Denk ich an Deutschland in der Nacht…

Ich hätte ja gute Lust, als nächstes Botany-Bay-Projekt ein Konzeptalbum über den Untergang Deutschlands zu machen… nee, nicht wirklich, aber trotzdem:

Nehmen wir mal an, es gibt irgendwo auf dieser Welt ein Land, und in diesem Land lebte einmal ein einflussreicher Politiker. Die Partei dieses Politikers fuhr das Land bis kurz vor den wirtschaftlichen Abgrund und wurde dann – immerhin in einem demokratischen Prozess – endlich abgewählt.
Im Nachhinein kamen eine Menge unschöne Dinge über diese Partei ans Tageslicht, und so wurde auch die Verstrickung eben jenes erwähnten Politikers in eine der zahlreichen Parteispendenaffären aufgedeckt… unser Held hatte illegale Parteispenden von einem dubiosen und per Haftbefehl gesuchten Waffenhändler angenommen. Im Rahmen der Ermittlungen log der Politiker die Öffentlichkeit und den Untersuchungsausschuss ungeniert an und kam damit davon, unter anderem, weil eine weniger wichtige Kollegin für ihn geopfert wurde, die angeblich an allem schuld war.

Inzwischen sind acht Jahre vergangen, und der erwähnte Politiker ist erstaunlicherweise wieder an der Macht. Zwar nicht vollständig, aber wieder in einer immens einflussreichen Position. Und nicht nur das, er ist drauf und dran, die Verfassung seines Landes zum Zweck der “Terrorbekämpfung” gerade so zu ändern, wie es ihm in den Kram passt… die Überwachung auszuweiten, die “rechtliche Frage” beim präventiven Töten von Verdächtigen zu klären, das staatliche Ausspionieren von privater Kommunikation per Computervirus zu legalisieren, undsoweiter undsofort.

Wenn man das so hört, dann muss man sich eigentlich denken: “Ja ja, die haben echt Probleme da unten… aber irgendwann gibt’s bei denen auch mal ne saftige Revolution und alles wird wieder gut”

Nur dummerweise handelt es sich beim beschriebenen Staat nicht um Weißrussland und auch nicht um irgendeine Bananenrepublik in Südamerika, sondern um die gute alte Bundesrepublik Deutschland.

Was Schäuble sich erdreistet, an krankhaften Ideen in die Öffentlichkeit auszuscheiden, ist einfach nur widerwärtig. Warum darf dieser Mensch auch nur den Vorschlag machen, das Grundgesetz zu ändern, und warum darf ich es nicht? Muss ich erst eine Bank ausrauben oder jemanden umbringen oder vor dem Bundesgerichtshof eine gesalzene Falschaussage machen, damit ich mich zu dem Kreis jener erlauchten Verbrecher zählen darf, die an den eh schon äußerst wackeligen Stützen unserer Verfassung sägen dürfen?

Ich versuche ja apolitisch zu sein, allein aus dem Grund weil man gar nicht so viel fressen kann wie man kotzen möchte, wenn man sich mit alledem ein bisschen näher beschäftigt. Aber Schäuble ist echt zu arg.

Sorry, das alles hat natürlich mal wieder überhaupt nichts mit dem neuen Album zu tun. Aber dazu gibt es nicht allzuviel zu berichten. Der Mix ist fertig, und ich warte auf die Cover-Illustrationen. Hm, vielleicht hätte ich meinen Fotografen nicht sagen sollen, dass sie sich ruhig Zeit lassen können…
Die Premiere ist weiterhin geplant, und zwar für Ende August, Anfang September… ein genaueres Datum kann ich leider noch immer nicht nennen, dazu muss Laura erstmal aus dem Urlaub zurück sein und wir müssen uns mal damit auseinandersetzen, wie wir das am besten auf die Beine stellen…
Aber da ich mit einem fertigen Album nicht einfach aufhören kann, Musik zu machen, werden ganz sicher in den nächsten Wochen noch ein paar neue Sachen das Licht der Welt erblicken… insofern, stay tuned…

Endlich Ferien, endlich Zeit…

…zum Fotos von Karte in Computer Laden (voilà)
…zum Musik Ausdenken, Weiterdenken und richtig Anhören
…zum Nachdenken
…zum Stadt und Umgebung mal mit offenen Augen Ansehen
…zum irgendwohin Fahren und freuen
…zum Verreisen und noch mehr sehen und freuen
…zum Singen
…zum gesungenes Aufnehmen
…zum falsch gesungenes Korrigieren
…zum Blogbeiträge Schreiben (voici)
…zum Überlegen, was man noch so alles machen könnte…
…zum Beispiel Aufräumen und Putzen

…hrgs…

in kleinen Dosen zumindest.

Hier also die Fotos, die ich bei der Session geschossen habe- auch hier ein schwer arbeitender aber nicht singender Stephan. Außerdem sieht man ein bißchen, warum bei den Aufnahmen in Stephans Wohnung künftig nicht mehr so verschwenderisch mit den reverb-effekten umgegangen werden muss…

Außerdem habe ich dokumentiert, wie spartanisch man den leckeren Rhabarberfladen aus Aachen aus der Nobelbäckerei Nobis verspeisen kan- mangels Tisch…

Jetzt reise ich erstmal an der holländischen Grenze entlang nach Norden, wo Morgen ein großer doppelter 30ster Geburtstag steigt…und hoffe auf das große musikalische Showdown nach meiner Österreichreise im Juli!!!

Bis dann,
Eure Laura

Der 4000. Besucher…

…war vorhin auf diesen Seiten und hat, wie könnte es anders sein, nach “Diamantwasser” gesucht (die anderen Möglichkeiten sind, nach Reihenfolge der Beliebtheit “WM Porno”, “Stoiber” und ganz auf den hintersten Plätzen “Botany Bay”, “Stephan Kleinert”, “Laura Dietrich” und/oder “Musik”, obwohl diese vier Suchbegriffe wirklich so gut wie überhaupt nicht vorkommen).


Tja, leider ist er/sie da wohl nicht fündig geworden, denn es geht hier – sicherheitshalber möchte ich es nochmal erwähnen – keinesfalls um Esoterik-Verarsche als vielmehr um wunderschöne Musik, die in den letzten vier Jahren aufgenommen wurde und nun endlich zu einem Album wird… aber trotzdem herzliche Gratulation. Ich würde die/denjenigen auch gern zu einem DW-Einlauf einladen, aber leider ist das Internet eine so anonyme Angelegenheit, dass das wohl kaum möglich sein wird.

Demnächst gibt’s auch wieder mehr über die Musik; nur soviel schonmal: Die Vorbereitungen für Booklet-Gestaltung und -Druck sind in vollem Gange.
Und weil Annelen so schön gefragt hat: Nein, ich kann leider keine Vorversionen verbreiten, sonst kommt ja niemand mehr zur Premiere und ne Überraschung ist es dann auch nicht mehr ;-) Aber bald, bald ist es so weit. Und vorher wird’s hier auch noch was Neues zu hören geben.

Der Bericht aus Bonn…

(kennt den noch jemand? Das war der Titel einer wöchentlichen Reportage-Sendnug, als Bonn noch Hauptstadt war und Kohl uns noch nicht die Wiedervereinigung beschert hatte…)

anyway.

Ziemlich genau einen Monat hat es jetzt gedauert, bis ich einen funktionierenden DSL-Anschluss hatte… eine Menge Zeit in der eine derartige Menge Dinge geschehen sind, daß es beinahe aussichtslos erscheint, hier in der gebotenen Sorgfalt darüber zu berichten ;-)

Steph wohnt jetzt also in Bonn. Im Meisengarten in Mehlem, um genau zu sein. Faszinierend. Und er ist fulltime Softwareentwickler und schreibt Mac OS X-Software. Auch faszinierend.

Vollzeit bedeutet natürlich, dass ich mir meine nun wesentlich weniger vorhandene Freizeit vernünftig einteilen muss. Am Anfang habe ich befürchtet, ich würde mit dem Album jetzt gar nicht mehr vorankommen, aber das Gegenteil ist erstaunlicherweise der Fall: Bin hier jede Menge mit dem Mastering der schon fertigen Tracks und mit dem Aufnehmen von ein paar neuen Interludes beschäftigt, “Little Princess” mit Jeff ist jetzt fertig, und “Moon Child” wurde in Bonn gar vollkommen neu aufgenommen. Kommt jetzt wesentlich düsterer, und meine fünf beinahe identischen VL70-Soli sind jetzt anderen mysteriösen Dingen gewichen… mehr hätte ich in HD in der gleichen Zeit vermutlich auch nicht hingekriegt.

Naja, zum Album werd ich in den nächsten Tagen wieder mehr schreiben (und ne neue Session mit Laura steht auch ins Haus, wir sind ja jetzt quasi eine NRW-Band… :-) ) Und dass ich meine Freunde aus Heidelberg vermisse, ganz ganz riesig arg vermisse sogar, das muss ich hoffentlich nicht extra noch schreiben… doch, muss ich: Ihr fehlt mir! Ich hoffe auf viele schöne Besuche in beide Richtungen.

Trotzdem, jetzt mal schön der Reihe nach Fotos von Stephans ersten Schritten in Bonn…

Stephan und seine tapferen Umzugshelfer (1)
(Steffi gehört natürlich auch dazu,
aber sie hat die Fotos gemacht und ist deshalb nicht mit drauf)

Stephan und seine tapferen Umzugshelfer (2)

Stephan und seine tapferen Umzugshelfer (3)
Das erste Frühstück im sonnigen Bonn…

Tage später… Steph allein auf Erkundungstour bei Wachtberg:




Ei, was ist denn das da hinten in den Bergen?

…sieht ja beinahe so aus, als ob die Chance bestünde,
dass in Bonn ein paar Leute bei meiner Musik ganz genau hinhören werden…
…yippie, endlich…

Abendstimmung am Rhein (ca. 100 Meter von meiner Wohnung entfernt)


der Blick aus meinem Fenster

Die Rheinauen in Bonn sind nicht wirklich mit denen in Karlsruhe vergleichbar. Es handelt sich nicht um ein verwildertes, urwüchsiges Naturschutzgebiet sondern eher um einen gepflegten Park; wo’s hier verwildert und urwüchsig zugeht muss ich erst noch rauskriegen… trotzdem, ist recht hübsch dort:



…und
zurück zu meinem Wohnzimmerfenster:

die Krähe wohnt wohl in einem der Bäume vor meinem Fenster und war auch beim Abmischen der Album-Version vom “Crow Song” da :-) Ich find’s sehr schön dass die da ist, und wer “The Crow Song” hört, der wird auch verstehen warum…

Noch ein paar Impressionen aus der Bonner Altstadt, mehr davon wird sicher demnächst auf den einschlägigen Foto-Seiten auftauchen, auf denen ich mich so rumtreibe



und nochmal Wachtberg, die zwei Bilder sind auf der Fototour mit Anna (die mich letztes WoE besucht hat) entstanden…


So, das war’s erstmal von mir. Ich lebe noch, und ich bin weit davon entfernt die Musik oder sonstwas aufzugeben ;-) Demnächst mehr. Versprochen.

Time keeps moving on…

Eingekeilt zwischen Umzugskartons und verstaubten Erinnerungen bleibt mir gerade die Zeit, mal das Psychogebabbel ein wenig nach unten zu rücken und ein paar Updates zu unserem Projekt loszuwerden.

Ganz zum Schluss haben wir noch drei absolute first-times zu vermelden.

Als erstes wäre da unser letzter Gastmusiker-Neuzugang Jeff Roberts zu nennen, mit dem ich vorgestern die definitive Version von “Little Princess” aufgenommen habe. Das Stück hat jetzt mit dem Demo vor drei Jahren so gut wie überhaupt nix mehr zu tun und klingt verdächtig nach Botany Bay goes Velvet Underground ;-) Jeff ist ein sehr cooler Musiker, ein furchtbar netter Mensch und es ist richtig schade, dass ich ihn erst ganz zum Schluss meiner Heidelberg-Zeit kennengelernt habe.

Zweite Neuerung: Vor einer Woche schon haben Laura und ich unser erstes Lied mit französischem Text aufgenommen, und dabei auch gleich den allerersten echten “(Kleinert/Dietrich)” auf dieser Platte produziert. “Tu m’as dit” ist ein sehr schönes kleines Liedchen geworden, klingt wie Frankopop der 80er Jahre (bis auf die Brachialgitarren in der Mitte) und somit genau richtig :-)

Und zu guter letzt haben wir jetzt einen Kinderchor für “Two Little Kittens Can’t Help It”…! Laura hat in Aachen eine Grunschulklasse für Botany Bay zwangsverpflichtet und die armen Kinder zwei Tage lang mit TLK gequält. Sehr cool, vor allem weil ich so was schon immer mal haben wollte.

Nun ja, damit ist das Album mehr oder weniger fertig, zumindest was die aufgenommenen Songs betrifft. Natürlich muss jetzt trotzdem noch einiges geschehen, ehe die Premierenparty steigen kann:

  • An einigem Songs müssen wir noch beim Gesang und den Backing Vocals etwas feilen; Interludes müssen noch angeglichen werden damit’s auch wirklich passt
  • Das Ganze muss richtig cool ab- und ineinandergemischt werden
  • Wir brauchen ein CD-Cover und -booklet, und da hab ich auch schon relativ weitschweifende Ideen..

Naja. Trotzdem, so gut wie fertig. Und das alles noch in Heidelberg.

Was mich zur anderen Neuerung bringt, nämlich dass ich aus Heidelberg wegziehen werde. Mein engerer Bekanntenkreis weiss die Details eh schon, für alle anderen die das hier noch lesen jetzt die nicht mehr so neuen Neuigkeiten nochmal.

[ resolve ]

Obwohl ich nach meinem Abschluss lange und breit versucht habe, in Heidelberg oder Nähe Karlsruhe vernünftige, längerfristige Arbeit zu finden und eigentlich dachte, das kann mit meinen wirklich guten Qualifikationen nicht allzu schwer sein, wurde daraus leider nichts.

Die Rettung kam aus Bonn von einem Unternehmen, dessen Anforderungen so derart haargenau auf mein Profil passten, dass ich echt verdammt blöd gewesen wäre, wenn ich dazu nicht ja gesagt hätte.

Naja, das heisst halt auch, dass ich jetzt nach anderthalb Monaten Home-Office nach Bonn hochziehen werde.

Ein bisschen mulmig (nee, arg mulmig) ist mir bei der Sache schon. Neue Stadt, keinerlei Freunde dort, keine Ahnung wie das alles werden soll… aber in HD bleiben und mich mit Gnadenjobs über Wasser halten während ich zuschaue, wie die Leute denen ich durch Informatik geholfen habe das grosse Geld machen, das wär im Zweifelsfall auch nichts für mich gewesen.

Jetzt also Bonn.

Irgendwie hing ich immer der romantischen Vorstellung nach, ich würde vielleicht irgendwann einmal wieder zurückkehren in die Gegend, die ich so sehr vermisse… die Leute wieder treffen, die ich so sehr vermisse… und diesmal alles richtig machen, jede Entscheidung gut zu überdenken und die Fäden wieder da aufzunehmen wo alles schiefging… selbst wenn es diese Gegend so nicht mehr gibt, selbst wenn diese Leute nun entweder über die ganze Welt verstreut sind oder aber genug Psychotherapie hatten, um ebenfalls als nicht mehr vorhanden zu gelten.

detached 2

Es gibt keinen Hinterhof mehr. Paul, der schwarze Kater, der morgens an die Scheibe getrommelt hat um mich zu wecken und mir zu sagen dass ich Frühstück besorgen soll, ist schon lange tot, ebenso wie die fünf anderen Katzen und die Glühwürmchen im Garten. Und die Leute, in denen dieser Satz das selbe auslösen würde wie in mir jetzt, die werden ihn nicht lesen.

Den Weg zurück gibt es nur noch in meinem Kopf. Und auf diesem Album, das demnächst erscheinen wird.

Nun ja, alles was ich mir im Moment wünsche ist, dass der Umzug nach Bonn nicht so fatal für mich sein wird, wie es der von Karlsruhe nach Heidelberg war. Und dass alles gut wird.

[ depart ]

"I went down to the cellar to that no-go door…" oder: Der Kreis schließt sich…


Weil’s so schön zu unserer aktuellen Single “Feel” passt, und weil ich danach gefragt wurde, aus sonstigem aktuellen Anlass und weil’s mir eh die ganze Zeit auf der Seele liegt möcht ich mich an dieser Stelle gerne doch ein bisschen mit dem Thema Psychotherapie auseinandersetzen (“Oh Gott”, höre ich sie rufen, “erst hat er was gegen Schnee und jetzt will er uns auch noch die Psychotherapie madig machen!”)

Nee, im Ernst.

Zunächst mal meine eigene Erfahrung mit Psychotherapie, die gottseidank inzwischen lange genug her ist als dass ich einigermaßen unbeschwert darüber reden kann:

Ich selbst war also ein bisschen über ein Jahr in Psychotherapie. Innerhalb dieser Zeit habe ich alle möglichen vorhandenen und nicht vorhandenen dunklen Türen meiner Vergangenheit geöffnet, jede Mördergrube aufgedeckt die sich irgendwie ausmachen liess; um herauszufinden, weswegen ich verletzbar bin, was mich verletzt, welche Dinge welche unterbewussten Erinnerungen bei mir auslöst und dergleichen Zeug mehr.
Währenddessen ging es mir immer schlechter und schlechter, vor allem weil ich dank der Therapie langsam dahinterstieg wie manipulierbar ich war, wie zerbrechlich ich war, und wie meine Psyche schon von Kindesbeinen an schon von der bösen bösen Welt um mich rum verhunzt worden war.
Nach einem halben Jahr litt ich dann tatsächlich an einer ausgewachsenen Depression, und es war mir vollkommen klar, dass ich ein traumatisiertes Wrack bin, dessen Seelenleben bei auch nur der kleinsten Erschütterung wie ein Kartenhaus in sich zusammenzuklappen droht, und ich liess mir von meiner Therapeutin nur allzu bereitwillig erklären, woher all diese meine Unzuänglichkeiten und Defekte kommen und warum das gar nicht anders sein kann und was ich machen kann um die Defekte in den Griff zu kriegen.

Es brauchte ein wirklich brutal einschneidendes Erlebnis in meiner unmittelbaren Umgebung um endlich dahinterzukommen, daß das alles übelster Humbug war. Leider kann ich über dieses Erlebnis nicht in aller Ausführlichkeit erzählen, aber im Prinzip lässt es sich relativ leicht in einem Satz zusammenfassen: Ich war gezwungen, mich mit einer Person auseinanderzusetzen, die wirklich den totalen Dachschaden hatte – im Gegensatz zu meinem eigenen eingebildeten.

Von da an wurde alles schlagartig besser. Die Therapiesitzungen führte ich noch eine Weile fort… bis mir auffiel, dass ich die ganze Zeit nur in meiner Kindheit rumrühre und künstlich irgendwelche Schmerzen ans Tageslicht bringe an die ich mich ohne die Therapie nie erinnert hätte und die damals vermutlich auch nicht so sehr gejuckt haben als dass man heute unbedingt ein Gewese darum machen musste.

Zu gerne würde ich jetzt sagen, die Therapie hätte mir überhaupt nichts gebracht; aber das stimmt leider nicht ganz. Denn dieser ganze plumpe Versuch, meine Gefühlswelt in rationale Bahnen zu lenken, erklärbar zu machen und mich somit vor meinen eigenen ach so gefährlichen Wünschen und Hoffnungen zu schützen, hat mir ein Teil genau dieser Wünsche und Hoffnungen genommen. Die Therapie nährte meine Einbildung, irgendwas sei mit mir nicht in Ordnung, und sie nährte meinen Wunsch, dieser eingebildeten Erkrankung mit konstruktiven Maßnahmen beizukommen.

Und jetzt sitze ich hier und brauch vier Jahre für dieses Album, weil’s so verdammt schwierig geworden ist, das aus mir rauszukriegen, was ich wirklich fühle. Und deshalb übrigens feel.

Scheiß auf die konstruktiven Maßnahmen!

Auch wenn’s sehr nach Star Trek und Hare Krishna und Bagwhan klingt: Es sind unsere Gefühle, unser Schmerz und unsere Freude die uns ausmachen. Und unsere ganze Traurigkeit, und unsere ganze Hoffnung. Es gibt daran nichts was irgendjemand in Bahnen lenken sollte, und schon gar nicht sollte irgendwas davon mit Psychogebrabbel erklärt werden.

Man könnte natürlich jetzt leicht sagen: Ok, dann hast Du eben Pech gehabt und Psychotherapie hat Dir nichts gebracht. Das muss ja nicht für andere gelten.

Aber dummerweise gilt es für andere halt doch.

Selbst wenn es jemandem nach psychotherapeutischer Behandlung besser geht als vorher, dann will dies noch immer gar nichts heissen. Schon im Jahre 1951 ermittelte der Londoner Psychologe Hans Jürgen Eysenck in einer breit angelegten statistischen Erhebung, dass sich 66% aller betrachteten seelischen Störungen binnen zwei Jahren von allein heilten. Nach fünf Jahren waren sogar 90% der Unbehandelten wieder seelisch gesund.

Doch damit nicht genug: An analysis of psychotherapy versus placebo studies, ein 1983 in The behavioral and brain sciences erschienener Artikel einer Forschergruppe um Leslie Prioleau ist eine Metaanalyse aus 32 Studien, in denen sich psychotherapeutische Verfahren dem Vergleich mit einer unspezifischen Scheinbehandlung – einem Placebo – stellen mussten. Prioleaus ernüchternde Feststellung: “Die Ergebnisse liefern keine Hinweise darauf, dass die Psychotherapie wirksamer ist als eine Scheinbehandlung.”

Wohl wegen des vernichtenden Ergebnisses verpflichtete sich das Team, diese Feststellung zurückzuziehen, sobald ein überzeugender Gegenbeweis vorliegen würde.

Dieser steht bis zum heutigen Tage noch aus.

Kein Medikament, das in einem Placebo-Test nicht besteht, würde die Zulassung als Arzneimittel bekommen oder gar von der Krankenkasse bezahlt werden.

Man stelle sich das nur mal vor: “Und, hat der Betablocker geholfen?” –”Naja, ich hatte schon den einen oder anderen Herzinfarkt die letzten paar Monate über, aber trotzdem hab ich das Gefühl dass es mir echt viel gebracht hat… doch, ganz ehrlich, Du

Das alles wär nicht weiter schlimm, wenn Psychotherapie nur Geld kosten und nix bringen würde.

Nur leider ist es nicht so einfach, denn Menschen begeben sich nur allzugern in Abhängigkeiten. Und somit wird die Psychotherapie genau zu einer der Krankheiten, die sie erfolglos zu behandeln versucht. Menschen richten ihr gesamtes Leben neu aus, weil die Psychotherapie ihnen sagt, dass sie es tun sollen. Es steckt ja schließlich eine Wissenschaft dahinter, und die muss doch recht haben, nicht wahr? Was macht es da aus, wenn die eigene Persönlichkeit umprogrammiert wird? Und plötzlich sind Menschen aus dem nächsten Bekanntenkreis nicht wiederzuerkennen, nur weil ihnen in der Psychotherapie gesagt wurde, wie sie zu fühlen haben.

that was the river
but this ain’t the sea
somewhere still you
and somewhere still me
working hard
to become what I am

Vor vielen vielen Jahren, als mein Leben noch in Ordnung war, als ich noch in einem Haus mit einem Garten wohnte, als noch fünf Katzen in der Gegend herumsprangen, draussen die Linde blühte, abends Freunde zum Kochen vorbeikamen, als ich jung und verliebt war und hinten in der von Efeu überwuchterten Scheune das erste Album von Botany Bay entstand (kurz, als ich all die Dinge hatte, von denen im “Crow Song” die Rede ist), da verlor ich eine gute Freundin an eine kriminelle Psycho-Sekte namens Scientology.

Dass eine erwachsene und sehr intelligente Frau sich so derartig umpolen liess, dass sie ohne mit der Wimper zu zucken ein Vermögen dafür ausgab, sogenannte “Auditing-Sessions” zu machen (ein bizarres Ritual, das eine nicht geringe Menge an psychis
chem Stress erzeugt und dadurch zu Glücksgefühlen führt, wenn die Sache wieder vorbei ist), sich Ammenmärchen vom operierenden Thetanen erzählen zu lassen, und ihr ganzes Leben über den Haufen zu werfen, das machte mich damals derartig fertig, dass ich einen Großteil meiner Energie darauf verwendete, meine Mitmenschen über die Machenschaften von Scientology aufzuklären… auf daß ich so etwas nie wieder erleben muss. Die Reste meiner Aktionen von damals sind heute noch auf dieser Seite einsehbar (ja, ich hatte 1995 schon eine Homepage. Das Kunststück, dass nach über 10 Jahren noch immer niemand meine Musik entdeckt hat, soll mir erstmal jemand nachmachen ;-) )

Scientology und Scientologen, so fand ich damals jedefalls heraus, haben große Angst vor Psychologie und insbesondere vor Psychotherapie. Und heute muss ich mich auch nicht mehr darüber wundern, warum das so ist. Denn warum sollte man zu Scientology gehen und dort seinen letzten Cent für einen Haufen Humbug ausgeben, wenn man sich woanders die Gehirnwäsche von der Krankenkasse bezahlen lassen kann?

Thoughts on snow

Schnee ist vollkommen overrated. Ich meine, niemand der einigermaßen richtig im Kopf ist freut sich wirklich über den Scheiß, oder? Schnee ist kalt, Schnee ist nass, man rutscht drauf aus, es passieren Unfälle, man muss heizen wie nur irgendwas und unter dem Strich ist Schnee einfach nur unangenehm und kostet dabei einen Haufen Geld. So ähnlich wie Steuern oder Studiengebühren.

Nur sind Studiengebühren und Steuern nur selten der Auslöser für helles Entzücken. Ich hab bis jetzt relativ wenige Leute gesehen, die beim Empfang einer Zahlungsaufforderung ein glückseliges Grinsen aufsetzen, auf und ab springen und dabei “Hurra, Studiengebühren!” skandieren. Warum also bei Schnee?

the day the magnolias died again
wäre eigentlich ein netter Songtitel…

Schnee ist doch nur was für genau jene Sportskanonen, von denen man nach der Schule üblicherweise froh ist, sie nie wieder sehen zu müssen. Und selbst für die muss es eigentlich nicht hier sondern nur in ausgewählten Naturschutzgebieten schneien, die sie dann mit ihren lächerlichen Brettern unter den Füssen zugrunde richten können.

Und alle anderen, die den Quatsch toll finden? Die sind fehlgeleitet und müssen gerettet werden.

Tja, das werde dann wohl ich übernehmen.

Oder auch erstmal nicht, noch wichtiger scheint es mir zu sein, die Welt von Psychotherapie zu befreien…