das im Web 2.0 so haben muss, aber wirklich Neues entdeckt man dort nicht, es sei denn, man weiss ganz genau, was man sucht… und dann ist es auch nicht mehr neu.

Jamendo hingegen war zwar vor langer Zeit einmal eine sehr vielversprechende Angelegenheit, wurde aber nie weiter- sondern ausschließlich zurückentwickelt, und ist insbesondere in seiner letzten Inkarnation nur noch ein Witz. Ich meine, es ist zwar sicher ganz gut zu wissen, wo ich die neuesten House-Tracks von Professor Cliq runterladen kann (oder, wenn ich zufällig ein Foltergefängnis leite, wo ich 47.372 schlechte Kopien davon herbekomme), aber dazu braucht es nicht unbedingt eine eigene Plattform.

Und Restorm hat nie richtig funktioniert und ist jetzt pleite.

Woran sich in diesem schnelllebigen Neuland hier vermutlich kaum jemand erinnern kann: Es gab schon mal eine Plattform, auf der das Entdecken von neuer Musik und der Austausch von Künstlern untereinander und Künstlern mit ihrem Publikum enorm gut funktionierte.

Und die nannte sich garageband.com (der Link geht inzwischen zu Apple, also spart euch einen Besuch dort).

Zu seinen Glanzzeiten warb garageband.com mit Sir George Martin und anderen Producer-Grössen… und zwar, weil die Idee einfach wirklich verdammt gut und revolutionär war, und überdies auch noch funktionierte.

Sir George Martin versprach nicht zu viel. Das war vermutlich auch der Grund, warum garageband gehen musste.
Sir George Martin versprach nicht zu viel. Das war vermutlich auch der Grund, warum garageband.com gehen musste.

Die Idee war die folgende: Bands und Solokünstler können ihre Musik auf garageband.com hochladen und von anderen Personen besprechen lassen. Jeweils 20 Besprechungen erkaufen einem das Recht, selbst einen Song hochzuladen und besprechen zu lassen (alternativ dazu konnte man auch einfach was zahlen).

Zum Besprechen konnte man zunächst die Genres angeben, in denen man gerne Rezensent sein wollte. Man bekam dann per Zufallsprinzip verschiedene Songs vorgespielt (anonymisiert, so dass man erstmal nicht wusste, worum es sich handelt… und die man erst nach drei Vierteln ihrer Laufzeit überspringen konnte… so wurde sicher gestellt, dass man sich mit den Songs wirklich beschäftigt) und musste dann Sterne in verschiedenen Kategorien vergeben, sowie eine Freitext-Rezension mit mindestens x Wörtern schreiben.

Und damit die Besprechungen ein hohes Niveau hielten und sich auch wirklich mit den Songs beschäftigten, wurden ihre Qualität wiederum auch per Zufall von den Usern bewertet.

Das Ganze war ein verdammt ausgeklügeltes System, das verdammt gut funktionierte. Es funktionierte so gut, dass es im Jahre 2007 von myspace/iLike (kennt die noch jemand?) gekauft und direkt danach sterben gelassen wurde.

Was lief also falsch bei GarageBand?

Gar nichts.

Man ließ sich nur von den falschen Leuten kaufen, aus welchem Grund auch immer.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Ich erlebte nie wieder so viel Austausch mit Musikern und Nichtmusikern im Internet, wie damals zu den Zeiten von garageband.com. Und ich lernte nie wieder im Internet so viel interessante und neue Musik kennen. Und insbesondere Jamendo erscheint im direkten Vergleich mit garageband.com nur noch lächerlicher als es eh schon ist.

Es gab dort einfach alles. Eine lebendige Szene, eine lebendige Diskussionskultur, und grenzenloses Entdecken.

Tja, und das ist mein Vorschlag: Ein GarageBand-Klon, ebenso auf Nichtmusiker und Community zugeschnitten, wie auf Musiker und deren Austausch untereinander.

Klar, es wird von den Clowns bei Vox kein Geld für diese Idee geben, und es werden erstmal sehr viele Stimmen laut werden, welche die Sinnhaftigkeit der Unternehmung in Frage stellen werden („es gibt doch schon so viel Musik, wer soll das hören?“, „aber Spotify ist doch viel cooler und dort ist auch Justin Bieber“, und so weiter und so fort…)

Aber wenn es klappt, dann wird in ein paar Jahren Facebook (oder welche Plattform bis dahin auch immer in den Diensten der Musikindustrie steht) anklopfen und den Laden unbedingt kaufen wollen.

Und wäre es nicht total genial, dann einfach „Nö“ zu sagen?

Also, wer hat Interesse? Ich würde investieren. Und wir würden vermutlich auch noch andere finden, die das tun würden…

Ich

(Achtung, es wird egozentrisch und ausufernd. Muss jetzt aber mal sein. Wer damit nicht klar kommt oder es nicht lesen will: Mir egal.)

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Ich bin wieder da.

Ich schreibe ganz bewusst „Ich“, denn ich war es, der vor beinahe 10 Jahren den ersten Eintrag dieses Blogs verfasst hat. Und ich war es, der vor beinahe 20 Jahren dieses Projekt aus der Taufe hob.

Mit der Zeit gewann ich Mitstreiter und Weggefährten, mehrere Male wurde das „Ich“ zu einem „Wir“, und es entstanden dabei Freundschaften. Und mehrere Male zerbrachen diese Freundschaften wieder; wegen unterschiedlicher Vorstellungen, oder weil man sich auseinandergelebt hatte… so wie das nun mal oft im Leben ist.

Manchmal aber ist die Grenze vom „Ich“ zum „Wir“ nicht so einfach zu ziehen, und mehrfach in meinem Leben (nicht nur in der Musik, sondern in allen möglichen Belangen) habe ich den Fehler gemacht, diese Grenze zu leichtfertig und zu großzügig auszulegen. Weil ich unbedingt das „Wir“ wollte. Weil ich unbedingt Gemeinschaft und Freundschaft wollte, und in diesem Rausch vollkommen übersah, dass die andere Partei diese Gemeinschaft und Freundschaft lange nicht als so gemeinschaftlich und freundschaftlich empfand wie ich.

Ich kann mir durchaus vorstellen, woher das kommt.  Wenn man unbedingt tiefenpsychologisches Blabla anwenden möchte, dann kommt man irgendwann mit Sicherheit bei meiner verkorksten Kindheit an, in der ich lange Zeit ohne Freundschaften und Gemeinschaft auskommen musste, und mir umso sehnsüchtiger welche wünschte. Und diese Sehnsucht, ein Teil der drei ??? oder fünf Freunde oder TKKG oder was auch immer zu sein, die hörte eigentlich nie so richtig auf.

Auch bei Botany Bay nicht.

Und so kam es leider insbesondere in der letzten Botany-Bay-Inkarnation dazu, dass ich sehr oft „Wir“ schrieb, als ich in Wirklichkeit „Ich“ hätte schreiben sollen. Und, noch viel schlimmer, dass ich oft tage- und wochenlang darauf wartete, dass „wir“ etwas tun, wenn eigentlich „ich“ etwas hätte tun müssen, weil es ein „wir“ schon lange nicht mehr gab.

Klar, das klingt jetzt sehr nach Vorwurf und eingeschnappt (und vielleicht ist es das sogar ein ganz kleines bisschen; daher hier an diejenigen die sich angesprochen fühlen: Ja, wenigstens ein ganz klitzekleines „tut mir leid“ hätte ich echt sehr nett gefunden), aber hauptsächlich ist es mir sehr wichtig, festzustellen, dass ich zum großen Teil einfach selbst schuld bin und dass ich mich bemühen muss (und werde), den gleichen Fehler nicht noch mal zu machen.

Mit dem Abbruch der Arbeiten am letzten Album ist auch die zugehörige Besetzung Geschichte, und ich fange mit neuen Leuten, genauer gesagt, einer neuen Sängerin, ganz von vorne an. Und dieser neue modus operandi bringt ein paar Änderungen mit sich:

  • Die Band ist zunächst mal wieder ein reines Studioprojekt ist, wie ganz am Anfang, vor beinahe 20 Jahren: Es gibt mit der wunderbaren Nadine Wahl eine Sängerin, die (logischerweise) singt… und es gibt mich, der alles andere macht. Und wenn es sich ergibt, wird es auch Gäste geben. Ich werde aber niemandem mehr leichtfertig das „wir“ anbieten, solange ich mir der Sache nicht hunderttausendprozentig sicher bin.
  • Ich werde wieder mehr bloggen, weil ich mich mit niemandem mehr absprechen muss, ob „wir“ das so überhaupt sagen können oder dürfen, und ob das „unsere“ Meinung ist oder nicht.
  • Ich werde meine Songs wieder vermehrt über weltanschauliche und politische Themen schreiben, die mir wichtig sind. In der Vergangenheit ist das in den Hintergrund getreten, weil „wir“ da teilweise große Unterschiede hatten, und weil es mir so wichtig war, dass „wir“ alle Berücksichtigung finden.
  • Die Facebook-Fanpage wird dicht gemacht. Facebook nimmt Künstler wie mich in Geiselhaft, indem einem der anfängliche Aufbau einer Fanbase leicht gemacht wird, danach die Sichtbarkeit aber nur gewährleistet ist, wenn man dafür teuer bezahlt („schöne Fanbase hast Du da, wäre doch schade, wenn kein Schwein Deine Einträge liest, weil wir sie nicht anzeigen, oder?“).
    Ich sehe es überhaupt nicht ein, Mark Zuckerberg und seine Aktionäre dafür zu bezahlen, damit meine Fans mitbekommen, dass ich meine teuer produzierte Musik mal wieder verschenke. Für „uns“ war so ein Schritt viel zu krass, aber mir persönlich kann Facebook den Buckel runterrutschen.
    (Natürlich wird es jede Menge Infos weiterhin hier an dieser Stelle geben, und auch auf Diaspora.)
  • Es wird wieder mehr Musik zu hören geben. Ach als Demo-Versionen und im Entstehen begriffenes…
  • und in dieser Musik wieder mehr Klavier & Keyboards & seltsame antike Synthies. Ich spiele zwar auch Gitarre, aber wesentlich lausiger als Tasteninstrumente…
  • Ich werde das mit den Gruppenfotos wieder zurückfahren. Es geht um die Musik, nicht um Personen. Deshalb wird es auch solche Postings wie das hier in Zukunft nicht mehr so oft geben. Es war mir nur wichtig, mir das mal von der Seele zu schreiben. Das ist hiermit geschehen.

Und jetzt: endgültig Schwamm über die alten Geschichten, und den Blick in die Zukunft gerichtet.

Mehr über die Musik folgt demnächst.

Und die neue Musik selbst natürlich auch.

Ich weiss, hier am Blog ist auch einiges zu richten, es funktioniert einiges nicht mehr und man kommt nicht mehr an die Lieder ran (es war ein Fehler, auf restorm.com zu setzen… naja, hinterher ist man immer schlauer)… ich kümmere mich darum.

Bis demnächst!

Die Wahrheit… und Sebastian

(tl;dr: Steffi ist als feste Sängerin ausgestiegen, die anderen haben keine Zeit oder kein Interesse oder was auch immer… und ich, Stephan, habe einfach keine Lust mehr, das Schiff schon wieder allein schaukeln zu müssen… und es gibt drei letzte, neue Songs)

Liebe Botany-Bay-Fans und sonstige Leser dieses Blogs,

es hat ja keinen Sinn, sich und der Welt was vorzumachen. Es hat sich im vergangenen Jahr so einiges ereignet, was dafür gesorgt hat, dass wir mit unserem neuen Album nicht wesentlich weiter sind als bei unserem letzten Update.

Wenn ich den aktuellen Zustand in die Zukunft projiziere, so muss ich leider gestehen, dass ich nicht glaube, dass sich daran gross etwas ändern wird… und es ist die Zeit gekommen, Botany Bay, so wie es jetzt ist, aufzugeben und neue Wege zu gehen.

Aber der Reihe nach:

Nachdem vorletztes Jahr mein Vater gestorben war, ging es meiner Mutter sehr, sehr schlecht, und sie gab sich letztes Jahr alle Mühe, ihm möglichst schnell hinterher folgen zu können. Zum Glück hat sie das nicht geschafft, und ich werde hier nicht weiter ins Detail gehen (‚Addiction/RedEarth‚ geben allerdings eine ungefähre Vorstellung vom generellen Feeling), aber auf jeden Fall war es eine unglaublich beschissene Zeit mit etlichen Krankenhausaufenthalten, die sich alle wie ein Besuch in der Hölle anfühlten.

Später im Jahr verlor ich dann betriebsbedingt meinen Job (niemand möchte für Apps und schon gar nicht für Spiele zahlen, niemand möchte Werbung sehen, und alle wollen immer alles umsonst, um nur mal ein paar Gründe aufzuzählen) und durfte mir einen neuen suchen. Das war nicht wirklich ein Weltuntergang, aber es nahm ne Menge Energie aus Botany Bay, und natürlich sind immer ne Menge Ängste und Unsicherheiten mit so einer Suche und Umorientierung verbunden. Bei United Toy war ich CTO gewesen, hatte einen großen kreativen Spielraum und konnte mir meine Arbeit frei einteilen. Es würde nicht einfach werden, wieder in einem ’normalen‘ Job Fuß zu fassen und mir meine Freiheiten zu bewahren… nicht der ideale Nährboden, um Musik zu machen.

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde unsere geliebte Tia schwer krank, was später im Jahr darin gipfelte, dass wir sie gehen lassen mussten. Ich habe an anderer Stelle schon viel über Tia geschrieben, was ich hier nicht alles wiederholen muss; nur so viel: Sie war ein ganz besonderes Wesen, sie war unsere beste Freundin, und es war sehr schwer, sie zu verlieren.

Ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt wurde Felix, unser Bassist, Vater. Yeah, endlich mal etwas Positives, und an dieser Stelle nochmals meine allerherzlichste Gratulation! Trotzdem sorgte natürlich auch dieser Umstand nicht unbedingt dafür, dass wir öfter Musik machen konnten.

Marius, unser Gitarrist, hatte zu diesem Zeitpunkt einen Job über den ich hier nichts schreiben soll, ausser dass er dazu geführt hat dass er so gut wie nie Zeit hatte und lange nicht so oft am Start war wie es für ein Vorankommen nötig gewesen wäre.

Und das alles erklärt dann endlich auch, warum „Gegen die Zeit“, unsere letzte Veröffentlichung zugunsten der DKMS, ausschließlich aus Steffi und mir besteht: Erstens waren die Jungs schlicht und ergreifend nicht verfügbar, und zweitens ließ Tias Zustand es nicht mehr zu, hier auf der K-Burg großangelegte Sessions mit zig hundert lauten, ungestimmten Instrumenten und Kabeln zu veranstalten; das hätte alles nur noch schlimmer gemacht.

 

Tia wurde genau einen Tag nach der letzten Session eingeschläfert (und das wiederum erklärt, warum ich auf dem Video, das eine Woche später entstand, genau so fertig-mit-der-Welt aussehe, wie ich es auch tatsächlich war).

Tja, womit wir bei „Gegen die Zeit“ angekommen wären. Tatsächlich war dieses Lied nicht nur unser Beitrag für die DKMS, sondern es war irgendwo auch mein Abschiedsgeschenk an Steffi, und Steffis Abschiedsgeschenk an unsere Fans. Denn Steffi ist bereits seit einer ganzen Weile als feste Sängerin bei Botany Bay ausgestiegen. Wir wollten das erstmal nicht öffentlich machen, aber nachdem jetzt eh nix mehr voran geht scheint mir die Zeit dazu gekommen zu sein.

Langjährige Fans werden sich jetzt vielleicht an die letzte große Trennung im Jahre 2009 erinnern, damals war es Laura Dietrich, die ihren Abschied bei Botany Bay nahm, und die vorher sowas wie das stimmliche und wohl auch optische Aushängeschild von Botany Bay geworden war. Aber da muss ich gleich ganz energisch dazwischen grätschen, denn die beiden Trennungen haben so gut wie nichts miteinander zu tun.

Zum einen sind Steffi und ich weiterhin eng miteinander befreundet (ansonsten hätten wir kaum auf den letzten Metern und allen Umständen zum Trotz noch mal sowas wie ‚Gegen die Zeit‘ rausgehauen), und zum anderen möchte Steffi sehr gern als Gastsängerin auch weiter dabei sein. Nur sorgen Dinge in unserer beider Leben sowie musikalische und weltanschauliche Differenzen dafür, dass wir uns mehr gegenseitig bremsen als wir uns gut tun. Und Steffi möchte einfach mal sich selbst finden und entdecken und selbst Singer/Songwriter sein und weiter kommen als man es in meiner kaputten Band momentan tut, und das gönne ich ihr irgendwo von ganzem Herzen.

Und so sieht es jetzt aus: Felix ist mitten im heftigsten Elternstress, Marius hat (gottseidank) einen neuen Job der ihm allerdings sehr viel abverlangt, weswegen wir uns auch weiterhin kaum mal sehen, Steffi ist als festes Mitglied ausgestiegen und ich bin mehr oder weniger gerade alleinverantwortlich für Botany Bay.

Stephan

Im Klartext heisst das, ich hab hier ein zu 60-75% fertiges Album mit wirklich den allerwunderschönsten und eindringlichsten Songs, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, und die die letzten zwei Jahre über alllesamt unter teilweise sehr heftigen Bedingungen (der Tod meines Vaters ist nur ein Beispiel dafür) entstanden sind. Und momentan sieht es so aus, als ob hauptsächlich ich allein für dieses Vermächtnis verantwortlich bin; und dafür, es fertig zu kriegen.

Und dazu habe ich gerade weder die Lust noch die Kraft, so leid es mir tut.

Ich weiß, das war alles schon mal anders.

Als wir 2004-2007 „Grounded“ aufnahmen, da war die Welt echt, wirklich und in ziemlich brutaler Weise gegen uns. Alles was schief gehen konnte, das ging auch schief. Wir wurden ausgelacht, ignoriert, unsere Instrumente wurden weggesperrt, wir wurden auf die Straße gesetzt, und niemandem (und damit meine ich: 0 Personen) ausser den unmittelbar Beteiligten (und das war lange Zeit nur ich) war das Projekt irgendwas wert. Und trotzdem hab ich’s durchgezogen, ich hab das Album fertig produziert, trotz allen die mich nicht unterstützt haben, trotz der Existenzängste die ich damals durchleiden musste, trotz allen Kollegen/Freunden/Lebensabschnittspartnern die’s nicht kapiert haben und die mir gesagt haben ich soll mein Leben nicht daran vergeuden… und ich bin irrsinnig stolz darauf.

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Und als sich 2009 dann Laura und ich in beiderseitigem Einverständnis endlich trennten, da waren einige (nicht viele, aber genug davon, dass es mich echt genervt hat) überzeugt davon, dass das jetzt das Ende ist. Dass es jetzt nicht mehr weiter geht, dass es ohne diese Stimme nicht weiter gehen könne. Ähem, schön, ja, hatte schon mal jemand mitgekriegt dass ich 90% der Songs allein geschrieben, produziert und arrangiert hatte? Nee, anscheinend nicht. Also musste ich mich mal wieder beweisen, und genau das habe ich auch getan (und, nein, unser allmählicher stilistische Wandel kam nicht davon, dass Laura nicht mehr mitschrieb; er kam davon, dass wir die Lust und die Möglichkeit hatten, das genau so zu tun; und auch Laura und ich hatten schon unsere triphoppigen und souligen Ausflüge gehabt…) Also kam Steffi dazu, und mit der Zeit allerlei andere neue Gesichter, und wir haben zusammen ein super geniales Botany Bay V2 hochgezogen, das sich vor Botany Bay V1 nicht im geringsten verstecken muss… Steffi und Felix und Marius und ich… und auch hier bin ich irrsinnig stolz darauf.

Und jetzt? Jetzt könnte ich anscheinend wieder mal der Menschheit und mir irgendwas beweisen, aber ich mag nicht und ich brauche auch nicht. Ich habe schon genug bewiesen. Ich habe der Welt viele, viele Stunden schöne Musik geschenkt, ich habe zwei verdammt schlimme Jahre hinter mir, habe meinen Vater, beinahe meine Mutter, meinen Job und zuletzt auch noch die Tia verloren… ich sehe nicht, warum und wie ich jetzt auf Teufel komm raus mehr oder weniger im Alleingang dieses Album fertig stellen soll. Ich bräuchte Hilfe dazu, und wenn ich die nicht kriege, gut, dann eben nicht.

Klar, es sind tolle Songs und es ist sehr, sehr schade um sie, und ich habe mir immer wieder vorgestellt wie wir im Frühjahr in einem Schiffchen auf dem Rhein eine große Premierenparty feiern und alles toll und wunderschön und genial wird… aber ich hab so viel hinter mir, dass ich gerade mal wirklich froh bin wenn ein paar Monate lang niemand stirbt und niemand krank wird und ich ein regelmäßiges Einkommen habe. Und die Enttäuschung, dass ich jetzt schon wieder allein alles regeln soll, die spielt natürlich auch eine große Rolle. Ich hab einfach keine Lust hier allein zu kämpfen, nur damit gekämpft ist, und mir am laufenden Band die Enttäuschung zu geben dass ich doch nur allein dastehe.

So ist es jetzt also. Es geht nicht weiter, so sehr ich es mir auch wünschen würde, und jedes Appellieren oder Hoffen meinerseits ist einfach nur frustrierend, weil es im Zweifelsfall weitere unzählige Wochen Stillstand zur Folge hat. Selbst diesen bescheuerten Artikel hier so abzusetzen dass er für alle vertretbar ist und mal eben die drei Songs fertig abzumischen war nicht möglich, ohne es erstmal zwei Wochen lang zu planen und dann doch nicht zu machen.

Deshalb: Botany Bay in der Besetzung Steffi/Marius/Felix/ich und dieses Album sind hiermit Geschichte.

Vielleicht wird sich daran irgendwann etwas ändern, vielleicht sind irgendwann auch die anderen wieder dabei… aber zu behaupten, wir kriegen dieses Album irgendwie noch fertig oder machen alle zusammen irgendwas anderes ganz tolles, das wäre falsch und würde niemandem etwas bringen, ausser uns (->mich) unter Stress zu setzen.

bbSebastian2

Aber als kleines Geschenk vor der Eiszeit möchte ich mit euch gerne drei der Lieder teilen, die tatsächlich fertig geworden sind. Eines davon, das erste, heisst „Sebastian“, und obwohl es eigentlich um etwas ganz anderes geht, und obwohl es geschrieben wurde, als wir noch eine durchaus funktionsfähige Band waren, beschreibt es irgendwie doch auch auf wundersame und prophetische Weise den Zustand, in den wir uns reinmanövriert haben.

Sebastian
You know it’s strange, people’s minds
Working miracles sometimes
They might give you wings
They might make you fly
And sometimes you notice
But most of the time
You don’t even try
Please tell me it ain’t so
Please tell me there’s a way
A way that you can see
And that you still believe
Please tell me you’ll wait
Where the river meets the sea
And that if I lose my way
That you’ll come back for me
Sometimes it’s hard
All by yourself
Cause you put your dreams
Back into the shelf
Can’t hear the voices
Although you try
And sometimes you catch them
But most of the time
They’re just passing by
Please tell me it ain’t so…

 

Ich habe mir die vergangenen Wochen sehr gewünscht dass wir abgeholt werden von diesem seltsamen Ort, an dem wir irgendwie verloren gingen. Aber irgendwie werde ich den Weg zurück wohl allein finden müssen.

Ich melde mich, wenn ich dort bin.

P.S.: Was mich persönlich betrifft, ich werde natürlich weiterhin Musik machen. Ich kann gar nicht ohne, deshalb frustriert mich dieser ganze Scheiß auch so ohne Ende. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das unter dem Namen Botany Bay laufen wird, oder ob ich ein neues Projekt gründen werde; es wird auf jeden Fall wieder was zu hören geben, wenn auch nicht unbedingt hier. Die Zeit wird es zeigen.

P.P.S.: „Sebastian“ hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung. Es geht um keine reale Person die „Sebastian“ heisst… es geht vielmehr um eine Person die stellvertretend für viele Menschen ist, deren wilde Träume mit der Zeit auf der Strecke bleiben, weil das die einzige Möglichkeit ist, mit diesem verdammten Leben fertig zu werden und sich anzupassen… obwohl sie so schön, beneidenswert und einzigartig gewesen waren… und über die Hoffnung, dass niemals alles verloren ist.

Don’t Fuck The Audience

Die Entscheidung, unser nächstes Album ausschließlich für uns aufzunehmen und auf fb-likes, Vermarktbarkeit, Anzahl der Twitter- und Facebook-Fans, Klicks und  Überlegungen zur Marktpenetration ab sofort nicht mehr zu achten, bringt ein paar ganz nette Annehmlichkeiten mit sich.

Zum Beispiel die, dass wir uns sehr entspannt zurücklehnen und mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein Spiel beobachten können, zu dem wir nicht gehören wollen und in dem wir nicht stattfinden werden. „Don’t Fuck The Audience“ weiterlesen